Silent Moves, die stillen Bewegungen. Diesen Namen hat die Künstlerin Cornelia Rapp für ihre Werkreihe gefunden, die sie während der Coronapandemie begann und bis heute fortsetzt. Die Bildobjekte sind in bis zu vier Schichten aufgebaut. Aus Fotografien entstehen Collagen, Rapp mischt Farben dazu. Schichten werden nur teilweise gelöst. So ergibt sich Transparenz und ein gegenseitiges Durchdringen. Eine Durchsicht auf das Darunterliegende. Verwendet man eine Zeitschiene, so geht der Blick vom heute bis in die Vergangenheit – und sogar in die Zukunft. „Das Leben ist in stetiger Bewegung, nichts ist statisch“, sagt Rapp und fügt hinzu: „Man kann das Leben nicht festhalten.“

Ausstellung von Cornelia Rapp im Stadtmuseum: Laudator Christian Burchard.

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Ausstellung von Cornelia Rapp im Stadtmuseum: Laudator Christian Burchard.
Foto: Thorsten Jordan

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Ausstellung von Cornelia Rapp im Stadtmuseum: Laudator Christian Burchard.
Foto: Thorsten Jordan

Mit dieser Ausstellung geht das Stadtmuseum in eine ganz neue Zeit. Und das wurde auch bei der Eröffnung deutlich. Diese Prozesse der Transformation drückt Rapp mit der von ihr entwickelten Technik aus und hält das Leben damit zumindest in Momentaufnahmen fest. Dabei sind auch die Themen und Entstehungsprozesse der Bilder in Bewegung, betrachtet man die Entwicklung. 2024 stellte die Künstlerin erstmals Werke von „Silent moves“ in der Galerie St. Ottilien aus. Seit 31. Juli sind die Bildobjekte im Stadtmuseum zu sehen – auch in der Langen Kunstnacht am Samstag, 19. September, von 18 bis 22 Uhr.

Bei der Ausstellungs-Eröffnung war Musik von Katharina und Christian Gruber zu hören.

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Bei der Ausstellungs-Eröffnung war Musik von Katharina und Christian Gruber zu hören.
Foto: Thorsten Jordan

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Bei der Ausstellungs-Eröffnung war Musik von Katharina und Christian Gruber zu hören.
Foto: Thorsten Jordan

Das Künstlerehepaar Cornelia Rapp und Josef Lang wird zudem in der Kunstnacht gemeinsam in einem neuen Gebäude im Quartier Urbanes Leben am Papierbach (ULP) in der Von-Kühlmann-Straße 25 ausstellen. Rapp ist begeistert von der Ausstellungsfläche im gesamten Erdgeschoss mit hoher Decke. Wenn dort Rapps Bildobjekte die von ihrem Mann geschaffenen Holzskulpturen umrahmen, wird es spannend. Fotografie und kräftige Farben, oft verwendet Rapp Rot und Magenta, einerseits. Mit der Kettensäge grob geformte, ausdrucksstarke, oft überlebensgroße Gestalten andererseits. Zumindest bei den Formaten hat sich Rapp etwas angepasst, sie arbeitet zunehmend größer, was die körperliche Wahrnehmung steigert. „Dadurch können wir stärker in Resonanz mit den Werken gehen“, hat Rapp festgestellt. Jedoch werden auch kleinformatige Bildobjekte zu sehen sein.

Cornelia Rapp bei ihrer Ausstellung im Neuen Stadtmuseum.

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Cornelia Rapp bei ihrer Ausstellung im Neuen Stadtmuseum.
Foto: Thorsten Jordan

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Cornelia Rapp bei ihrer Ausstellung im Neuen Stadtmuseum.
Foto: Thorsten Jordan

Cornelia Rapp stammt aus Berlin. In Garmisch-Partenkirchen lernte sie die Holzbildhauerei, studierte an der Kunstakademie München. Seit 30 Jahren lebt und arbeitet sie in Denklingen und betrachtet dort von ihrem ländlichen Idyll mit Pferden und einer großen, ehemaligen Schreinerwerkstatt, die als Atelier dient, die Geschehnisse in der Welt und regional. Es ist ein Ort der Ruhe und Naturverbundenheit.

Die rote Farbe zieht sich durch die Ausstellung.

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Die rote Farbe zieht sich durch die Ausstellung.
Foto: Thorsten Jordan

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Die rote Farbe zieht sich durch die Ausstellung.
Foto: Thorsten Jordan

Der Birnbaum an der Terrasse trägt reich, der Blick durch den Oleander, der dem Ort einen mediterranen Charakter verleiht, geht zu den Pferden, die mit ihrer Welt, mit Sonne, Gras und Heu, zufrieden sind. Nicht so der Mensch mit seiner Gier nach mehr. Macht, Geld, Kriegslüsternheit, das Spiel mit dem Feuer. „Wo ist da jemand, der ohne Egoismus und Lobbyismus an die Menschen denkt und rein zu ihrem Wohl handelt?“, fragt sich Rapp. Früher war sie aktiv in der Friedensbewegung. Krieg, Flucht und Vertreibung, sie weiß von ihren Eltern, was das bedeutet. Wie viele andere auch blickt Rapp besorgt in die Zukunft. Das wirkt sich auf ihre Kunst aus. Ihre Motive sind ernster geworden und durch die großen Formate gewinnen sie an Eindringlichkeit. Zwar erzählen ihre Bildobjekte subjektive Geschichten.

Ohne Titel. Blumenmotive und ein Porträt.

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Ohne Titel. Blumenmotive und ein Porträt.
Foto: Thorsten Jordan

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Ohne Titel. Blumenmotive und ein Porträt.
Foto: Thorsten Jordan

Die eigene Biografie spielt dabei eine Rolle, letztlich aber geht es um das Weltgeschehen. Ihre neuen Werke zeigen die Hände von Boxern vor dem Kampf. Bandagiert. Einmal wie im Gebet zusammengelegt. Einmal pressen sie einen zarten Blumenstrauß. Was richte ich mit meinen Händen an? „Der Mensch gehört zu einem Kollektiv, er kann sich nicht herauslösen“, beschreibt Rapp die unvermeidbare Wirkung aufeinander. Pflanzen und Blüten spielen eine große Rolle in ihren Werken. Opulent gedrehte Rosenblüten, lächelnde von Stiefmütterchen. Schmetterlinge. Manche Collagen-Teile erinnern an Aufkleber aus Poesiealben, alte schwarz-weiß-Fotos an vergangene Schicksale. Eine große Serie widmet Cornelia Rapp Kühen, gebettet in Blüten. Friede.

Cornelia Rapp ist auch für ihre Installationen und Transformationen von historischen Räumen bekannt. Ein Beispiel dafür ist die Installation „Mut“ in einem ehemaligen Kuhstall in Denklingen. Oder „Transmitting Light“, ihr Beitrag zur Erinnerungsarbeit in der ehemaligen Munitionsfabrik im Frauenwald bei Landsberg. 2024 wurde sie mit dem Hubert-von-Herkomer-Preis der Stadt Landsberg, 2020 mit dem Kunstpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet.

Gleich an zwei verschiedenen Orten werden die Werke der Künstlerin Cornelia Rapp bei der Langen Kunstnacht am 19. September zu sehen sein: im Stadtmuseum sowie im ULP-Quartier – dort in einem neuen Gebäude nördlich des Europaplatzes an der Von-Kühlmann-Straße 25. Die Künstlerin wird Werke aus ihrer Reihe „Silent Moves“ zeigen. Das LT beginnt mit einer Serie über einige der Künstlerinnen und Künstler der Langen Kunstnacht, die in der ganzen Stadt zu sehen sind. Auch der Ellinor Holland Kunstpreis unserer Zeitung wird wieder im Landsberger Stadttheater verliehen.

Auszüge aus der Rede des Laudators Christian Burchard

Der Titel der Ausstellung ist „silent moves“. Also der erste Eindruck, wenn man diesen Raum betritt, ist alles andere als silent, wir begegnen hier keiner Stille, sondern werden begrüßt, ja katapultiert in eine Eruption der Farbigkeit. Also „silent moves“ muss man auf einer ganz anderen Ebene suchen. Im Grunde aber charakterisiert der Begriff für mich alle Arbeiten von Cornelia Rapp und ihren persönlichen Blick auf die Welt. Und selten sind einer Ausstellung so viele Themen verdichtet, wie in dieser Ausstellung, und sie ist geradezu prädestiniert als Auftakt-Veranstaltung zur Wiedereröffnung des Museums. Der erste Eindruck der komplexen Bildobjekte ist eine berauschende dionysische Farbigkeit. In der Anmutung wirken sie eher wie ein Gemälde mit dominantem Rot, Magenta und Violett. Es sind Fotos von Blumen, meist Blütenkronen stark vergrößert – Rosen, Orchideen, Passionsblumen – Blumen, welche die Künstlerin nach ihrer Symbolik und Ikonografie auswählt. Erst beim zweiten Blick erschließt sich die semantische Ebene, in Form von menschlichen Konturen, verblichenen Fotografien, die einen Moment aus dem Alltag einfangen, oder verstörende Sequenzen von Aggression, Tod und Gewalt festhalten. Im Grunde, sagt Cornelia Rapp, geht es mir darum, die Grausamkeit der Welt mithilfe der Kunst auszulöschen. Cornelia Rapp ist es aber wichtig, dass ihre Arbeiten auch eine Botschaft der Hoffnung vermitteln. Im Mittelpunkt steht letzten Endes die Natur als die große Heilerin und Versöhnerin, die positive Kraft, wo im Zyklus von Werden und Vergehen, immer wieder Neues entsteht und somit die Natur jedes Jahr von Neuem eine Botschaft der Hoffnung aussendet.