Laura Rukavina verbringt gerade drei Wochen in Hamburg und nimmt an einem Pop-Kurs an der dortigen Hochschule teil. „50 Musiker auf einem Fleck, Workshops von Gesang bis Songwriting, das befruchtet“, sagt die junge Sängerin, deren Name in Düsseldorf gerade einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Denn „ruka“, so ihr eingängiger Künstlername, hat den Förderpreis der Bandprofessionalisierung 2026 von der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf erhalten. Das klingt zwar ganz schön sperrig, ist aber mit Fördermitteln in Höhe von 5000 Euro verknüpft. Und das Geld kann ruka wirklich gut gebrauchen, denn noch ist ihr Stern nicht aufgegangen – das kann sich aber ganz schnell ändern.
Jedenfalls hatte die Sängerin von einigen ihrer Vorgängerinnen gehört, dass der Wettbewerb des Kulturamts durchaus als Sprungbrett dienen kann. Julika zählte zu den Preisträgerinnen (2022), auch Leonora (2024), beide sorgten im Vorjahr beim deutschen ESC-Vorentscheid für Furore, als sie vor einem Millionen-Publikum singen durften und sich der Jury um Stefan Raab stellten. Dass unter anderem Dieter Falk in der Düsseldorfer Förderpreis-Jury saß, hat ruka zusätzlich gereizt, denn den kennt sie aus ihrer Hochschulzeit. Die 25-Jährige hat im Vorjahr ein Studium in Musik und Medien mit dem Schwerpunkt Jazz und Pop-Gesang an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf abgeschlossen – dort ist Dieter Falk Professor für Musikproduktion.
Alles schön und gut, aber hat ihr das jetzt wirklich was gebracht? Noch nicht. Aber ruka arbeitet kräftig daran. In diesem Jahr hat sie ihre erste EP „Why Don’t You Care?“ mit sechs Songs herausgebracht, war dafür mit Gereon Gründer im Studio und hat jüngst die Single „Manic Undercover“ folgen lassen. Am wohlsten fühlt sich ruka aber, wenn sie live singen kann. „Ich genieße es, auf der Bühne zu stehen“, sagt sie. Nur tut sie das in der Regel nie alleine. „Ich trete eigentlich immer mit Band auf – wie groß die ist, hängt vom Geld ab, das zur Verfügung steht“, erzählt die Sängerin. Manchmal sind es zwei Musiker, im Optimalfall fünf, nur eines ist dummerweise immer gleich: „Wenn ich Band und Techniker bezahlt habe, bleibt meist nicht viel für mich übrig.“ Kommen dann noch Kosten für Unterkunft und Fahrten hinzu, „kann ich froh sein, wenn ich da plus minus null rauskomme“.
Aber ruka lässt sich nicht beirren, setzt voll auf die Karte Karriere, ist aber nicht blauäugig: „Ich arbeite parallel als Konzert-Fotografin, bin auch im Bereich Video tätig, das ergänzt sich oft sehr gut.“ Bis zu 20 Auftritte bei Stadtfesten oder kleineren Festivals sind es in diesem Jahr, bei denen ruka als Sängerin auftritt, und dann singt sie auch schon mal gerne einen Cover-Song – vorzugsweise „The Climb“ aus dem Hannah-Montana-Film. Denn so hat bei ihr alles angefangen.
„Ich war als Drittklässlerin großer Fan von diesen TV-Formaten, auch High-School Musicals. Ich habe dann meine Eltern angebettelt, mir Gitarren-Unterricht zu finanzieren“, erzählt die spätere Gymnasiastin, die in Haan ihr Abitur gemacht hat und dabei keine Musik- oder Chor-AG ausgelassen hat. Inzwischen wohnt ruka in Friedrichstadt, die Gitarre nimmt sie auf der Bühne zwar immer noch manchmal in die Hand, „aber eigentlich setze ich ganz auf meinen Gesang“.
Ihren Stil beschreibt sie als Indie-Pop, manchmal wird es etwas rockiger, wobei sie mit ihrer sanften Stimme auch die leisen Töne beherrscht. Inspiration für ihre Songs bezieht sie vor allem aus eigenen Erlebnissen und Emotionen, „90 Prozent von dem, was ich singe, ist autobiografisch geprägt“, sagt sie. „Und ich will ehrlich und authentisch rüberkommen, das ist mir sehr wichtig.“ Lange Zeit hat sie ihre Texte fast ausschließlich alleine geschrieben, „inzwischen habe ich aber gemerkt, dass so ein bisschen Input von außen gar nicht schaden kann“.
Nur eines kann sich die 25-Jährige aktuell so gar nicht vorstellen: auf Deutsch zu singen. „Das würde mir irgendwie befremdlich vorkommen. Aber wer weiß…?“ Die Karriere von ruka dürfte noch so einige Überraschungen parat haben – womöglich auch für sie selbst.