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„Von hier oben seid ihr ziemlich heiß“, scherzte Lorde, als sie das Menschenmeer überschaute, das sich zu ihrem Headliner-Set am Donnerstag beim Lollapalooza in Chicago versammelt hatte. Die Bemerkung bezog sich offenbar auf beides – die Temperatur (sie bat die Security mehrfach, nach Leuten im Publikum zu schauen, die sichtlich mit der Hitze kämpften) und die Energie des Abends, denn die neuseeländische Musikerin schälte sich im Laufe ihres intensiven Sets aus ihren Schichten – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.
Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass Lorde zuletzt vollständig auf einer Lollapalooza-Bühne in Chicago stand. 2014 war die damals 17-Jährige auf dem Höhenflug mit ihrem Megahit „Royals“ – ein aufgehender Stern, der backstage vor ihrem Auftritt die entspannte Coolness einer Teenagerin ausstrahlte. Während sie beiläufig davon sprach, den Soundtrack zu „The Hunger Games: Mockingjay – Part 1“ kuratiert zu haben und mit ihrem Durchbruchssong einen Rekord in den Alternative-Charts aufgestellt zu haben, wirkte sie bereits headliner-reif – mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Souveränität auf der Bühne.
2017 sollte sie dann tatsächlich den Abend anführen, doch sintflutartige Regenfälle beendeten das Festival vorzeitig: Nach nur wenigen Songs wurde ihre Show abgebrochen, als das Gelände evakuiert werden musste.
Triumphale Rückkehr
Am Donnerstag trat sie ihren wohlverdienten Triumphzug auf diesem Spitzenplatz an – und das Warten hatte sich gelohnt. Ihre lässige Selbstsicherheit war von der ersten Sekunde an spürbar: Sie hob sich ihren größten Hit nicht für den Schluss auf und musste das auch nicht. Stattdessen eröffnete sie mit „Royals“, das Anfang dieses Jahres in den Milliarden-Views-Club auf YouTube aufgenommen wurde. Ihr Set umspannte alle vier Alben, mit einem Schwerpunkt auf der kathartischen Neuerfindung ihres vierten Studioalbums, „Virgin“ von 2025.
Ihre Performance war ebenso körperlich wie emotional: Bei „Shapeshifter“ bewegte sie sich auf allen vieren, während „Current Affairs“ von Lorde am Mikrofon beinahe geküsst wurde. „Oceanic Feeling“ begleitete sie damit, ihr Gesicht an einem Trinkbrunnen zu übergießen und sich bis auf ihr Bikini-Top auszuziehen. Rote Laser durchbohrten eine schwarze Jacke, die sie für „Man Of The Year“ übergestreift hatte. Festivals gelten normalerweise nicht als intime Veranstaltungsorte. Doch die „Hexe aus Neuseeland“, wie sie sich an einer Stelle selbst bezeichnete, schaffte es, inmitten von Zehntausenden singender und tanzender Menschen ein Gefühl der Nähe zu beschwören – mit ihrem rohen, verletzlichen Material.
Zu den weiteren Höhepunkten eines ohnehin höhepunktreichen Abends zählten „Supercut“, „Green Light“ und „Girl, So Confusing“ – Letzteres mit einem unangekündigten Auftritt von Charli XCX, die das Festival am Freitag als Headlinerin beschloss.
Der Kreis schließt sich
Für das Finale begab sich Lorde ins Publikum zu einer Bühne mitten in der Menge. „Lasst uns den Kreis schließen – von 2017 über 2014 bis jetzt“, sagte sie, bevor sie ihren triumphalen Abend mit dem ältesten Song ihres Sets beendete: „Ribs“.