Auf der MXGP-Strecke in Pietramurata konnten CrossNews-Testfahrer Elias Steiner und der mehrfache österreichische Staatsmeister Michael Kratzer die umfassend überarbeitete Honda CRF450R des Modelljahres 2027 testen.

Am 31. Juli lud Honda zur offiziellen Präsentation der neuen CRF450R nach Italien. Der Test fand auf der bekannten MXGP Strecke in Arco statt. Unter einer beeindruckenden Kulisse wurde das neue Motorrad präsentiert.

Für CrossNews nahm unser Testfahrer Elias Steiner teil, der nicht nur jede Menge Style auf der CRF450R zeigte, sondern diese auch in allen Belangen testete. Ebenfalls mit dabei war der mehrfache österreichische Motocross-Staatsmeister Michael Kratzer, der bereits nach den ersten Runden von den umfangreichen Neuerungen begeistert war.

Und tatsächlich handelt es sich beim Modelljahr 2027 nicht um eine gewöhnliche Modellpflege. Honda hat die CRF450R in nahezu allen wichtigen Bereichen überarbeitet. Beeindruckend war zu sehen, dass das Motorrad mehr Leistung und zugleich deutlich weniger Gewicht hat. Wie sich dies jedoch auf der Strecke auswirkte, könnt ihr Video oder weiter unten nachlesen.

Die wichtigsten Neuerungen der CRF450R 2027

Vier Kilogramm konnte Honda gegenüber dem Vorgängermodell einsparen. Fahrfertig bringt die neue CRF450R laut Hersteller nur noch 108 Kilogramm auf die Waage. Gleichzeitig bietet der überarbeitete 449,5-cm³-Motor 10,3 Prozent mehr Spitzenleistung und 3,7 Prozent mehr maximales Drehmoment.

Um das zu erreichen, wurde der Motor umfassend überarbeitet. Unter anderem wurden Bohrung und Hub verändert, größere Titanventile verbaut und Einlass sowie Auspuffanlage optimiert. Alleine beim Motor konnten 2,7 Kilogramm eingespart werden.

Auch beim Chassis blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Der Rahmen ist zu 70 Prozent neu, die Aluminiumschwinge wurde verlängert und gleichzeitig leichter. Hinzu kommen Änderungen am Showa-Fahrwerk sowie eine überarbeitete Ergonomie.

Trotz der höheren Leistung soll die neue CRF450R aber nicht schwieriger zu fahren sein. Drei unterschiedliche Motormappings sowie die dreistufige Honda Selectable Torque Control ermöglichen es, die Charakteristik an Fahrer und Streckenbedingungen anzupassen.

Die technischen Daten versprechen also einiges – entscheidend ist aber, ob man die Veränderungen auf der Strecke tatsächlich spürt.

Der Test

Und genau hier hinterließ die neue CRF450R bereits nach wenigen Runden einen starken Eindruck. Elias fühlte sich auf dem Motorrad sehr schnell wohl und konnte früh Vertrauen aufbauen. Besonders auffällig war das Handling. Für eine 450er fühlt sich die Honda außergewöhnlich leicht, kompakt und agil an.

Vor allem in engen Kurven macht sich das bemerkbar. Die CRF450R lässt sich mit wenig Kraftaufwand einlenken und folgt sehr schön der gewünschten Linie. Das geringere Gewicht ist dabei nicht nur eine Zahl im Datenblatt, sondern auf der Strecke tatsächlich deutlich spürbar.

Gerade weil eine 450er aufgrund der hohen Motorleistung schnell körperlich fordernd werden kann, ist diese Leichtigkeit ein großer Pluspunkt. Richtungswechsel gelingen einfach und auch in engeren Passagen hat man nicht das Gefühl, gegen das Motorrad arbeiten zu müssen.

Genau diesen Eindruck bestätigte auch Michael Kratzer. Für den mehrfachen österreichischen Staatsmeister hat sich das Handling gegenüber dem bisherigen Modell deutlich verbessert. Die neue Honda fährt seiner Einschätzung nach beinahe von selbst in die Kurven.

Mehr Leistung – aber gut kontrollierbar

Beim Motor musste sich Elias keine Gedanken darüber machen, ob genügend Leistung vorhanden ist. Die neue CRF450R hat mehr als genug davon.

Entscheidend ist allerdings, dass die zusätzliche Leistung trotzdem gut kontrollierbar bleibt. Über die drei unterschiedlichen Mappings lässt sich die Motorcharakteristik deutlich verändern und an den eigenen Fahrstil anpassen.

Damit deckt die Honda ein sehr breites Spektrum ab. Ein Hobbyfahrer kann eine sanftere Charakteristik wählen, während ambitionierte Fahrer und Racer die aggressivere Abstimmung nutzen können.

Auch Michael Kratzer war besonders vom neuen Motor begeistert. Neben der zusätzlichen Leistung fiel ihm vor allem das deutlich breitere nutzbare Drehzahlband auf. Die Kraft steht über einen größeren Bereich zur Verfügung, wodurch sich die 450er sehr angenehm fahren lässt.

Fahrwerk mit guter Basis

Auch das Showa-Fahrwerk funktionierte für Elias bereits in der Standardabstimmung gut. Honda hat für 2027 sowohl Gabel als auch Federbein überarbeitet und verfolgt dabei eine neue Abstimmungsphilosophie mit mehr Dämpfung.

Auf der Strecke vermittelte das Fahrwerk grundsätzlich viel Vertrauen und passte gut zum handlichen Gesamtpaket.

Lediglich in einigen schnellen Passagen wurde das Heck etwas nervös. Hier wäre bei einem längeren Test interessant, wie stark sich dieses Verhalten mit einigen Anpassungen am Setup verbessern lässt.

Insgesamt bietet das Serienfahrwerk aber bereits eine gute Basis und trägt dazu bei, dass man sich schnell auf dem Motorrad wohlfühlt.

Auch Michael Kratzer begeistert

Interessant war in Pietramurata auch der direkte Eindruck von Michael Kratzer. Als mehrfacher österreichischer Staatsmeister kann er die Veränderungen entsprechend gut einschätzen und sein Fazit fiel ausgesprochen positiv aus. Vor allem das deutlich geringere Gewicht, das verbesserte Handling und der überarbeitete Motor fielen dem Steirer auf.

Besonders die Kombination aus Handling und Motorcharakteristik überraschte ihn. Die Honda lässt sich sehr leicht in die Kurven bringen und gleichzeitig steht über einen deutlich breiteren Drehzahlbereich Leistung zur Verfügung.

Für Kratzer ist der Unterschied zum bisherigen Modell klar spürbar. Honda hat aus seiner Sicht nicht nur einzelne Bereiche verändert, sondern das Gesamtpaket deutlich verbessert.

Auch die österreichischen Händler Andreas Schmidinger von Honda Schmidinger sowie Jörg Prisching von Primo MX-Workshop waren vor Ort und zeigten sich bereits nach den ersten Runden auf der beeindruckenden Strecke von den Neuerungen begeistert.

Fazit

Honda hat bei der CRF450R für 2027 einen großen Schritt gemacht. Vier Kilogramm weniger Gewicht und über zehn Prozent mehr Spitzenleistung lesen sich bereits auf dem Papier beeindruckend. Noch wichtiger ist allerdings, dass man die Veränderungen auf der Strecke tatsächlich spürt.

Unterm Strich ist die CRF450R 2027 nicht einfach nur stärker geworden. Honda hat es geschafft, gleichzeitig Gewicht zu reduzieren und die Fahrbarkeit zu verbessern. Und genau diese Kombination macht den größten Unterschied. Die neue CRF450R hat die Leistung einer modernen 450er, fühlt sich beim Fahren aber deutlich leichter an, als man es von dieser Hubraumklasse erwarten würde.