Peter Michorl is back! Nach seiner „Fußball-Ausbildung“ bei Austria Wien war der Mittelfeldregisseur von 09/2014 bis 06/2024 beim LASK, ehe der Wiener keinen neuen Vertrag bei den Linzern erhielt und erstmals ins Ausland wechselte. Nach zweijähriger Legionärszeit bei Atromitos Athen ist der 31-Jährige mit der neuen Saison 2026/27 wieder zurück in der Bundesliga, neu beim GAK 1902. Mit dem es am Freitag (19:30 Uhr, Ligaportal-LIVETICKER) gleich zum Auftakt zu Michorls Ex-Klub nach Linz geht. Dazu und zu anderem äußerte sich der Routinier im exklusiven Ligaportal-Give-me-five-Interview (Fünf Fragen = fünf Antworten).

Beim Bundesliga-Auftakt kommt es für Peter Michorl zu einem speziellen Spiel. Mit seinem neuen Klub GAK 1902 gastiert der 31-jährige Wiener ausgerechnet beim LASK, wo der Mittelfeldspieler nach über einem Jahrzehnt im Mai 2024 einen emotionalen Abschied erlebte und von den Linzer Fans gebührend verabschiedet wurde.
„Ich hatte zehn wunderschöne Jahre beim LASK“
LIGAPORTAL: Willkommen zurück in Österreich und der Bundesliga, Peter. Was nach zwei Jahren im Ausland ohnehin womöglich schon emotional für dich ist. Doch zum Pflichtspielauftakt der neuen Saison steigert sich das ja noch. Erst im ÖFB-Cup das „Familien-Duell“ bei Donaufeld, wo dein Onkel Trainer ist, und nun wird das Ganze noch getoppt durch die Liga-Saisoneröffnung mit dem GAK-Gastspiel bei deinem Ex-Klub LASK, wo du in zehn Jahren zum Fan-Liebling geworden bist und stolze 351 Pflichtspiele absolviert hast, mit 40 Toren sowie stolzen 90 Assists. Mit welchen Gefühlen begegnest du diesem „Wiedersehen mit der jahrelangen Ex“?
Peter Michorl: Mit durchweg positiven. Ich hatte zehn wunderschöne Jahre beim LASK. Es wird sicher morgen emotional, wenn man so eine lange Zeit bei einem Verein verbracht hat. Aber es wird jetzt nicht nur besonders, weil ich zurück an meine alte Wirkungsstätte kehre, sondern auch weil es mein erstes Bundesligaspiel für den GAK ist. Ich freue mich einfach darauf.
„Wir werden nicht die weiße Fahne schwenken, sondern bereit und scharf sein“
LIGAPORTAL: Beim GAK 1902 hat in diesem Sommer ein großer personeller Umbruch stattgefunden, in der Startelf beim ÖFB-Cup-Auftakt standen zehn neue Spieler gegenüber der ersten Runde im Bewerb ein Jahr zuvor. Wie weit ist der Integrationsprozess der vielen Neuzugänge, einschließlich dir, vorangeschritten und wie siehst du die Ausgangslage am Freitag in Linz gegen den Doublegewinner?
Peter Michorl: Ich denke, dass wir den Cup-Auftritt sehr souverän gestaltet haben. Viele neue Spieler konnten gleich mal aufzeigen. Wie Tim Trummer, der ein überragendes erstes Spiel gemacht hat und sich dann leider verletzt hat. Auch der Liam (Anm.: der 22-jährige Israeli Hermesh) neben mir im Zentrum hat ein gutes Spiel gemacht. Leon Klassen ist ja eigentlich kein Neuzugang mehr und ist schon seit Winter da, wurde nunmehr fest verpflichtet. Ich selbst konnte mich auch sehr schnell integrieren. Cian Stankovic brauchst du dann auch nicht mehr erklären, wie der Fußball funktioniert. Deswegen haben wir uns da alle schon relativ schnell gefunden.
Die Ausgangslage ist ganz klar, wir fahren als Zehnter der Vorsaison zum Doublesieger. Der LASK ist der klare Favorit. Das ist uns bewusst. Aber wir fahren nicht hin, dass wir die weiße Fahne schwenken und sagen nicht schon vor dem Spiel ´Gratulation zu den drei Punkten`, sondern sie müssen der Favoritenrolle schon auch gerecht werden. Weil wir werden bereit sein, wir werden scharf sein. Sie müssen schon eine ihrer besten Leistungen zeigen, um der Favoritenrolle gerecht zu werden.

Peter Michorl am vergangenen Wochenende nach dem ÖFB-Cup-Spiel in Donaufeld, wo sein Onkel Josef Trainer ist (siehe auch Beitrag). Der GAK-Mittelfeldspieler sorgte für die Grazer Athletiker mit seinem Treffer für den 4:0-Endstand.
„Tino hat immer wieder nachgefragt, ob ich es mir im Sommer vorstellen könnte zum GAK zu kommen“
LIGAPORTAL: Nach den Linzer Athletikern zuvor nun zu den Grazer Athletikern. Wie kam der Kontakt zustande und was gab für dich den Ausschlag, zum GAK 1902 zu wechseln?
Peter Michorl: Tino Wawra wollte mich schon im vergangenen Winter zum GAK holen. Es hat dann leider nicht funktioniert, weil ich bei Atromitos noch mit im Abstiegskampf steckte und sie mich dort nicht gehen lassen wollten. Der Kontakt ist aber nie abgerissen. Tino hat immer wieder nachgefragt, ob ich es mir im Sommer vorstellen könnte, zum GAK zu kommen.
Dann habe ich die Mannschaft auch im Frühjahr verfolgt und extrem viel Potenzial drin gesehen. Wer den GAK genauer verfolgt hat, weiß, dass er in der vergangenen Saison einen katastrophalen Saisonstart hatte. Aber dann ab der Rückrunde im Grunddurchgang sehr gut performt hat, mit einem Punkteschnitt von 1,5. Wenn du das hochrechnest, bist du über die ganze Meisterschaft in anderen Tabellensphären. Das war nicht der Fall, aber das Potenzial ist da und deswegen auch der Zuschlag für den GAK.

Thema LASK: „Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht und auch verdient“
LIGAPORTAL: Es gibt im Fußball ja durchaus den ein oder anderen „Wandervogel“. Du aber hast mit 31 Jahren nur drei Profi-Stationen. Deine überwiegende Karriere war beim LASK, dazu die zwei Jahre in Athen. Beim GAK 1902 hast du auch einen Zweijahres-Vertrag. Wie wichtig ist dir Kontinuität bzw. Vereinstreue und, Hand aufs Herz, wie weit hat dich enttäuscht, dass dein Vertrag vor zwei Jahren beim LASK nicht mehr verlängert wurde, trotz all deiner Verdienste für den Verein?
Peter Michorl: Kontinuität ist für mich schon wichtig im Leben. Ich bin auch ein Mensch, der sich wohlfühlen muss, um dann auf dem Platz performen zu können. Deswegen auch die lange Zeit in Linz, weil ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. Ich hoffe, dass es auch eine längere Zeit in Graz wird, weil ich mich hier auch vom ersten Tag an extrem wertgeschätzt und extrem wohl fühle.
Dass beim LASK die Reise nicht mehr weitergehen wird, war bereits nach fünf Spieltagen in der Bundesligasaison 2023/24 abzusehen. Das ist im Fußball nun mal so. Entscheidungen gehören getroffen. Oft sind harte Entscheidungen dann auch schwierig, wie es in meinem Fall war, wenn du zehn Jahre bei einem Verein bist. Ich habe natürlich gebraucht, um das zu verarbeiten. Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht und auch verdient.
Aber es ist nicht die Entscheidung, die mich enttäuscht hat, sondern das „Wie“ hätte ich einfach gern anders gestaltet. Im Leben geht es halt nicht immer nur bergauf, sondern es gibt auch Tiefs. Genauso im Fußball. Ich bin jetzt einfach froh, beim GAK zu sein und ganz Österreich zu zeigen, was ich drauf habe. Dass das Ende beim LASK nicht dem entspricht, was ich leisten kann.

Peter Michorl absolvierte in seinen zwei Jahren in Griechenland für Atromitos Athen 64 Pflichtpartien und steuerte dabei drei Treffer und 12 Assists bei.
LIGAPORTAL: Lass uns zum Abschluss auf deine zwei Jahre in Griechenland blicken. Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse nimmst du da mit und welche besonderen Unterschiede siehst du zwischen der dortigen ersten Liga und der österreichischen Bundesliga?
Peter Michorl: Als Erfahrenswert nehme ich mit, dass man als Ausländer, der zu einem neuen Verein kommt, sich eine etwas längere Eingewöhnungszeit geben darf, kann und soll. Denn wie ich bereits sagte, als Fußball-Profi musst du dich erstmal wohlfühlen, um auf dem Platz zu performen. Wir sind alles Menschen. So ging es auch mir. Mein erstes Jahr war nicht so richtig von Erfolg gekrönt. Ich habe mich da auch das erste Mal in meiner Karriere schwer verletzt. Ich hoffe, dass es das letzte Mal war.
Generell erlebte ich dort eine andere Kultur und Mentalität. Das alles muss man lernen. Das habe ich auch getan. Nach der Verletzung beziehungsweise nach meinem Comeback war ich wieder der Peter Michorl von früher.“
Was den Unterschied betrifft, trifft man individuell in Griechenland sehr gute Fußballer, die man in Österreich wahrscheinlich so nicht mehr sieht. Was allerdings in Österreich kompensiert wird durch mannschaftliche Kompaktheit und vielleicht auch etwas mehr Intensität. Ich finde, dass die Griechen individuell bessere Fußballer haben und wir in Österreich kompaktere Mannschaften.
LIGAPORTAL: So ähnlich sagte es vor Jahren auch Ex-Griechenland-Legionär Stefan Schwab, mit dem du dich ja dann beim BL-Spiel des GAK mit der SV Ried darüber austauschen kannst. Danke, Peter, für das offene, professionelle Gespräch. Und viel Erfolg für die neue Saison.“
Das Interview führte Ligaportal-Chefredakteur Herbert Pumann
Siehe auch:
Fotocredit: GAK 1902, Harry Dostal www.sport-bilder.at und IMAGO/One Inch Productions