Querschnitt durch Flussbett mit niedrigem Pegel und Binnenschifffahrtszeichen für begrenzte Fahrwassertiefe und Sperrung der Schifffahrt

Binnenschifffahrtszeichen für begrenzte Fahrwassertiefe und Sperrung der Schifffahrt

Europas Flüsse erreichen historische Tiefststände – mit gravierenden Folgen. Kraftstoffpreise steigen und die Stromversorgung gerät unter Druck. Ein Überblick.

Viele kleine Bäche in Europa sind inzwischen vollständig versiegt – im Ernstfall steht dort kein Löschwasser mehr zur Verfügung. Doch auch die großen schiffbaren Flüsse erreichen historisch niedrige Pegelstände. Das weckt Forderungen, die Fahrrinnen deutlich zu vertiefen, um die Schifffahrt dauerhaft zu sichern.

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Die Folgen sind bereits spürbar: Verbraucher müssen mit höheren Preisen für Baustoffe und Sprit rechnen, weil Frachtschiffe nur noch mit reduzierter Ladung fahren können – wenn überhaupt. Und wer eine Flusskreuzfahrt gebucht hat, muss womöglich seine Urlaubspläne ändern.

Deutschlands großen Flüssen Rhein, Elbe und Donau fehlt Wasser, ebenso wie vielen anderen Wasserläufen. Und noch immer erreichen die Wasserspiegel immer neue Tiefststände. Das trifft jetzt den Kühlwasserbedarf der verbliebenen thermischen Kraftwerke ebenso wie die Wasserkraftwerke, die bislang erneuerbare Energie erzeugen konnten, auch wenn die Sonne nicht schien und kein Wind wehte.

Wie ist die aktuelle Lage?

Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) führen deutsche Flüsse derzeit an vielen Stellen Niedrigwasser. Regenschauer lassen die Wasserstände nur kurz steigen. Insgesamt überwiege die weiterhin sinkende Tendenz, heißt es in einem Bericht. Laut dem Informationssystem Niwis wiesen viele Messstellen im Rhein, in der Elbe und der Donau niedrige Wasserstände aus.

Das Niedrigwasser im Rhein sorgt nach den Preisschüben aufgrund der Angriffe der USA und ihrer Verbündeten im Nahen Osten jetzt dafür, dass die Spritpreise in Teilen Deutschlands wieder deutlich steigen.

Wie Händler der Nachrichtenagentur Reuters berichteten, kostet der Transport per Tanker und Binnenschiff von Rotterdam nach Karlsruhe inzwischen rund 150 bis 160 Euro pro Tonne – Ende Juni waren es noch etwa 45 Euro. Dass sich diese Kostenerhöhungen dann an der Zapfsäule auswirken, kann auch das Bundeskartellamt nur konstatieren, aber nicht verhindern.

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ZDFheute meldete am 04.08.2026:

„Die kritische Lage lässt sich auch am Pegelstand der wichtigen Engstelle Kaub nahe der Loreley in Rheinland-Pfalz ablesen: Am Dienstag wurden dort nur noch 24 Zentimeter gemessen. Damit wurde das historische Tief für einen einzelnen Messwert von Oktober 2018 eingestellt, das für den Tagesschnitt liegt bei 25 Zentimetern. Laut Prognosen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes könnte der Pegel bis Samstag sogar auf 17 Zentimeter fallen.

Der tatsächliche Rhein ist an dieser Stelle zwar noch gut einen Meter tiefer, doch der Kaub-Pegel gilt als zentraler Referenzwert für die gesamte Branche.“

Bei Rhein-Pegelständen von 32 Zentimetern und weniger könnten etwa 95 Prozent der Tanker nicht mehr fahren und damit fällt die kostengünstigste Transportmöglichkeit nach den Pipelines für Vorprodukte und Kraftstoffe aus und es muss in den meisten Fällen auf den Transport per LKW ausgewichen werden.

Schweröllager laufen voll

Ein Transport mit der Bahn ist nur möglich, wenn einerseits die benötigten Kesselwagen aufgetrieben werden können und die Bahntrassen über die benötigten Kapazitäten verfügen.

Dort droht dann der nächste Engpass, weil es in Deutschland einen Mangel an Lkw-Fahrern gibt und der Mangel an Fahrern mit den für den Kraftstofftransport erforderlichen Zusatzqualifikationen kommt noch dazu. Wenn die Tank-LKW in der Zulieferung der Raffinerien eingesetzt werden müssen, fehlen sie dann bei der Versorgung der Tankstellen.

Der niedrige Wasserstand im Rhein sorgt inzwischen auch dafür, dass das Schweröl, das von den inländischen Raffinerien in Richtung Nordsee abtransportiert werden muss, nicht mehr transportiert werden kann und die Lager volllaufen. Wenn dann die Raffinerien ihre Produktion drosseln oder stoppen müssten, käme von dort auch weniger Benzin und Diesel.

Auf der Mosel scheint die Schiffsfracht derzeit noch nicht eingeschränkt zu sein. Der Transport über die Mosel wird jedoch durch den niedrigen Wasserstand auf dem Rhein deutlich eingeschränkt, was in Luxemburg zu einer Kraftstoffversorgungskrise führt.

Kraftwerke unter Druck

Die Laufwasserkraftwerke am Rhein spüren das Niedrigwasser durch eine geringere Stromerzeugung und reduzierte Durchflussmengen und Einschränkungen bei der Kühlwasserversorgung. Die wichtigsten Faktoren sind sinkende Abflussmengen, verminderte Fallhöhen und ökologische Vorgaben Rheinwasserkraft.

Unter Druck geraten jetzt auch thermische Kraftwerke, die große Mengen Kühlwasser benötigen, weil sie im Schnitt nur rund 40 Prozent der eingesetzten Energie in Strom umwandeln und die restliche Energie als ungenutzte Abwärme abgeführt werden muss.

Ob die derzeit temperaturbedingt schlechtere Kühlwasserversorgung die Nachfrage nach Gaskraftwerken bei der anstehenden Ausschreibung von Gaskraftwerken durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beeinflussen, ist bisher nicht absehbar.

Niedrigwasser in der Donau

Anhaltende Dürre lässt den Wasserstand der Donau auf ein historisches Tief sinken. Als Folge dieses Niedrigwassers droht Ungarn jetzt das Risiko, sein einziges Atomkraftwerk Paks abschalten zu müssen.

Es könnte das erste Mal seit 44 Jahren sein, dass das Kraftwerk vollständig vom Netz geht. Die Mehrkosten für den nötigen Stromimport schätzt die Regierung auf umgerechnet 315 bis 630 Millionen Dollar. In mehr als 100 Städten und Dörfern wird Wasser inzwischen rationiert.

Rumänien griff wegen des niedrigen Wasserstands der Donau zu einer Felssprengung im Fluss. Damit soll mehr Wasser zum AKW Cernavoda geleitet werden, so dass sein Betrieb aufrechterhalten werden kann. Durch die Sprengung könnte jedoch die Erosion an dieser Stelle begünstigt werden, was eine Absenkung des Wasserspiegels und nachfolgend auch des Grundwasserspiegels begünstigen dürfte.