Die AUA streicht den Inlandsflug – und wird ihn wohl auch nicht mehr zurück ins Programm nehmen. Wirtschaftskammer zeigt sich „völlig überrascht“ und bekrittelt „enorme Lücke in der Erreichbarkeit“. Industrie hofft, Auswirkungen abfedern zu können.

Die Austrian Airlines machten am Dienstag offiziell, was seit Montag bekannt ist. Der letzte Flug Graz–Wien wird am 23. Oktober mit der Flugnummer OS118 starten. Die Verbindung sei „seit Jahren hoch defizitär“, sagt AUA-Chefin Annette Mann. Diese geht auch nicht davon aus, dass die Flüge nach diesem Sommer je wieder aufgenommen werden. In Summe fliege die AUA mit ihren Inlandsflügen jährlich zweistellige Millionenverluste ein. Im Gegenzug stärkt die Lufthansa Verbindungen nach Frankfurt, München und Zürich – die Kleine Zeitung berichtete.

„Völlig überrascht“ zeigt sich die Spitze der steirischen Wirtschaftskammer vom Ende von Graz-Wien, da die Einstellung erst mit dem Vollausbau der Bahnstrecke angekündigt war. „Für das Exportland Steiermark ist das ein fatales Signal, weil wir den direkten Anschluss an zentrale Märkte verlieren und eine enorme Lücke in der Erreichbarkeit unseres Bundeslandes entsteht“, erklären Präsident Josef Herk und Kammerdirektor Karl-Heinz Dernoscheg.

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Karl-Heinz Dernoscheg und Josef HerkKarl-Heinz Dernoscheg und Josef Herk © Foto FischerIV: „Hoffen, Auswirkungen gut abfedern zu können“

Auch die steirische Industriellenvereinigung drückt ihr Bedauern aus. „Die internationale Anbindung ist für unsere Betriebe ein zentrales Standortasset und wir hoffen daher, dass mit der Stärkung der Verbindungen zu anderen Drehkreuzen die Auswirkungen gut abgefedert werden können“, so IV-Geschäftsführer Christoph Robinson. „Das Umrüsten auf Flugzeugtypen, die mehr Cargo zulassen, ist als positive Entwicklung einzustufen.“

Politische Reaktionen

Reaktionen kamen außerdem von der steirischen Landespolitk. Landeshauptmann Mario Kunasek (FP) führt die mangelnde Auslastung der Wien-Flüge auf die hohe Flugabgabe auf Kurzstrecken zurück. „Diese Situation zeigt aber auch, wie wichtig unsere Forderung nach der Koralmbahn-Haltestelle am Flughafen Graz ist. Alles was den Flughafen Graz attraktiver macht, stärkt auch den Standort Steiermark“, so Kunasek.

Vize-LH Manuela Khom (VP) betonte ebenfalls: „Mit dem Wegfall der Flugverbindung gewinnt die Flughafen-Haltestelle der Koralmbahn zusätzlich an Bedeutung – und mit der Fertigstellung des Semmering-Basistunnels wird sie endgültig zu einem entscheidenden Standortfaktor.“

Zu Wort gemeldet hat sich auch der Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger in seiner Funktion als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV). Österreich verliere schrittweise an internationaler Erreichbarkeit, zeigt Jäger auf. „Der Flugverkehr verschwindet aber nicht, er findet nur woanders statt.“ Steuerliche Rahmenbedingungen seien andernorts attraktiver, daher „verlagern sich Kapazitäten, Arbeitsplätze und touristische Nachfrage in andere Länder“. Die Minimalforderung der AÖV ist die Abschaffung oder spürbare Senkung der nationalen Flugabgabe.