In Wien oder Graz sind alle neuen Straßenbahnen klimatisiert. Warum die Stadtwerke Dortmund darauf verzichteten und Fahrgäste ins Schwitzen kommen.

Kaum Luftdurchzug, pralle Sonne, dicht aneinander gedrängte Fahrgäste: Öffentliche Verkehrsmittel ohne Klimaanlage werden vor allem in Zeiten von Rekordtemperaturen für viele zu einer echten Belastungsprobe. In vielen Städten wie Graz oder Wien betrifft das Problem nun nur noch alte Straßenbahngarnituren; dass Neuwagen mit einer Klimaanlage ausgestattet werden, ist heute eigentlich Usus. Auch alle Stadtbusse sind heute üblicherweise gekühlt.

Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) schlagen dabei überraschend einen ganz anderen Weg ein. Bei der Bestellung der neuen Stadtbahnen verzichteten sie auf den Einbau einer Klimaanlage. Schwitzende Passagiere werden offenbar bewusst in Kauf genommen. Das hat laut DSW21 zwei Gründe: Zum einen spare man sich dadurch 70 Millionen Euro, die somit für zusätzliche Fahrzeuge bereitstehen. Zum anderen sei der Stromverbrauch durch das Weglassen der Klimaanlagen um sieben Millionen kWh pro Jahr geringer.

Geringe Kosten und Energiesparen

„Das ist eine Komforteinbuße, das möchte ich nicht kleinreden“, gesteht Betriebsleiter Ralf Habbes im Interview mit dem WDR ein. Die meisten Fahrgäste würden allerdings ohnehin nach wenigen Stationen wieder aussteigen. Klimaanlagen könnten die Temperatur in den Bahnen im Vergleich zur Außentemperatur nur um circa drei Grad senken, so Hebbes. Ein großer Teil der Strecke der Dortmunder Stadtbahn verlaufe zudem unterirdisch.

Unterirdisch dürfte den Schritt jedoch so mancher Fahrgast finden. „Wenn Sie von einer kühlen, unterirdischen Stadtbahn-Haltestelle in die Bahn steigen, prallen Sie auf eine Hitzewand“, erklärt etwa Stadtbahn-Nutzer Martin Braun dem WDR. Beate Schneider, die oft mit ihren Kindern unterwegs ist, überlegt, „ob ich mit ihnen überhaupt Stadtbahn fahren kann“.

Grüne gegen „fahrende Sauna“

Kritik kommt auch von den Dortmunder Grünen. Es sei ein Fehler gewesen, beim Ankauf der 34 neuen Bahnen vor rund zehn Jahren statt einer Klimaanlage nur auf eine leistungsfähige Lüftung und verbesserte Wärmedämmung zu setzen. „Wer Menschen dauerhaft für Bus und Bahn gewinnen will, kann sie im Sommer nicht in einer fahrenden Sauna stehen lassen“, heißt es in einer Aussendung vom Dienstag.

DSW21 argumentiert, Klimaanlagen seien nicht nachhaltig und gerade die Grünen hätten darauf gedrängt, die Stadtwerke zügig CO₂-neutral zu machen. Die Grünen entgegnen, moderne Klimaanlagen und Klimaschutz seien kein Widerspruch. Mittlerweile ist der Großteil der neuen Fahrzeuge für die Dortmunder Stadtbahn bereits ausgeliefert, die Nachrüstung von Klimaanlagen gilt als unmöglich. DSW21 wollen laut einem RTL-Bericht zumindest Fensterfolien in den Bahnen anbringen, um die Temperaturen erträglicher zu machen.

Auch in den neuen Berliner U-Bahn-Wagen sucht man vergeblich nach Klimaanlagen. Laut „Spiegel“ argumentiert man damit, dass diese zu viel Platz wegnehmen würden – die Dachinstallationen seien für manche Tunnel zu hoch.

Neue Trams in Graz und Wien klimatisiert

In Graz verfügen alle ab 2009 gelieferten neuen Straßenbahnen über eine Klimaanlage, sprich alle Variobahnen und ebenso die neuen Flexitys. 39 ältere Garnituren, darunter auch die Cityrunner, sind nicht klimatisiert. Der Verein Fahrgast kritisierte jüngst, dass am Wochenende ungekühlte Wagen eingesetzt werden, obwohl genügend Neufahrzeuge zur Verfügung stehen würden. Die Holding Graz teilte mit, der Einsatz von klimatisierten Fahrzeugen hätte „oberste Priorität“, man müsse jedoch die „betrieblichen Möglichkeiten“ beachten.

Die Wiener Linien kaufen seit 2001 nur noch klimatisierte Fahrzeuge an, ihr Anteil liegt derzeit bei 80 Prozent. Einige ältere U-Bahn- und Straßenbahnwagen sind noch nicht klimatisiert, während alle Busse sowie Garnituren der U2 und U6 bereits mit Klimaanlagen ausgestattet sind. „Mit jeder neuen Flexity-Straßenbahn und jedem X-Zug werden die Öffis ein Stück cooler“, geben die Wiener Linien Hoffnung auf ein angenehmes, kühles Fahrerlebnis.

Mehr zum ThemaDie neue Haltestelle in der Peter-Tunner-Gasse – komplett in der Sonne, ohne SchattenBernd Schönegger, Mark Perz, Judith Schwentner, Dieter Weber (v.l.)