Am 23. Oktober findet zum letzten Mal nach über 100 Jahren ein Linienflug von Graz nach Wien statt. Dafür werden die Verbindungen nach Frankfurt, München und Zürich gestärkt.

„Die bereits seit Jahren hoch defizitäre Verbindung zwischen Wien und Graz wird ab dem Winterflugplan, konkret ab 24. Oktober 2026, aus dem Programm genommen“, informierte die Austrian Airlines Dienstag früh offiziell, worüber bereits am Montag berichtet wurde. Der letzte Flug werde mit der Flugnummer OS118 am 23. Oktober 2026 stattfinden, so die AUA weiter.

Ein Schock für den Grazer Flughafen. Doch parallel baut die Lufthansa-Gruppe ihr Graz-Angebot zu drei anderen großen Umsteigeflughäfen mit Beginn am 25. Oktober aus.

So kompensiert die AUA-Mutter Lufthansa

Konkret werde auf der Strecke nach Frankfurt (bis zu drei Flüge täglich) großteils ein Lufthansa Airbus A319/A320 statt des Air Dolomiti Embraers zum Einsatz kommen, was zu einer Erhöhung der Sitzplatzkapazität um 25 Prozent führt. Auch auf der Verbindung von Graz nach München (bis zu drei Flüge täglich) werde Lufthansa teilweise einen Airbus A319 statt des Embraers einsetzen, womit auf der Strecke um zehn Prozent mehr Sitze angeboten werden können.

Graz-Zürich schließlich erfahre im Vergleich zum vorigen Winter eine Aufstockung von fünf auf sieben wöchentliche Flüge (plus 40 Prozent Kapazität), die ab Winterflugplan in Form einer täglichen Rotation angeboten werden.

Die Kleine Zeitung sprach am Dienstag mit Wolfgang Grimus, Chef des Graz Airport.

Herr Grimus, wie bewerten Sie als Geschäftsführer des Graz Airport das Ende der Wien-Flüge und wie sehen Sie die Ausgleichsmaßnahmen?

WOLFGANG GRIMUS: Wir bedauern natürlich den Schritt der Austrian Airlines. Graz-Wien ist eine langjährige Flugverbindung und deren Ende können wir nicht schönreden. Positiv ist aber andererseits, dass drei wichtige Hubverbindungen deutlich gestärkt werden.

Es ist immer betont worden, wie wichtig die Wien-Flüge für den Wirtschaftsstandort sind. Stimmt das noch?

Die Verbindung Graz–Wien war für viele exportorientierte Unternehmen ein essenzieller Bestandteil. Gehen solche Verbindungen verloren, kostet das möglicherweise die nächsten Aufträge. Deshalb brauchen speziell die österreichischen Regionalflughäfen Rahmenbedingungen, unter denen Airlines sowohl wichtige Zubringerstrecken als auch Point-to-Point-Destinationen langfristig wirtschaftlich betreiben können.

Graz–Wien sei „hochdefizitär“ gewesen, erklärt die AUA. Wie viele Passagiere nutzten zuletzt die Flüge?

In diesem Jahr gehen wir davon aus, dass rund 60.000 Passagiere von Graz nach Wien fliegen werden. In guten Jahren waren wir bei rund 130.000. In den letzten Jahren, beginnend mit Corona, wurde das immer weniger. Dazu kommt, dass die Austrian Airlines kleinere Flugzeuge ausflotten, die für diese Strecke ideal gepasst haben. Sogar 120-Sitzer werden nun ausgeflottet.

Wenn immer weniger Menschen von Graz nach Wien fliegen wollen, wie wichtig ist der Hauptstadtflughafen dann überhaupt aus Bundesländersicht?

Wien hat kein Alleinstellungsmerkmal. Aus Grazer Sicht war er für Umsteigepassagiere zu anderen europäischen Destinationen interessant. Langstreckenpassagiere fliegen eher über Frankfurt und München. Wien ist, was die Zahl der Umsteigemöglichkeiten betrifft, nicht unter den Top-10 in Europa, Frankfurt dafür unter den Top-5.

Frankfurt, München oder Zürich – welcher Flughafen wird den Wiener Hub am ehesten kompensieren können?

Ich denke, es wird eine Kombination aus allen dreien werden, und ich gehe davon aus, dass wir die Zahl der Passagiere halten können.

Zu den aktuellen Entwicklungen nahm am Dienstag auch die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen Stellung (AÖV). Deren Präsident Julian Jäger, auch Vorstand der Flughafen Wien AG, übt Kritik an der Standortpolitik. „Der Wegfall der Flugverbindung Graz–Wien steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Österreich verliert schrittweise an Konnektivität und internationaler Erreichbarkeit. Der Flugverkehr verschwindet aber nicht, er findet nur woanders statt. Weil die steuerlichen Rahmenbedingungen andernorts attraktiver sind, verlagern sich Kapazitäten, Arbeitsplätze und touristische Nachfrage in andere europäische Länder.“ Der AÖV fordert unter anderem „die Abschaffung oder zumindest eine spürbare Senkung der nationalen Flugabgabe“.

Kommentar zum ThemaEine Maschine der Austrian Airlines am Flughafen Graz