Entsteht im Bezirk Gries ein Zentrum für Musik und Volkskultur? Parallel zu stadtplanerischen Vorarbeiten für das Rösselmühl-Areal laufen schon sehr konkrete Vorgespräche, auch das Land hält die Idee für „hervorragend“.
Schuhplatteln und Blasmusik mitten am früheren Industrieareal, mitten im multikulturellen Graz-Gries? Das könnte durchaus Zukunftsmusik sein. Derzeit wird an der Umwidmung des letzten großen und unverplanten Areals im Grazer Zentrum gearbeitet, die dann erst der Startschuss für konkrete Planungen ist. Parallel laufen aber schon ziemlich konkrete Gespräche für ein „Haus der Volkskultur und der musikalischen Jugend“, das sich das Johann-Joseph-Fux-Konservatorium mit mehreren Volkskulturverbänden teilen würde.
„Wir sind eigentlich ständig auf Herbergssuche“, sagt Eduard Lanner, der Direktor des Konservatoriums, der das Projekt angestoßen hat. Kürzlich konnte das „Konsi“ zwar einen neuen Kammermusiksaal eröffnen, doch für Orchester ist dieser freilich viel zu klein. Für Proben muss man sich eigens einmieten, was wieder Geld kostet. Der große Wunsch: ein Saal in der Größe zwischen Stefanien- und Minoritensaal mit einem Fassungsvermögen von 400 bis 500 Leuten. „Wir wollen der musikalischen Jugend etwas bieten.“
Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten
„Wir denken schon seit vielen Jahren in diese Richtung“, sagt Simon Koiner-Graupp, Geschäftsführer der Volkskultur Steiermark GmbH. Ein Vorbild dafür könnte etwa das 2017 eröffnete „Haus der Volkskulturen“ in Salzburg sein, das man sich schon angeschaut hat. Jetzt ist man in der Grazer Sporgasse eingemietet, wo sich auch das Heimatwerk befindet, doch die Räumlichkeiten platzen aus allen Nähten. „Was vor allem fehlt, ist Platz für Fortbildungen und Seminare, dafür müssen sich die Verbände wieder extern einmieten“, so Koiner-Graupp.
An Bord beim Projekt wären alle großen Verbände – der Steirische Blasmusikverband, der Chorverband Steiermark, das Steirische Volksliedwerk, der Landestrachtenverband, die ARGE Volkstanz Steiermark, die Steirischen Sänger- und Musikantentreffen und der Bund Steirischer Heimatdichter –, die zusammen Tausende Mitglieder im ganzen Land haben. Man erhofft sich nicht nur mehr Platz und moderne Einrichtungen, sondern auch Synergien.
Derzeit laufen Bedarfserhebungen, die dann Grundlage für mögliche Planungen sein können. Man geht aber von einem Flächenbedarf von rund 2.000 bis 2.500 Quadratmetern für einen Konzertsaal, Probe-, Seminar- und Archivräume und Büros aus.
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Das frühere Industrieareal der Rösselmühle ist das letzte große und zentrale Areal im Zentrum von Graz, das noch unverplant ist © Stefan PajmanPositive Signale vom Land
Sehr positive Signale gibt es auch vom Land Steiermark, das auch der wichtigste Fördergeber für ein solches Projekt wäre. „Ich halte die Idee zu einem gemeinsamen Haus der Volkskultur für hervorragend“, sagt Landeshauptmann und Volkskulturreferent Mario Kunasek (FPÖ): „Es gibt dazu bereits viele positive Rückmeldungen seitens der volkskulturellen Verbände und es wäre eine Stärkung unserer steirischen Volkskultur.“
Auch die Eigentümer des Geländes, die Familie Polsterer, stehen dem Vorhaben sehr positiv gegenüber – schließlich dürfte es ihnen auch bei der Vorgabe, 40 Prozent der Flächen mit Nicht-Wohnen zu füllen, stark entgegenkommen. „Wir freuen uns sehr, dass auf Initiative von Herrn Lanner ein konkretes Interesse besteht, Räumlichkeiten der Rösselmühle für das Konservatorium sowie für die Volkskultur Steiermark zu nutzen“, sagt Florian Steininger, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft RöMü GmbH, die das Areal Rösselmühle und Postgarage gemeinsam mit dem Wohnbauträger Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft entwickelt: „Kulturelle Nutzungen etwa in Form eines Konzertsaals und entsprechender Unterrichtsräumlichkeiten würden das Areal wesentlich beleben und bereichern.“
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Eduard Lanner, Direktor Johann-Joseph-Fux-Konservatorium © KK„Die letzte Chance“
Sollte das Haus zustande kommen, wird es jedenfalls noch etwas dauern – vor 2030 oder eher 2032 dürfte es nicht sein. Der Rahmenplan wurde im März vom Grazer Gemeinderat beschlossen, der nächste Schritt sind Architekturwettbewerbe, auf denen wiederum die Erstellung des Bebauungsplans sowie der begleitenden vertraglichen Vereinbarungen folgen.
Lanner sieht am Rösselmühl-Areal jedenfalls „die letzte Chance, so etwas noch zusammenzubringen“, ist der Platz in der dicht verbauten Stadt doch rar. Dass sich diese Chance jetzt ausgerechnet in Gries bietet, hat für ihn einen ganz besonderen Charme: „Mit einem kulturellen Zentrum könnten wir etwas für den Bezirk tun.“

