Neues Angebot in Thal: Ein Mitfahrbankerl lädt alle zum Stehenbleiben ein, die am Weg nach Graz einen leeren Platz im Auto haben.
Heute sind sie selten geworden, aber bis in die Achtziger-Jahre hinein gehörten die ausgestreckten Daumen zum Straßenbild: Autostopper und Tramper sind ab den Neunzigern mehr und mehr verschwunden, seit fast alle ein eigenes Auto besitzen und auch die öffentlichen Verkehrsmittel stark ausgebaut wurden.
Platz für Mitfahrende gäbe es freilich genug, denn sehr viele Menschen sind ganz alleine im Pkw unterwegs, auch zwischen Thal und Graz. „Da kann ich mich selber gar nicht ausnehmen, auch ich fahre berufsbedingt sehr viel alleine herum“, sagt der Thaler Bürgermeister Matthias Brunner (Liste Matthias Brunner). Schon seit bald sieben Jahren hat ihn eine Idee nicht mehr losgelassen, die letzte Woche endlich umgesetzt wurde: Eine Bank am Straßenrand, gekennzeichnet mit einem Schild – das Mitfahrbankerl, das man an der Thalstraße Richtung Graz vor der Spar-Filiale aufgestellt hat.
Auch wenn Thal mit rund 30 bis 40 Busverbindungen am Tag verhältnismäßig gut an Graz angebunden ist, bleiben Lücken, die man mit diesem Angebot schließen will. Wenn jemand auf dem Bankerl sitzt, sucht diese Person (höchstwahrscheinlich) eine Mitfahrgelegenheit – Autolenkerinnen und -lenker sind herzlich eingeladen, sie einsteigen zu lassen.
Mitfahren erst ab 16 Jahren
„Wir haben das Bankerl rechtlich und mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit abklären lassen“, so Brunner. Nachdem es bei einer Bushaltestelle („Thalkreuz“) errichtet wurde und man hier gut halten kann, gab es keine Sicherheitsbedenken. Aber: Laut Steiermärkischem Jugendgesetz ist es Personen unter 16 verboten, „Kraftfahrzeuge anzuhalten, um mitgenommen zu werden, oder in sonstiger Weise (wie Internetplattformen usw.) unbekannte Lenkerinnen und Lenker zur Mitnahme aufzufordern.“ Das gilt auch umgekehrt für Lenkerinnen und Lenker. Ausnahmen gibt es nur in Notfällen, wenn man sich persönlich kennt oder in Begleitung einer Aufsichtsperson.
Idee für Zusammenhalt findet auch Anklang in Graz
Wie gut die Bank angenommen wird, müsse sich erst zeigen. „Es ist einfach eine liebe Idee, die den Zusammenhalt fördern soll – die Bänke haben wir sowieso, das Schild hat nicht viel gekostet“, sagt Brunner. „Aber Erfolgsdruck haben wir in diesem Fall keinen.“
Übrigens, wer von Thal nach Gösting mitfährt, könnte auch auf diese Weise wieder zurückkommen: „Ich finde die Idee charmant und unkompliziert“, sagt die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) auf Kleine-Zeitung-Anfrage: „Solche kleinen Angebote können Lücken schließen und gleichzeitig den Zusammenhalt stärken. Wir prüfen gerne einen passenden Standort in Gösting.“
Noch ein Bankerl, das verbindet
Eine Bank für mehr Zusammenhalt wurde kürzlich auch im Grazer Augarten aufgestellt: „Plauderbankerl“ steht auf dem kleinen blauen Schild geschrieben, gemeinsam mit der Erklärung „Wer hier sitzt, unterhält sich gerne.“ Das Projekt von Caritas und Stadt Graz soll gerade in Zeiten zunehmender Einsamkeit einen niederschwelligen Ort schaffen, an dem Menschen unkompliziert miteinander in Kontakt kommen können. Bewährt sich das Plauderbankerl, sind weitere Standorte in Graz geplant.
