Nach dem nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei die Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschärft. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurde der Zünder einer noch unbekannten Sprengvorrichtung entfernt. 

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen. Sie schließen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb ist auch das PTAZ im Einsatz, hieß es. Der Flughafen gehöre zum Bereich der kritischen Infrastruktur.

Die Drohne war kurz vor Mitternacht von einem Mitarbeiter des Flughafens bemerkt worden – in der Nähe von vier ukrainischen Antonow-Transportmaschinen. Zuvor hatte „Bild“ über den Vorfall berichtet. Der Zeitung zufolge waren Sprengstoff und Zünder in einem Paket an der Drohne befestigt. Dass es nicht zur Explosion kam, lag demnach daran, dass der Zünder defekt war. Laut Informationen aus Sicherheitskreisen, soll im Paket Semtex gewesen sein, ein Plastiksprengstoff, der auch beim Anschlag von Lockerbie 1988 zum Einsatz kam und den Geheimdienste und Terroristen nutzen.

Die Polizei stuft die Drohne nach Informationen des „Spiegels“ als „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“ ein. Das Fluggerät soll ein sogenannter Quadrokopter, ein Vierflügler, sein.

Der Flugverkehr war wegen des Drohnenvorfalls zwischenzeitlich eingestellt worden. Eine Passagiermaschine sowie mehrere Frachtflieger wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Der Flugverkehr läuft wieder, ein Teil des Flughafens ist aber noch gesperrt.

Zusammenstoß nahe des Flughafens

Wegen der kurzfristigen Sperrung konnte jedoch ein DHL-Frachtflugzeug nicht dort landen und musste durchstarten, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin vor Journalisten sagte. Dann sei es „anscheinend mit etwas kollidiert“.

Der „Bild“-Zeitung zufolge ereignete sich der Zusammenstoß rund sechs Kilometer vom Flughafen entfernt in 400 Metern Höhe. Das Flugzeug konnte jedoch sicher in Hannover landen. Dort wurden leichte Beschädigungen im Frontbereich festgestellt.

Unklar ist bislang noch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem zuerst gesichteten Flugobjekt und der Drohne mit Sprengvorrichtung gibt, die am Boden gefunden wurde. Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe stellte klar, dass Unbefugte nicht einfach auf das Rollfeld gelangen können. Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt, mutmaßlich auch eine Drohne, aus der Luft auf den Boden gelangt sei.

Antonow-Transportmaschinen am Flughafen Leipzig/Halle

Die ukrainische Fluggesellschaft Antonow ist mit sechs Maschinen am Flughafen Leipzig/Halle vertreten. Nachdem der Flughafen Hostomel in Kijyw beim Überfall Russlands 2022 zerstört wurde, verlegte die Airline ihre Basis nach Leipzig. Die Maschinen stehen im Rahmen des Programms Strategic Airlift International Solution (SALIS) mehreren EU- und Nato-Staaten für den strategischen Lufttransport zur Verfügung. Die Bundeswehr nutzte eine der Antonow-Maschinen beispielsweise beim Afghanistan-Einsatz 2021. Antonow errichtet derzeit am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Wartungshangar. Der Bau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden. (Tsp/dpa)

Schuster spricht von „sehr ernstem Sicherheitsvorfall“

Die Ermittler fahnden nun nach dem Drohnenpiloten. Der sächsische Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“. „Deshalb ermitteln Landes- und Bundessicherheitsbehörden seit heute Nacht unter Hochdruck Hand in Hand“, erklärte Schuster am Mittwoch in Dresden. Auch das gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei seien involviert. Schuster erklärte weiter, er stehe „in ständigem Austausch“ mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

ARCHIV - 08.07.2026, Sachsen, Dresden: Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen, spricht bei einer Pressekonferenz vor einem Presserundgang durch das Sekundärmigrationszentrum in Dresden. (zu dpa: «Afghanistan: Sachsen will neue Abschiebemöglichkeiten nutzen») Foto: Katharina Kausche/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Armin Schuster (CDU), Innenminister von Sachsen

© dpa/Katharina Kausche

„Die Bedrohungslage in Deutschland hat eine neue Qualität erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne macht unmissverständlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist, erklärte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Infrastruktur müsse besser geschützt werden. „Dem müssen Bund und Länder auch finanziell viel stärker Rechnung tragen.“

A video grab taken from a video footage by News5 from August 5, 2026 shows a bomb disposal robot deployed by police at German airport Leipzig-Halle in Schkeuditz, eastern Germany, after a drone was spotted nearby. German police deployed a bomb disposal robot at the airport after a drone was found near a Ukrainian-flagged cargo plane overnight, also forcing the diversion of numerous flights. Another aircraft, which had to abort its scheduled landing at Leipzig-Halle airport, then collided mid-air with an unknown object several kilometres away but later landed safely, the government said. The airport in eastern Germany plays a key role in the transport of military goods, including by the German military and NATO allies, and also serves as a base for Ukraine's Antonov Airlines. (Photo by NEWS5 / AFP) Aufnahmen zeigen den Sprengstoffroboter im Einsatz.

© AFP/-

Die Opposition forderte eine politische Reaktion der Bundesregierung. „Sollte sich bewahrheiten, dass am Leipziger Flughafen erneut eine Sprengladung deponiert wurde, braucht es eine klare politische Reaktion auf diese Aggression“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, dem Tagesspiegel.

Von Notz forderte vor diesem Hintergrund die deutschen Behörden auf, „weiterhin sehr genau hinzuschauen, mögliche Parallelen ausfindig zu machen und Verdachtsmomente zu konkretisieren“, wie er sagte. Seit Monaten wiesen deutsche Sicherheitsbehörden schließlich auf „das immer aggressivere und ruchlose Agieren Russlands“ hin, so der Grünen-Politiker weiter. Ebenso müsse aufgeklärt werden, ob der Vorfall „im Kontext der anstehenden Landtagswahlen“ geschehen sei.

Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter geht hingegen „von einem gezielten hybriden Angriff, also einem versuchten Terrorakt, gesteuert von Russland“ aus, wie er dem Tagesspiegel sagte. Zwar müsse man die Ermittlungen abwarten, so Kiesewetter. „Aber das Vorgehen und die mögliche Zielsetzung passen in den Modus Operandi Russlands“, sagte er. „Der mutmaßlich selbst gebaute Sprengsatz könnte dabei auf den Einsatz sogenannter Wegwerfagenten deuten.“

Russland habe seine hybride und kognitive Kriegsführung zuletzt verstärkt, so Kiesewetter. Dabei stehe Deutschland im Mittelpunkt hybrider Angriffe, weil die Bundesrepublik als Logistikdrehscheibe der Nato fungiere und für die Unterstützung der Ukraine besonders bedeutsam sei. „Zugleich sind wir aber auch besonders vulnerabel und schlecht ausgestattet, sodass hybride Angriffe, Spionage, Sabotage und auch kognitive Einflussnahmen besonders einfach sind.“

Innenminister Dobrindt unterbrach derweil seinen Urlaub. Der CSU-Politiker reise zu einer Lagebesprechung mit Schuster und den Spitzen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern am Flughafen an, teilte sein Ministerium in Berlin mit. Erwartet werde, dass unter anderem Bundespolizei-Präsident Dieter Romann und Verfassungsschutz-Chef Sinan Selen teilnehmen würden, hieß es. Anschließend, gegen 19.30 Uhr, will Dobrindt die Presse informieren.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Erndl, sagte dem Tagesspiegel: „Unsere Gegner wollen Unsicherheit schaffen und destabilisieren. Aber: Wir handeln mit der notwendigen Ruhe und Entschlossenheit. Gleichzeitig bestätigt sich, wie wichtig die Investitionen der Bundesregierung in den Ausbau unserer Sicherheitsarchitektur sind: Von der Stärkung der Nachrichtendienste über den Schutz kritischer Infrastruktur bis hin zu modernen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr“.

Wichtiges Drehkreuz für DHL

Der Chef des Logistikkonzerns DHL, Tobias Meyer, sprach von einem Zwischenfall. „Das hatte betriebliche Auswirkungen“, die „durchaus spürbar“ gewesen seien, sagte Meyer in einem Mediengespräch. Untersuchungen müssten nun zeigen, was genau an dem Flughafen vorgefallen sei. Leipzig/Halle ist ein wichtiges Drehkreuz für DHL und der zweitwichtigste Flughafen für Fracht in Deutschland.

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Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet. 

Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Ländern bei der Bundespolizei eingerichtet. 

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Der Flughafenverband ADV drängte die Politik nach dem jüngsten Vorfall zum Handeln. „Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden“, erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Aktuell warteten die Flughäfen in Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn noch auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.

Ukrainischer Botschafter hat einen Verdacht

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. „Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem Nachrichtensender Welt TV. 

Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. „Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an zur Verfügung.“ (AFP/dpa/Reuters/Tsp)