Im Lieblingscafé hat sie Blickkontakt zur Galerie und zum Dom. „Besser geht es nicht“, ist Maria Franz überzeugt. Sie fühlt sich wohl im Hier und Jetzt. Gerade ist sie mit dem Zug aus Karlsruhe gekommen, wo sie eine im November anstehende Ausstellung in Weinheim vorbereitet hat. Zugfahren ist auch eine Lieblingsbeschäftigung: träumen, schauen. Manchmal auch arbeiten. In Speyer ist sie oft mit dem Fahrrad zwischen dem Zuhause in der Bahnhofstraße und dem Arbeitsplatz in der Maximilianstraße unterwegs. „Damit geht es am schnellsten durch die Stadt“, sagt sie. Das Auto springt erst an, wenn Maria Franz beispielsweise Bilder zu transportieren hat. Vor dem Treffen im Café hat sie im heimischen Garten noch Blumen für die Galerietische gepflückt. „Und Feigen geerntet“, sagt sie und zieht eine Auswahl aus der Tasche.
Eigentlich wäre sie jetzt mit Ehemann Anton Bronich auf Kreta. Die Arbeit hat indes sämtliche Pläne zunichtegemacht. Kein Problem für Maria Franz. Sie fühlt sich ihren Künstlern und Kunden verpflichtet. „Vielleicht können wir uns für zwei oder drei Tage für einen Kurztrip absetzen“, überlegt sie. Wenn nicht – auch nicht schlimm. „Heiß ist es hier schließlich auch“, sagt Maria Franz. Die Hauptsache: „Fenster und Türen auf und raus“, beschreibt sie ihre Lust auf den Sommer. Im Spätjahr geht es nach Afrika, im Frühling war das Paar in Singapur.
„Ich freue mich, wenn etwas zu tun ist“, betont die Galeristin. Leerlauf ist ihre Sache nicht und war es nie.
Lehre, Bank, Klassenzimmer
Nach dem Abitur hat sie zunächst eine kaufmännische Lehre abgeschlossen, in einer Bank und als Vorstandssekretärin gearbeitet. Die Lust der Galeristin auf Neues ist spürbar.
Bis zur Pensionierung war sie im Schuldienst in Schifferstadt, Mundenheim, Maxdorf und Frankenthal, unterrichtete Textverarbeitung, Wirtschafts- und Sozialkunde, Kunst und katholische Religion. Ehrenamtlich engagiert sie sich bei den Soroptimisten und für die Speyerer Wählergruppe. Maria Franz mag Kinder. Ihre beiden Söhne, den Enkel und all die anderen auch.
Schreinerei und Lebensmittelladen
Aufgewachsen ist sie mit drei Geschwistern im kleinen Steinwenden bei Kaiserslautern. „Bei uns war immer viel los“, erzählt sie von der Schreinerei des Vaters, vom Lebensmittelladen der Oma und der kleinen Landwirtschaft. In ihrer Kindheit sind Vater und Bruder gestorben und haben damit die heile Welt von Maria Franz zerstört. Noch heute arbeitet sie im Garten an ihrem Elternhaus, wenn sie Ruhe und Zeit zum Nachdenken braucht. „Der Duft von Grün erholt mich total“, beschreibt sie ihren Hang zu Erinnerungs-Gerüchen wie dem von frisch gemähtem Gras oder Heu.
Klavier und knarrende Dielen
Auch die Musik gibt Maria Franz viel. An ihrem ganz früh vom eigenen Geld gekauften Schimmel-Klavier zu sitzen und dem Klang zu lauschen liebt sie so sehr wie Kamin- und Lagerfeuer, die knarrenden Dielen in den Räumen der Galerie Kulturraum und die seit 30 Jahren wechselnden Bilder nationaler und internationaler Künstler an den Wänden. Mit vielen ist sie freundschaftlich verbunden, allen zugewandt. Ans Aufhören verschwendet Maria Franz keinen Gedanken. „Ich liebe das, was ich mache“, bringt sie auf den Punkt, was ihr Glück bedeutet.
Der ersten großen Liebe wegen sei sie nach Speyer gekommen, erzählt Maria Franz. Den Mann ihres Lebens hat sie 1992 geheiratet. Von ihrem Platz im Café kann sie ihn hinter einem Galerie-Fenster sehen. „Er ist gerade mit 70 überwiegend selbst hergestellten Rahmungen beschäftigt“, erklärt sie mit ein wenig Mitleid in der Stimme. Überhaupt übernehme er die meiste Arbeit in der Galerie, beschreibt sie sein großes Pensum. „Da geht es mir heute besser als ihm“, findet sie.
Ein Holzfeuer im Garten
Für sie steht bis morgen nichts mehr an. Die Sonne genießen ist der Plan. „Ich friere leicht“, erklärt sie, warum der Sommer ihre Lieblingsjahreszeit ist, auch wenn extreme Hitze viel Publikum vom Galerie-Besuch abhält. Selbst diesen Umstand nimmt Maria Franz gelassen. Schon im August wird die nächste Ausstellung im Kulturraum eröffnet. Darauf freut sie sich jetzt schon. „Ich mag viel Aktion“, sagt sie. Heute geht sie es langsam an, holt gleich den Ehemann ab und genießt den Abend mit ihm bei schöner Musik und einem Holzfeuer im Garten.
Die Serie
Wie verbringen Künstlerinnen und Künstler den Sommer? Was fehlt eigentlich in der Sommerpause, wenn es keine Auftritte und keinen Applaus gibt? Was ist ihr perfekter Sommerrückzugsort? Stadt oder Land? Wald oder Meer? Allein oder in Gesellschaft? Darüber plaudern wir bei einem Kaffee oder Kaltgetränk. Bisher erschienen: Karl-Heinz Deutsch, Eckart Hübner, Ilse Berner, Adrian Rinck, Maria Breuer, Dominik Schmitt und Aliki Hirsch.