20 Jahre Gerhard-Richter-Archiv

Stand: 05.08.2026 04:00 Uhr

Dresden, Berlin, Nürnberg, Köln: Kaum ein deutscher Künstler ist so präsent wie Gerhard Richter. Seit 20 Jahren sammelt das Gerhard-Richter-Archiv in Dresden alles über das Leben und Werk des Künstlers. Zum 20-jährigen Jubiläum blicken wir auf Kulturorte in ganz Deutschland, die Richters Werke oder neue Perspektiven auf sein Œuvre eröffnen: von frühen, lange verborgenen Wandbildern über ikonische Gemälde bis hin zu Glas- und Farbkompositionen. Eine Annäherung an einen Künstler, dessen Werk bis heute Fragen nach Bild, Erinnerung und Wirklichkeit stellt.

von Cornelia Winkler, MDR KULTUR

Dresden: Gerhard Richter Archiv

Dresden ist die Geburtsstadt Gerhard Richters. Im dortigen Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen ist das Gerhard Richter Archiv angesiedelt. Es sammelt seit 2006 alles über das Leben und Werk des Künstlers und präsentiert in zwei Ausstellungsräumen regelmäßig Arbeiten und Materialien. Sie geben Einblick in das gesamte Schaffen des Künstlers von den frühen realistischen Gemälden nach Fotografien bis hin zu den jüngsten Abstrakten Bildern.

Gerhard Richters Gemälde «Tante Marianne»

„Tante Marianne“ von Gerhard Richter wurde 2006 für mehr als zwei Millionen englische Pfund bei Sotheby’s versteigert.

Den Kern der dauerhaften Präsentation bilden Porträts, abstrakte Arbeiten und Glasinstallationen, darunter das Bild „Tante Marianne“ und die Glasinstallation „9 stehende Scheiben“. Darüber hinaus präsentiert das Gerhard Richter Archiv ausgewählte Arbeiten des Künstlers in regelmäßigen Abständen in Kabinett- und Sonderausstellungen im Dresdner Albertinum.

Gerhard Richter Archiv im Albertinum

Adresse:
Tzschirnerplatz 2
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11 bis 17 Uhr
Montags geschlossen
Heiligabend und Weihnachtsfeiertage: 11 bis 14 Uhr
Silvester: 11 bis 16 Uhr
Neujahr: 12 bis 17 Uhr

Eintritt:
14 Euro, ermäßigt 10,50 Euro
Personen unter 17 Jahren haben freien Eintritt.

Teppichentwurf

Dresden: Deutsches Hygiene-Museum

Eine frühe Arbeit Gerhard Richters ist seit 2024 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu sehen – zumindest teilweise. Es handelt sich um ein ursprünglich 63 Quadratmeter großes Wandbild im Treppenfoyer des Museums und war die Diplomarbeit des damaligen Studenten der Hochschule der Bildenden Künste im Fach „Wandmalerei“.

Entstanden ist das Werk mit dem Titel „Lebensfreude“ im Jahr 1956 und war eine umfassende Darstellung verschiedener Alltagsszenen in einer sozialistischen Gesellschaft. So hat Richter Menschen in freudvollen Momenten festgehalten, unter anderem Strandszenen mit Badenden, Familien- und Freizeitsituationen. Eingebettet wurde das in die idealisierte Atmosphäre eines sozialistischen Gesellschaftsbildes, wie es für DDR‑Auftragskunst der 50er-Jahre typisch war. 1979 wurde das Wandbild übermalt; 2023/2024 wurden 19 Quadratmeter im Rahmen eines Restaurierungsprojekts wieder freigelegt.

Wandgemälde „Lebensfreude“
Treppenfoyer Deutsches Hygiene-Museum

Adresse:
Lingnerplatz 1
01069 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Das Wandbild kann während der Öffnungszeiten des Museums kostenlos besichtigt werden.

Zum Restaurationsprojekt ist das Buch „Gerhard Richter, Lebensfreude, 1956. Teilfreilegung eines verschwundenen Wandbildes im Deutschen Hygiene-Museum“ erschienen. Die Publikation kann kostenlos an der Museumskasse angefragt und auf der Webseite der Wüstenrot-Stiftung bestellt oder digital heruntergeladen werden.

Zwei nur unscharf zu sehende Besucherinnen einer Ausstellung gehen in entgegengesetzer Richtung an einer Wand mit Bildern vorbei.

Berlin: Neue Nationalgalerie

Der Neuen Nationalgalerie in Berlin hat Gerhard Richter, der die Malerei vor einigen Jahren beendet hat, 100 Werke als Dauerleihgabe überlassen. Diese werden seit April 2023 in der Sonderausstellung „Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin“ gezeigt. Die Arbeiten zeigen die Vielfalt seines Schaffens – von klassischer Malerei mit Pinsel oder Rakel bis hin zu ganz anderen gestalterischen Formen. Von Beginn an arbeitete er nicht nur mit Leinwand und Farbe, sondern auch mit anderen Materialien und Techniken.

Mehrere große bunte Gemälde hängen in einem Ausstellungsraum mit weißen Wänden.

100 Werke hat der Künstler Gerhard Richter der Neuen Nationalgalerie in Berlin dauerhaft überlassen.

Besonders Glas stellt ein wichtiges Element in seiner Kunst dar. Das zeigt auch die Installation im Zentrum dieser Ausstellung: „6 stehende Scheiben“. Die hochaufragenden Glasscheiben erzeugen ein lebendiges Spiel aus Durchsicht und Spiegelung. Sie verändern sich mit Licht, Bewegung und Blickwinkel und regen so dazu an, über Sichtbarkeit und Wirklichkeit nachzudenken.

Werk von Gerhard Richter mit unterschiedlichen Farben und Farbverläufen.

Gerhard Richter, Abstraktes Bild (944-2), 2016

Zur Ausstellung gehört auch der berühmte „Birkenau-Zyklus“. Das aus vier abstrakten Gemälden bestehende Werk aus dem Jahr 2014 ist Richters Versuch, sich künstlerisch mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Grundlage sind vier heimlich aufgenommene Fotos eines Häftlings aus dem KZ Auschwitz‑Birkenau. Richter malte diese Bilder zunächst ab und verfremdete sie anschließend, indem er sie mit mehreren Schichten Ölfarbe übermalte und mit einem Rakel bearbeitete, bis nur noch abstrakte Gemälde übrigblieben.

„Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin“
bis mindestens Ende 2026

Hinweis: Der „Birkenau-Zyklus“ aus dem Jahr 2014 ist derzeit als Leihgabe Teil der großen Retrospektive !GERHARD RICHTER! der Fondation Louis Vuitton in Paris. Im Frühling 2026 werden die Werke in die Neue Nationalgalerie Berlin zurückkehren.

Nürnberg: Neues Museum

Das Neue Museum Nürnberg zeigt eine große Auswahl von Gerhard-Richter-Werken. Das Museum besitzt rund 30 Dauerleihgaben aus der Sammlung Böckmann – eine der größten Richter-Sammlungen weltweit. Davon werden 22 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers dauerhaft in der Ausstellung „Gerhard Richter. On Display“ gezeigt – von unscharfen Fotobildern bis hin zu abstrakten Gemälden. Zu den bekanntesten Werken zählen „Seestück“ (1969) und „Schädel mit Kerze“ (1983). Weiteres Highlight ist das großformatige Gemälde „Abstraktes Bild (Canaletto)“ von 1990, es wurde eigens für die Schau aus dem Bundeskanzleramt von Berlin nach Nürnberg geholt.

„Gerhard Richter. On Display“

Neues Museum Nürnberg
Staatliches Museum für Kunst und Design

Adresse:
Klarissenplatz
Luitpoldstraße 5
90402 Nürnberg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 20 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt:
Ausstellung und Sammlung: 9 Euro/ermäßigt 6 Euro
Sonntags Sammlung 1 Euro
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Hinweis: Mit einem Multimedia-Guide lässt sich in der Ausstellung mehr über Gerhard Richter und sein Werk herausfinden. Er geht unter anderem auch Fragen nach wie, warum seine Werke so unterschiedlich oder ob die hohen Preise für seine Werke gerechtfertigt sind.

Kirchenfenster im Kölner Dom

Im Jahr 2002 erhielt Gerhard Richter den Auftrag, eines der Südfenster des Kölner Doms neu zu gestalten und damit ein dauerhaftes Kunstwerk in dem berühmten Gotteshaus zu hinterlassen. Anstatt der ursprünglich gewünschten Darstellung von sechs zeitgenössischen Märtyrern entschied sich Richter jedoch für einen völlig anderen Ansatz: Er knüpfte an seine in den 70er‑Jahren entwickelten Farbtafeln an. Für das 106 Quadratmeter große Fenster wählte er insgesamt 11.263 kleine Glasquadrate in 72 verschiedenen Farben aus und ordnete diese nach dem Zufallsprinzip an. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 2007 polarisiert das Fenster: Viele Besucherinnen und Besucher zeigen sich fasziniert vom lebendigen Farbspiel im wechselnden Licht, während andere die abstrakte Gestaltung als zu beliebig oder unpassend empfinden.

Kölner Dom

Adresse:
Domkloster 4
50667 Köln

Öffnungszeiten für Besichtigungen:
Montag bis Samstag: 10 bis 17 Uhr
Sonntags: 13 bis 16 Uhr und in der Turmhalle nach der Abendmesse bis 20 Uhr

Während der Gottesdienste ist der Dom teilweise oder komplett zur Besichtigung gesperrt.

Eintritt: frei

Gerhard Richter in seinem Koelner Atelier vor dem Bild: Tante Marianne

Kirchenfester in Tholey

Im Jahr 2020 schuf Gerhard Richter drei großformatige und farbintensive Chorfenster für die Benediktinerabtei St. Mauritius im saarländischen Tholey, einem der ältesten Klöster Deutschlands. Richter erklärte die Fenster zu seinem letzten großen Werk und schließt damit sein offizielles Œuvre mit der Werknummer 957 ab. Jedes Fenster zeigt fünf Motive, die sich gespiegelt wiederholen – verspielte bunte Muster mit viel Raum für Fantasie. Die Gestaltung basiert auf einem abstrakten Gemälde Richters, das er für die Fenster durch fortlaufendes Teilen, Spiegeln und Neuordnen weiterentwickelte. Die Arbeiten überließ er der Klostergemeinschaft als Geschenk und verzichtete vollständig auf ein Honorar.

Benediktinerabtei St. Mauritius Tholey

Adresse:
Römerallee 5
66636 Tholey
Öffnungszeiten der Kirche für Besichtigungen:
Montag bis Samstag:
10 bis 12 Uhr und 12:30 bis 17 Uhr

Sonn- und Feiertag:
11:15 Uhr bis 12 Uhr und 12:30 bis 17 Uhr

Kurzfristige Änderungen wegen Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten o.ä. möglich.

Eintritt: frei

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