Der Kunstverein Region Kreis Heinsberg hatte sich 1985 bewusst diesen Namen gegeben, denn er will nicht nur aktuelle, zumeist Kunst jüngerer Künstler zeigen, sondern verpflichtet sich auch, dies eben für die ganze Region Heinsberg zu tun. Was unter dem Gesichtspunkt, dass zum Beispiel Wegberg damals nicht über eine eigene Galerie verfügte, besonders Sinn macht.

Neben den Ausstellungen bietet er für alle Kunstinteressierte neben Vorträgen, Künstlergesprächen, Workshops und Veranstaltungen mit Schülern auch sogenannte Editionen an. Dies sind kleine Auflagen von Kunstwerken, die die ausstellenden Künstler extra für den Kunstverein geschaffen haben und die zumeist auch im Zusammenhang mit den Exponaten entstanden sind. Seit den nun mehr als 40 Jahren Kunstverein sind es mittlerweile fast 180 Ausstellungen, die ein engagiertes und einfallsreiches Team betreut hat und wovon mehr als 150 Editionen zeugen. Jeder ausgestellte Künstler verpflichtet sich, für die Edition zu seiner Ausstellung fünfzehn Werke anzufertigen, die dann zu kaufen sind: Kunst für einen günstigen Preis, zum Sammeln oder Verschenken.

Beatrice Meersmann aus Wegberg erzählt, dass sie seit gut zehn Jahren diese mittlerweile große Zahl an Editionen in einem dafür reservierten Raum des Horster Hofes 1 in Unterbruch betreut. Ein Unikat oder ein Auflagenobjekt bedeutet, dass sich alle Blätter, jedes Teil einer Fünfzehnerauflage, voneinander unterscheidet, sodass man sich als Liebhaber also genau dasjenige aussuchen kann, welches einem speziell zusagt. Als Beatrice Meersmann 2014 ihre ehrenamtliche Arbeit aufnahm, musste sie allerdings zuerst die Aufgabe bewältigen, die vielen bis dahin aufgelaufenen Werke zu sichten und zu katalogisieren, um sie dem Publikum zugänglich zu machen. Dann bugsierte sie die Editionen in beeindruckende Grafikschränke mit großen Schubladen oder ordnete sie in Regale, sodass sie heute genau sagen kann, wo vielleicht noch ein Restexemplar einer unverkauften Edition von zum Beispiel 1989 zu finden ist. Denn es kann sein, dass noch nach Jahren einige Restbestände einer Auflage von Unikaten vorhanden sind. Genauso gut kann es passieren, dass schon bereits am Tag der Ausstellungseröffnung, an dem ja auch die Editionen vorgestellt werden, alle verkauft werden. Und hier kommt der rote Punkt ins Spiel: Er markiert, an ein Werk geklebt: Ich bin verkauft! Das freut Beatrice Meersmann, die Leiterin dieser Abteilung, die im Englischen „Head of Department Prints & Multiples“ heißen würde, natürlich ganz besonders. Denn auch diese Einnahmen halten den Verein am Leben.

Betritt man den Nebenraum des Kunstvereins, in dem die Editionen lagern, sieht man auf drei Regalreihen übereinander eine reiche Schau an Werken der Malerei, Zeichnung, Lithografie, Holz- und Metallskulptur, Textil und Keramik. Dieser Raum hat eine besondere Atmosphäre, mit der er seine Besucher fasziniert: Die Verdichtung, die Quintessenz von vielen Jahrzehnten Ausstellungstätigkeit, ist hier anwesend. Viele künstlerische Konzepte, ein ganzes Universum an bildnerischer Intelligenz und Ausdruckskraft treten dem Interessierten entgegen. Wie in einem auf kleinem Raum komprimierten Museumsmagazin, in einem Minikaufhaus der Kunst der letzten 40 Jahre. Neben Stücken von Tony Cragg, Günther Uecker und Thomas Virnich (deren Belegexemplare sind allerdings schon mit rotem Punkt versehen, also ausverkauft) findet aber bestimmt fast jeder etwas für seinen Geschmack und kann sich so zu Hause eine kleine Sammlung aufbauen, an der er Gefallen hat. Dabei kommt es doch nicht so sehr auf den Namen und den Marktwert des Künstlers an, sondern vielmehr darauf, was der Käufer mit einem Werk „anfängt“. Denn ein gutes, also ein passendes Kunstwerk zu Hause zu haben, heißt ja: Da hängt eine künstlerische Äußerung an der Wand, mit der ich als ihr Besitzer bestenfalls in Dialog trete und der ich so einen Platz in meinem Leben einräume. Sie kann Projektionsfläche von Fantasien sein, kann etwas lehren über die Sichtweise eines Künstlers oder den Besitzer mit der sehr speziellen und in Entwicklung begriffenen Bildsprache des Malers, Zeichners, Druckers oder Fotografen vertraut machen. Und vielleicht zuletzt auch als Anlageobjekt dienen.

Manchmal nutzen Künstler auch die eingegangene Verpflichtung, eine Edition anzufertigen, um sich auf eine ihnen eher ungewohnte Weise zu äußern. So fertigte jüngst ein Bildhauer farbige Aquarelle mit Pigmentdruck an, die mit ihm ausstellende Malerin goss charmante Kleinplastiken aus Marmormehl, die wie eine dreidimensionale Parallele zu ihren Acrylbildern erscheinen.

Beatrice Meersmann und der Kunstverein wissen um die Qualität dieses Angebots, verstehen es aber durchaus nicht nur als Verkaufsangebot. Vielmehr dient es auch dem Zweck, immer mehr Menschen in der Region mit moderner, qualitätvoller Kunst bekannt zu machen. Eine Möglichkeit dazu ist die sogenannte Editionsmitgliedschaft, bei der sich der Kunstfreund alle fünf innerhalb eines Jahres erscheinenden Editionen sichert (www.kunstverein-heinsberg.de).

Aber auch jedes Vereinsmitglied kann ein solches Unikat vergünstigt kaufen. Natürlich sucht man sich dann aus den angebotenen Exemplaren dasjenige heraus, das am besten gefällt.

Sollten von einer Auflage noch Reststücke vorhanden sein, sind diese unter Umständen mit ein wenig Glück sogar während einem der jährlichen Kunstfeste zu gewinnen. Auch das ist eine Möglichkeit, Kunst im ländlichen, regionalen Raum populär zu machen.

Und auch die ausstellenden Künstler profitieren: Sie bekommen einen Festpreis für die fünfzehn Unikate. Die Kosten für die Ausstellung und deren Aufbau, manchmal auch für Kost und Logis, übernimmt der Verein. Weshalb man die Herausgabe der Editionen auch als direkte Künstlerförderung abseits des Marktes verstehen kann. Und es gibt noch weitere handsignierte Sondereditionen, die man auf der Internetseite des Vereins sehen kann, wo auch Möglichkeiten der Kontaktaufnahme genannt sind.