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Noch genau einen Monat bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Mecklenburg-Vorpommern und Berlin folgen zwei Wochen später, am 20. September. Grund genug auch für deutsche Popmusiker, in aktuellen Interviews ihr Credo abzugeben.
Sebastian Krumbiegel etwa hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich einmischt. Der Sänger der Leipziger Band Die Prinzen engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, tritt bei Demonstrationen auf und meldet sich regelmäßig zu gesellschaftspolitischen Debatten zu Wort.
Jetzt plädiert der 60-Jährige für einen differenzierten Umgang mit AfD-Wählern – ohne dabei seine klare Haltung gegenüber menschenfeindlichen Positionen aufzuweichen.
Krumbiegels Haltung zu AfD-Wählern
„Ich bin weit davon entfernt, jeden, der AfD wählt, zu beschimpfen“, sagt Krumbiegel im Gespräch mit dem Magazin „Playboy“. Er könne nachvollziehen, dass sich viele Menschen in ländlichen Regionen abgehängt fühlten. Fehlende Infrastruktur, geschlossene Kneipen oder Clubs und der Eindruck, politisch nicht mehr vorzukommen, seien reale Probleme.
Das sei zwar „natürlich kein Grund, rechtsaußen zu wählen“, dennoch müsse man verstehen, „warum Menschen das tun. Das sind ja trotz allem keine Zombies.“
Dialog statt Verteufelung
Im Fachblatt „Politik & Kultur“ des Deutschen Kulturrats hatte Krumbiegel diesen Gedanken bereits zuvor formuliert. Er würde durchaus vor AfD-Anhängern auftreten, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, allerdings nicht vor Funktionären der Partei. „Ich will Denkanstöße geben und nicht danebenstehen und nichts machen in diesen wirren Zeiten“, sagte er.
Wie er sich diesen Dialog vorstellt, zeigte sich bereits vor der Thüringer Landtagswahl 2024. Im Ort Themar engagierte sich Krumbiegel bei einem Festival im örtlichen Schützenhaus als Gegenentwurf zum dort etablierten Rechtsrock-Festival. Die Erfahrung habe ihn in seiner Überzeugung bestärkt, Menschen „nicht zu verteufeln“, sondern mit ihnen zu sprechen.
Warnung vor gesellschaftlicher Verschiebung
An seiner grundsätzlichen Haltung lässt Krumbiegel keinen Zweifel. „Wer rassistischen oder antisemitischen Unsinn erzählt, dem muss man sagen: Bis hierhin und nicht weiter.“
Bei seiner Rede zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora im April 2026 warnte er vor einer schleichenden Verschiebung des gesellschaftlichen Diskurses. „Mit Worten geht es los, die Worte finden in Talkshows statt und mittlerweile auch in Parlamenten. Nicht nur von ganz rechts, sondern teilweise eben auch von Konservativen.“ Der Übergang zwischen konservativen und reaktionären Positionen sei oft „sehr schmal“.
Er beobachtet einen weltweiten „Rückfall in nationalstaatliche und völkische Gedanken“, so der Ex-Eleve des Thomaner-Chors. Gleichzeitig müsse hinterfragt werden, „warum die Leute so dermassen am Rad drehen“.
Politik müsse den Menschen wieder konkrete Perspektiven bieten, statt öffentliche Infrastruktur und kulturelle Angebote immer weiter auszudünnen. Nur so lasse sich verhindern, dass Frust dauerhaft in Zustimmung für rechte Parteien umschlage – eine Position, die angesichts des mancherorts arg zementierten Weltbilds der AfD-Klientel recht optimistisch klingt.