90minuten: Vorgänger Maximilian Senft hatte auch keine große Karriere und kam nicht aus dem Bernabeu nach Ried. Macht es dieser Umstand leichter?

Despotovic: Auch darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, weil mein Fokus jetzt ganz auf der Mannschaft liegt. Wir haben neue und bestehende Spieler, die wir schnell zusammenbringen wollen. Max hat hier hervorragende Arbeit geleistet, und vieles davon werden wir beibehalten. Darauf wollen wir aufbauen und unsere eigenen Ideen ergänzen. Ich hoffe, dass die Spieler dann mitziehen, wenn ich es ihnen nachvollziehbar erklären kann. Wenn ich merke, dass sie Ideen haben oder etwas von früher besser ist, bin ich für Austausch offen.

90minuten: Mittlerweile kennen wir den Prozess: Sie sind mit Co-Trainer Kossmann schon länger im Austausch, haben Lukas Brandl und Wolfgang Fiala auf einem Networking-Treffen in Berlin kennengelernt. Hat er dann einfach angerufen?

Despotovic: Genau. Ich habe Wolfgang und Lukas in Berlin kennengelernt und fand die ganze Truppe cool, weil die Leute einfach ein bisschen out of the box denken und so Lösungen finden. Ich glaube, dass mein Profil gut zu Ried passt, weil ich mich als Trainer ständig weiterentwickeln und dazulernen möchte und nun diesen Schritt in die Bundesliga gemacht habe.

Meine Erfahrung in der Entwicklung junger Spieler passt ebenfalls gut zu einem Verein wie Ried. Dazu kommen die emotionalen Fans und ein Team im Verein, das strategisch denkt und auch bereit ist, neue Wege zu gehen. Für viele bin ich noch ein unbekannter Trainer, aber ich sehe darin auch die Chance, mich durch meine tägliche Arbeit zu zeigen.

90minuten: Konkret gab es wichtige Abgänge, es sind Routiniers und junge Kicker dazu gekommen. Vor welcher Herausforderung steht die SV Ried nun unter Ihnen, wie gehen Sie es an?

Despotovic: Jetzt geht es darum, so schnell wie möglich eine gute Kommunikation innerhalb der Mannschaft aufzubauen, damit sich insbesondere die neuen Spieler schnell integrieren können. Das gelingt am besten über klare Mannschaftsprinzipien, die alle verstehen und die ihnen Orientierung geben, wie wir gemeinsam spielen wollen. Wenn das dann auch auf einem guten Niveau ist, wollen wir auf individuelle Prinzipien eingehen, damit die Spieler selbst erkennen, was ihre Rolle ist. Das steigert sich mit mehr Eingespieltheit.

Angriff und Verteidigung werden jedes Spiel besser. Die Frage ist dann, ob das schon gut genug ist, um Spiele auf höchstem Niveau zu gewinnen. Wenn ich das erste und das letzte Spiel in der Vorbereitung vergleiche, habe ich Sachen gesehen, die wir trainiert haben und die jetzt gut aussehen.