
AUDIO: Wissenswerte Fakten über das Leben von Gerhard Richter (3 Min)
Schon gewusst?
Stand: 05.08.2026 04:00 Uhr
Gerhard Richter, geboren am 9. Februar 1932 in Dresden, gilt als einer der herausragendsten Gegenwartskünstler. Bereits 18 Mal wurde er vom Kunstkompass als weltweit gefragtester Künstler ausgezeichnet. 2023 erzielte eines seiner Werke bei einer Auktion mehr als 20 Millionen Euro. Richter ist für seine vielfältige Kunst bekannt, die von fotorealistischen Gemälden bis hin zu abstrakten Arbeiten reicht. Entdecken Sie Spannendes über das Leben und Werk des Ausnahmekünstlers.
1. Gerhard Richter wurde in Dresden geboren
Am 9. Februar 1932 kam Gerhard Richter in Dresden zur Welt. Mit seinen Eltern zog er 1936 aus der kulturellen Metropole ins ländliche Reichenau in der Oberlausitz – eine Stadt, die heute in Polen liegt. Dort wurde im November desselben Jahres das zweite Kind der Familie geboren, Richters Schwester Gisela.

Reichenau in Sachsen um 1935. Der Ort liegt heute in Polen und trägt den Namen Bogatynia.
2. Erstmal an der Kunsthochschule abgelehnt
Als Student fand Gerhard Richter seinen Weg zurück nach Dresden. Für seinen Plan, Kunst zu studieren, brauchte er jedoch zwei Anläufe. Bei seiner ersten Bewerbung an der Hochschule für bildende Künste für das Wintersemester 1950/51 wurde seine Mappe abgelehnt. Erst die zweite Bewerbung war erfolgreich. Zum Wintersemester 1951/52 begann Richter sein Studium mit dem Berufsziel: Maler.

Heute ein international hochgeachteter Künstler wurde Gerhard Richter bei seiner ersten Bewerbung für ein Kunststudium abgelehnt.
3. Gerhard Richter ist Diplom-Wandmaler
Nach seinem Grundstudium spezialisierte sich Richter auf Wandmalerei. Er war Teil der neu eingerichteten Klasse von Professor Heinz Lohmar. Bei der Wandmalerei erhoffte er sich unter anderem eine größere gestalterische Freiheit, um sich so der politischen Doktrin des Sozialistischen Realismus entziehen zu können. Gerhard Richter, der sich damals noch Gerd nannte, schloss sein Studium als Diplom-Wandmaler ab.

Die Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Hier hat Gerhard Richter in den 50er-Jahren studiert.
4. Verborgenes Wandbild im Dresdner Hygiene-Museum
Im Dresdner Hygiene-Museum schuf Gerhard Richter 1956 das Wandbild „Lebensfreude“. Es war Teil seiner Diplomarbeit, die er mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Auf dem mehr als 60 Quadratmeter großen Bild sind – grob gesagt – verschiedene fröhliche Menschengruppen im Sozialismus zu sehen. Oder besser gesagt: Waren zu sehen, denn es wurde nach Richters Flucht in den Westen in den 60er-Jahren übermalt.

Ungefähr ein Drittel des Wandgemäldes wurde im Hygiene-Museum Dresden inzwischen freigelegt.
Als es in den 90er-Jahren freigelegt werden sollte, verhinderte der Maler das. Richter bezeichnete das Bild als „Jugendsünde“ und erklärte: „Ist doch Blödsinn, die Friede-Freude-Eierkuchen-Idylle wie eine Reliquie zu behandeln. Bitte lasst es so zugepinselt, wie es ist.“ Nun durfte das Hygiene-Museum das Bild doch zum Vorschein bringen.

5. Richters Dresdner Werke nicht im Werkverzeichnis
Die Werke, die Gerhard Richter in Dresden zu Studienzeiten malte, gehören für ihn nicht zu seinem Werkverzeichnis: Weder die Wandmalereien noch die etwa 40 Bilder, die er bei seiner Flucht in den Westen 1961 in Dresden zurückließ. Das Werkverzeichnis beginnt erst 1962 mit dem Bild „Tisch“.

Das offizielle Werkeverzeichnis von Gerhard Richter beginnt erst mit diesem Werk: „Tisch“ aus dem Jahr 1962.
6. Dresden-Heimkehr nach der Jahrhundertflut 2002
Nach der Flucht 1961 blieb Richters Beziehung zu seiner Heimatstadt lange distanziert. Als jedoch die Jahrhundertflut 2002 Dresden – und die Depots der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) – überschwemmte, entdeckte er seine emotionale Beziehung zu der Stadt wieder. Er spendete das monumentale Gemälde „Fels“ von 1989, das für 2,6 Millionen Euro versteigert wurde und trug so zur Finanzierung der Renovierung des Albertinums nach dem Hochwasser bei. Zwei Jahre später übergab er der Galerie Neue Meister im Albertinum mehr als 40 seiner Werke.

Die Jahrhundertflut setzte große Teile Dresdens unter Wasser.
7. Zwei Gerhard-Richter-Räume im Albertinum
Im Albertinum in Dresden gibt es zwei Gerhard-Richter-Räume. Die darin zu sehenden Werke wechseln. Ein eigenes Gerhard-Richter-Museum, wie es beispielsweise vor wenigen Jahren der Ex-Oberbürgermeister der Stadt Köln vorschlug, hat der Künstler bisher vehement abgelehnt.

Gerhard Richter in einer Ausstellung im Dresdner Albertinum im Jahr 2013.
8. Gerhard-Richter-Archiv
Seit 2006 gibt es in Dresden ein Archiv, das sich nur um Gerhard Richter dreht. Es forscht zu dem Künstler und sammelt alles, was über ihn erscheint. Dazu gehören neben Zeitschriften und Büchern auch Ausstellungsplakate, Einladungen oder Briefe. Insgesamt sind bereits mehr als 70.000 Dokumente zusammengekommen. Das Archiv konzipiert und betreut auch Ausstellungen und hat das Werkverzeichnis erstellt. Dessen abschließender sechster Band ist 2023 erschienen.

Das Werk „Tante Marianne“ von Gerhard Richter 2010 in der Galerie Neue Meister im Neuen Albertinum in Dresden.
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