Allein die Prämisse des Anime-Films Jin-Roh: Die Wolfsbrigade ist der reinste Horror: Nazi-Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die Kontrolle über Japan übernommen. Jahre später geht die militarisierte Hauptstadtpolizei gegen Terrorakte einer Widerstandsgruppe vor, wobei auch die mit Wehrmachtsmitteln ausgestattete Spezialeinheit Kerberos zum Einsatz kommt.
Diese finstere Alternativhistorie mit einem Drehbuch von Ghost in the Shell-Mastermind Mamoru Oshii, das brillant und angemessen trostlos von Regisseur Hiroyuki Okiura inszeniert wurde, kam 1999 heraus und ist ein ganz großer, wenn auch deprimierender, Wurf. Eine neue Chance, ihn im neuen Glanz zu erleben, gibt es demnächst, nachdem es zuletzt hiesige Neuveröffentlichungen von Klassikern wie Oshiis Angel’s Egg oder auch Die letzten Glühwürmchen aus dem Hause Studio Ghibli gegeben hatte.
Anime-Highlight Jin-Roh kommt überarbeitet ins deutsche Kino
Wer Jin-Roh bisher im Kino erleben durfte, hatte bei Sonder-Screenings großes Glück, denn regulär war der Anime-Film bisher noch nicht in Deutschland zu sehen. Das soll sich jetzt ändern, wie KSM Anime letztes Wochenende auf der Convention AnimatiC offenbarte (via Anime2You ). Demnach wurde das Meisterwerk gemeinsam mit All You Need Is Kill aus dem letzten Jahr für eine baldige Kinoveröffentlichung angekündigt. Die überarbeitete 4K-Version des Films kam erst im März dieses Jahres in Japan heraus.
Konkret dreht sich die Geschichte um Kazuki Fuse (Yoshikatsu Fujiki) von der Kerberos-Spezialeinheit, deren Mitglieder mit imposanten Rüstungen, glühend roten Augen ihrer Gasmasken und schweren Maschinengewehren eine monströse Erscheinung abgeben. Er gilt als einer der Besten, wird aber bis ins Mark erschüttert, als sich ein junges Mädchen von der Terrorgruppe Die Sekte vor ihm in die Luft sprengt, ehe er sich überwinden kann, sie zu erschießen. Im Anschluss lernt Fuse eine junge Frau namens Kei (Sumi Muto) kennen – die hinterbliebene Schwester des Mädchens, zu der er eine von Schuld und Zweifeln geprägte Beziehung aufbaut.
Gleichzeitig spielt sich im Hintergrund eine politische Verschwörung der Polizei und der Abteilung für Sicherheit ab, in die auch Fuse involviert wird, für den nichts Geringeres als seine Menschlichkeit auf dem Spiel steht. Ist er noch ein Mann oder vielmehr ein Wolf im Menschenkostüm wie im Märchen Rotkäppchen, das sich parallel wie ein blutroter Faden durch diese finstere Fabel zieht?
Jin-Roh ist absolutes Pflichtprogramm für Animationsbegeisterte, aber leider nicht mal streambar aktuell. Bei uns auf Moviepilot steht das Anime-Highlight mit einer 7,5 in der Community-Wertung sogar auf Platz 15 der besten Anime-Filme aller Zeiten – und das völlig zu Recht.
Der Jin-Roh-Anime ist die Spitze eines Medien-Eisbergs
Während der Anime-Film absolut für sich steht und eine in sich abgeschlossene Tragödie mit politischen Thriller-Elementen erzählt, ist das dazugehörige Franchise schon viel älter. Begonnen hat alles mit dem Manga Kerberos Panzer Cop von Mamoru Oshii, der auch persönlich die Live-Action-Adaption The Red Spectacles von 1987 inszenierte, die 2018 erst ein südkoreanisches Remake namens Illang: The Wolf Brigade
bekam. Neben weiteren Mangas, Romanen und Audiodramen gab es 1991 auch eine TV-Serie.
Wann der deutsche Re-Relase des Jin-Roh-Animes konkret ansteht, ist noch nicht raus. Ein Datum für den Kinostart oder die 4K-Veröffentlichung für das Heimkino wurde noch nicht verkündet.