Nach riesigen Feuern in Frankreich und Spanien ist die Lage in Griechenland und Italien prekär. Ein Klima-Experte sagt vorher, wann die Hitze über Europa an Kraft verliert.

Europa erlebt einen klimatischen Katastrophensommer: In Frankreich sind bis Ende Juli laut Innenministerium rund 115.000 Hektar Wald- und Naturfläche verbrannt, die schlimmsten Feuer brachte man erst jetzt unter Kontrolle. Während sich auch die Lage in Spanien etwas entspannte, spitzt sich die Situation in Hellas zu.

Rauchsäulen über Porto Germeno in Griechenland © AFPRauchsäulen über Porto Germeno in Griechenland Bereits 12.000 Hektar vernichtet

Über 12.000 Hektar in den Regionen Attika und Boiotien nordwestlich von Athen sind mittlerweile abgebrannt, bestätigen griechische Behörden. Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer durch Funkenflug an einer privaten Stromleitung entstand – die Folgen waren verheerend. Die Ursachen der Brände würden von den zuständigen Behörden untersucht, es habe aber Festnahmen im Zusammenhang mit den Feuern gegeben, vermeldet die bekannte Tageszeitung „Kathimerini“.

Feuerwalzen in der Region von Attika nordwestlich von Athen © IMAGOFeuerwalzen in der Region von Attika nordwestlich von Athen

Die Feuer in den derzeit betroffenen Gebieten tobten gestern bereits den vierten Tag, die Feuerwehr kämpfte verzweifelt gegen die Brände im Kithairon-Gebirge an. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch Sturmböen – Einsätze aus der Luft waren schwierig, aber auch am Boden kommt man kaum voran. Bereits am Sonntag waren zwei Tote beim Zusammenstoß von zwei Löschhubschraubern zu beklagen. Der stellvertretende Minister für Klimakrise und Zivilschutz, Kostas Katsafados, sprach im staatlichen Sender ERT von einem „ungleichen Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels“. Der ehemalige Ministerpräsident Alexis Tsipras sieht eine „menschliche, ökologische und nationale Tragödie“ und forderte, die Brände als „Ausgangspunkt für eine sinnvolle Reflexion darüber zu sehen, was sich ändern muss“.

Zerstörte Wälder in Andernos-les-Bains im Südwesten von Frankreich © AFP/Olivier MorinZerstörte Wälder in Andernos-les-Bains im Südwesten von Frankreich

Prekär ist die Situation auch in Italien: Das Gesundheitsministerium rief in 25 von 27 überwachten Städten die höchste Hitzewarnstufe aus. In Teilen der Po-Ebene in Norditalien und im Landesinneren Mittelitaliens wurden örtlich über 40 Grad gemessen. Parallel dazu bleibt die Waldbrandgefahr hoch: Im Karstgebiet bei Triest flammte gestern ein am Samstag ausgebrochener Waldbrand wieder auf, das Feuer kam einem Pflegeheim nahe. Laut „Il Piccolo“ könne man in ganz Triest Rauch riechen. Was den Brand im Karstgebiet betrifft, wird Brandstiftung vermutet. Wie das Portal Trieste Prima berichtet, wurde ein Feuerzeug gefunden. Auch um den Berg San Michele im Isonzo/Soča-Gebiet war ein Brand ausgebrochen.

Erschöpfte Feuerwehrmänner in Frankreich © AFPErschöpfte Feuerwehrmänner in Frankreich

Im Piemont kämpfen Einsatzkräfte ebenfalls seit mehreren Tagen gegen ein Feuer, ein weiterer Großbrand wurde von der Küste von Tarent im Süden gemeldet. Die Hitze hat aber noch weitere Folgen: Italiens Notaufnahmen müssen immer mehr hitzebedingte Patienten versorgen und kommen an ihre Grenzen, und auch in den Alpen verschärft sich die Lage: Laut der Umweltschutzorganisation Legambiente liegen die Temperaturen in den Hochlagen derzeit zwei bis vier Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Besonders kritisch ist die Situation an den massiv an Masse einbüßenden Gletschern des Adamello, der Marmolada und des Mont Blanc an der Grenze zwischen Frankreich und Italien.

Österreich bekommt die Hitzewelle weiter stark zu spüren, die Geosphere Austria gab eine „große Hochtemperaturgefahr“ aus. Der Höhepunkt wird für heute und morgen erwartet. Ein großes Problem ist auch der eklatante Mangel an Regen.

Hitzewelle riss eigentlich nie ab

Klimatologe Alexander Orlik von GeoSphere Austria bestätigt auf Anfrage, dass in ganz Österreich mit Anfang August seit Jahresbeginn etwa ein Drittel jener Niederschlagsmenge, die normalerweise – ausgehend vom Klimamittel 1991-2020 – fällt, fehlt: „In absoluten Zahlen sind das 440 Liter pro m² statt 650 Liter pro m². Das bedeutet, dass in Österreich bereits eine Niederschlagsmenge von etwa eineinhalb Sommermonaten fehlt.“ Einen nennenswerten Zeitraum zum Durchschnaufen gab es eigentlich nicht, betont Orlik: „Die Hitze hat sich seit dem Beginn der Welle Mitte Juni nur einmal – vorübergehend – aus Österreich zurückgezogen.“

Und wie geht es in Europa weiter? „Die Südwestwetterlage, die direkt die subtropischen Luftmassen nach Mitteleuropa steuert, wird aller Voraussicht nach am Freitag sein Ende haben. Die Strömung dreht dann mehr auf West und es wird nicht mehr so extrem heiß. Die sommerlichen Temperaturen bleiben aber über weiten Teilen West-, Mittel- und Südeuropa dominant“, so Orlik.