„The (a) Point Between 2 (or more) Confessions“ ist der Dialog zweier Menschen in einem Solo. Was wie ein Widerspruch in sich klingt, ist das Kondensat einer jahrelangen Beziehung. So hat der 74-jährige Bill T. Jones als New Yorker Tanzlegende dem rund 35 Jahre jüngeren Raja Feather Kelly als prominentem Vertreter der nächsten Generation das Solo auf den Leib geschrieben. Am Mittwoch feiert das Stück Uraufführung im Rahmen des Wiener ImPulsTanz-Festivals.
Seit Jahren sind die beiden Tanzgrößen persönlich verbunden, wobei Bill T. Jones als legendärer Aktivist in der HIV-Epidemie und gegen Homophobie zunächst eine Mentorenrolle für Kelly einnahm, der für das neue Queersein mit seinem New Brooklyn Theatre steht. Das Gefälle hat sich aber offenbar zu einer Bindung auf Augenhöhe entwickelt, und die Facetten dieser Beziehung zweier Meister des Tanzes spiegeln sich nun in „The (a) Point Between 2 (or more) Confessions“.
Kelly agiert dabei auf einer monochromen, bis auf einen Stuhl leeren Bühne im Akademietheater. Einzelne Positionen in diesem Nicht-Raum entsprechen bestimmten Posen, korrespondieren über den 50-minütigen Abend hinweg mit bestimmten Bewegungen, die immer wieder durchlaufen werden, wenn der Akteur die jeweilige Stelle erreicht.
Sport und Disco, Voguing und innerliche Momente unter höchster Körperspannung bilden dabei das choreografische Bewegungsgerüst für Kelly, das dieser wie bei einem Zirkeltraining im steten Fluss absolviert. Zugleich belässt es der Künstler, der bereits mehrfach beim ImPulsTanz zu erleben war, nicht beim Ausdruck seines Körpers. Er reiht Anekdoten, kurze Sequenzen der Erinnerung, der Reflexion erzählerisch aneinander, die sich letztlich um die zentralen Themen jedes Lebens drehen: die Frage nach Gott, Sex, das Wesen der Liebe, das Verhältnis zu den Eltern.
Aus diesem fragmentarischen Mosaik eines Lebens ohne Ironie, das bisweilen von Regen oder auch einem Song von Nina Simone grundiert wird, setzt sich am Ende des umjubelten Abends das Bild zweier Persönlichkeiten zusammen. Es sind die Einflüsse und Haltungen des Älteren und die Fortdenkungen und Wünsche des Jüngeren, die hier einen kleinen, magischen Tanz miteinander wagen.
(Von Martin Fichter-Wöß/APA)