Der deutsche Handball-Rekordmeister schlägt zum achten Mal seine Zelte in Graz auf, um sich auf die kommende Saison vorzubereiten. Am Samstag steht der Test gegen die BT Füchse im Raiffeisen Sportpark (18) auf dem Programm.

Andreas Wolff war mit der Sonnencreme nicht sparsam, als er seinen hünenhaften, 1,98 Meter großen Körper einschmierte. Der Gurt zur Pulsmessung war vor dem Training auf der Laufbahn in Eggenberg um die massive Brust des Keepers gespannt. „Ich freue mich“, sagte der Schlussmann des THW Kiel mit einem verschmitzten Lächeln, ehe er die Runden zog, „wir bekommen ein bisschen Vitamine ab und vielleicht werden wir auch ein bisschen braun hier in den südlichen Gefilden.“ Die „Zebras“ aus dem Norden Deutschlands sind zum achten Mal in Graz, um ein Trainingslager abzuhalten. Unter Neo-Trainer Børge Lund werden das Handballerische, die Kraft, aber auch das Team-Building nicht zu kurz kommen. „Es ist kein Zufall, dass der THW zum achten Mal in dieser wahrscheinlich wichtigsten Phase der Vorbereitung in Graz ist“, sagt der ehemalige norwegische Teamspieler, dem Graz durchaus bekannt ist. 2010 spielte er in Graz die Vorrunde der EM. „Und wir haben gewonnen“, erklärt Domagoj Duvnjak mit erhobenem Zeigefinger. „Die Stimmung in der Halle und die Atmosphäre in Graz waren ein Wahnsinn.“ 25:23 siegten die Kroaten und scheiterten erst im Finale von Wien an Frankreich. Auch 2020 gewannen die Kroaten die EM-Vorrunde in Graz ohne Punkteverlust.

1 / 10

Die erste Einheit in Graz wurde im Laufschritt absolviertDie erste Einheit in Graz wurde im Laufschritt absolviert © Anna Peters

„Dule“, der Welthandballer 2013, war damals in Hamburg und steht mittlerweile vor seiner 18. Saison in Kiel. „Ein alter Sack. Ich kann es selbst nicht glauben, dass mein Körper das noch schafft“, sagt er mit mittlerweile 38 Jahren und ein paar grauen Bartstoppeln, die bei seiner Frau Gefallen finden. Er spielt noch auf höchstem Niveau, während andere seiner Generation die Sportpension genießen. Wie geht das? „Ich habe keine Ahnung. Ehrlich. Der liebe Gott passt auf mich auf.“ Er hat mit den Jahren gelernt, erzählt er, zurückzustecken. „Als Junger gehst du immer mit dem Kopf durch die Wand. Mit 38 geht das einfach nicht mehr – im Spiel natürlich schon.“ Dennoch schafft er es, sich in den Spielen zu verausgaben. „Da spürst du keinen Schmerz. Da sind die Emotionen da, und du konzentrierst dich nur auf diese 60 Minuten.“ Oft schleicht er beim Aufwärmen über das Feld, um dann zu zünden. „Das machen das Herz und der Stolz. Es ist ein Privileg, für so einen Verein zu spielen.“

Domagoj Duvnjak traf 2010 in Graz gegen Norwegen ein Mal © GEPADomagoj Duvnjak traf 2010 in Graz gegen Norwegen ein Mal

Einst sagte er, er fühle sich wie ein Papagei, weil er auf die Fragen der Journalisten vor Großereignissen oder dem Saisonstart immer wieder dasselbe erzählte. „Zu sagen, was man erwartet, ist immer gleich schwierig.“ Mit Kiel ist das heuer anders. Die abgelaufene Saison war für den 23-maligen Meister und viermaligen Champions-League-Sieger eine Schmach. „Wir hatten eine richtig schwere Saison, vielleicht die schlechteste in meiner Karriere. Es war alles gegen uns. Wir hatten viele Verletzte und auch kein Glück“, sagt er. Kiel belegte in der Bundesliga, der besten Liga der Welt, nur Platz sechs und verpasste die internationale Bühne. „Wenn wir ins Cupfinale kommen, haben wir maximal nur 40 Spiele in dieser Saison, ich weiß nicht, wann ich das zum letzten Mal hatte.“ Unter Lund soll der Erfolg wieder zurückkehren. „Ich hoffe, dass wir wieder auf den alten Weg finden und die Stadt und den Verein stolz machen.“

Raul Santos und Andy Wolff beim freundschaftlichen Wiedersehen © MICHLRaul Santos und Andy Wolff beim freundschaftlichen Wiedersehen

Das Trainingslager in Graz soll da entscheidend mitwirken, und am Samstag steigt das Testspiel gegen die BT Füchse (18 Uhr). Für deren aktuellen Co-Trainer der Obersteirer gab es bereits viele herzliche Worte. „Er war der schlimmste Mitspieler, den ich je hatte. Aber auch einer der lustigsten“, sagte Wolff, nachdem er Raul Santos fest in die Arme nahm. Zwei Jahre war der Flügel in Kiel engagiert und kam 2016 mit dem Keeper in die Ostseehalle. Der Schmäh rannte beim Wiedersehen sofort zwischen den beiden: „Andy ist ein Typ für sich. Ein Spezialist. Sportlich brauchen wir gar nicht reden. Aber man muss mit ihm umgehen können“, sagt er und fügt lachend an: „Torhüter.“ Am Dienstag besteht die Möglichkeit, den Kielern bei einem öffentlichen Training (Sportpark, 17) auf die Finger zu schauen.

Der THW Kiel wurde bereits zum achten Mal in Graz empfangen und bleibt bis 6. August © GEPA picturesDer THW Kiel wurde bereits zum achten Mal in Graz empfangen und bleibt bis 6. August