Im Rahmen des steirischen Streetart-Festivals malten Künstler aus China, Saudi-Arabien und Spanien in der Eggenberger Straße. Wir haben sie bei der Arbeit besucht.

Das graue, unscheinbare Haus der EEG direkt neben der Remise Alte Poststraße in Graz ist jetzt ein echter Hingucker: Drei Wände wurden zu bunten Kunstwerken – und schon während der Arbeiten von Passantinnen und Passanten oft fotografiert.

Schon von Weitem kann man die in sich ruhende Frau sehen, die die saudi-arabische Künstlerin Noura Binsaidan auf die Fassade stadteinwärts gemalt hat. „Es ist eine arabische Frau in traditionellen Gewändern und mit traditionellem Schmuck, die inneren Frieden ausdrückt“, sagt die Künstlerin. Eine große Rose symbolisiert die Verbindung mit der Natur, die ihr wichtig ist. Bei unserem Besuch noch nicht zu erkennen: die sitzende Pose der Frau, die Binsaidan noch am Freitag fertigstellen wird.

In ihrem Heimatland ist sie eine Pionierin im Bereich Streetart: „Ich bin die erste Frau, die das macht – das ist nicht einfach, aber es gibt in meiner Heimatstadt Riad mittlerweile eine Streetart-Szene.“ In Saudi-Arabien hat sich Binsaidan mit ihrem Studio NS for ART (Noura Binsaidan Art Company) einen Namen gemacht, als sie 2020 gemeinsam mit der Stadt Riad den ersten von saudischen Künstlerinnen und Künstlern entworfenen Kunsttunnel der Hauptstadt bemalt hat – er gilt auch als ein Symbol für den kulturellen Wandel des Landes.

Während es auf der straßenseitigen Fassade mit einem Werk von Koctel aus Sevilla wirklich kunterbunt zugeht – ein Werk von ihm kann man übrigens auch auf dem Umspannwerk bei der Keplerbrücke bewundern –, wird es stadtauswärts wieder spiritueller. Die Fassade hier hat Sheep Chen bemalt. Der Künstler stammt aus Jiaxing, einer 5-Millionen-Einwohner-Stadt nahe Shanghai.

Er bringt chinesische Prinzipien wie Yin und Yang in sein Mural ein: Zwei Figuren, eine männliche und eine weibliche, stehen frontal zum Betrachter, blicken einander an und legen je eine Hand übereinander. „Er verkörpert Feuer, Erde und Metall, sie Wasser und Holz“, so Chen. Sieben Tage lang hat er an dem detailreichen Werk gearbeitet. „Ich fand auch den Ort hier mit der Remise als Kontrast dazu spannend“, erzählt er – und steigt schon ins Auto zum Flughafen. Es geht zurück nach China und von dort zu einem weiteren Projekt in Los Angeles.

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So unscheinbar hat das Haus früher ausgesehen: Eggenberger Straße 40, direkt neben der RemiseSo unscheinbar hat das Haus früher ausgesehen: Eggenberger Straße 40, direkt neben der Remise © Google Maps Streetview

Das Urban Art Festival Styria ist nicht die einzige Veranstaltung, die heuer für mehr Farbe in Graz 8020 sorgt: Im September folgt mit „117Waende“ ein weiteres Streetart-Festival im Bereich Waagner-Biro-Straße und Hornig-Areal. Aktuell läuft über graz.welocally.at noch ein Crowdfunding.