Lockere Bebaueung im Vordergrund, riesige Rauchschwaden am Horizont

Brände bei Cap Ferret in Frankreich Ende Juli.

(Bild: ataurrahmanstudio, shutterstock)

Naturnahe Konzepte sollen Europas Wälder vor Feuern schützen. Experten betonen aber: Methoden wie gezieltes Brennen hängen stark vom Standort ab.

Alle Jahre wieder entsetzen Waldbrände Fachleute und Öffentlichkeit gleichermaßen. Und auch, wenn der Mensch Waldbrände mit Abstand die meisten Waldbrände selbst verursacht: Ganz vermeiden lassen sich die Feuer nicht.

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Und während in den betroffenen Regionen teils verbissen um eine adäquate Waldbrandbekämpfung gerungen wird, sind Rezepte zur Minderung der Schäden schon lange bekannt.

So fordert die Europäische Union einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Waldbränden. Statt nur Feuer zu bekämpfen, soll künftig ein integriertes Risikomanagement greifen, das Prävention, Vorbereitung, Reaktion und Wiederherstellung umfasst. Das geht aus einer Mitteilung der EU-Kommission vom März 2026 hervor.

Die EEA-Strategie: Ziegen, Schafe und Risikoanalysen

Und im Juni hat der EU-Ministerrat den Mitgliedstaaten geraten, nachhaltige Forstbewirtschaftung zu fördern, Risikoanalysen und Frühwarnsysteme zu verbessern und lokale Akteure stärker einzubinden. Zentral sei dafür eine verlässliche Langfristfinanzierung.

Konkreter sind die Empfehlungen der Europäische Umweltagentur (EEA). Sie veröffentlichte im Oktober 2025 einen Bericht über naturbasierte Lösungen für feuerresistente Wälder.

Darin werden Maßnahmen wie naturnahe Bewirtschaftung, Beweidung, Agroforst, Totholzmanagement und kontrolliertes Brennen gebündelt. Entscheidend seien standortangepasste Wiederbewaldung und diversifizierte Strukturen bei Baumarten, Altersklassen und Beständen, damit Feuer seltener in sehr zerstörerische Verläufe kippen.

Feldstudie auf Chios: Die Grenzen des kontrollierten Brennens

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Auch kontrolliertes Brennen gilt als wirksames Werkzeug gegen Waldbrände. Dabei wird Vegetation gezielt abgebrannt, um brennbares Material zu reduzieren und die Auswirkungen unkontrollierter Brände so zu minimieren.

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Eine Feldstudie auf der griechischen Insel Chios vom November 2025, zeigt, dass diese Methode das Waldbrandrisiko senken und häufig die Pflanzenvielfalt erhöhen kann. Die Forscher betonen allerdings, dass Bodenreaktionen stark standortabhängig sind. Sie plädieren deshalb für evidenzbasierte, flexible und lokal angepasste Anwendungen des kontrollierten Brennens.

Für die Biosphärenregion Gerês-Xurés in Spanien und Portugal zeigt eine fast zeitgleich veröffentlichte Studie ähnliche Ergebnisse. Dort kann kontrolliertes Feuer zusammen mit Agrar- und Agroforst-Mosaiken sowohl die Biodiversität als auch die Feuerresilienz der schützenswerten Wälder verbessern.

Gerade in Gebirgslandschaften, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden und daher homogener werden, ist Feuer demnach als effektives Restaurierungsinstrument relevant.

Mosaiklandschaften bremsen Feuer

Homogene, gleichförmige Wälder brennen leichter und großflächiger als vielfältige Landschaften. Das belegt eine spanische Studie, die ebenfalls im November 2025 erschien. Die großangelegte Untersuchung erfasste 225 Standorte innerhalb von 45 Brandgebieten, die zwischen 2002 und 2004 in Spanien entstanden sind.

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Die Autoren zeigen, dass vielfältigere Landschaften nach Feuer stabiler bleiben als homogene Landschaften. Das ist ein starkes Argument für mosaikartige Wald- und Landschaftsstrukturen statt großflächig gleichförmiger Bestände.

Eine Mischung aus Wald, Weideland und Agrarflächen bremst Feuer und stabilisiert die Landschaft. Auch die EU-Kommission nennt in ihrer Mitteilung aktive nachhaltige Landnutzung, Ökosystemrestauration und Mosaiklandschaften als zentrale Elemente der Prävention.

Mischung und Durchforstung im Wald

Aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung reduziert die Brandgefahr erheblich. Die EEA empfiehlt eine Mischung von Baumarten und Altersstrukturen sowie gezielte Durchforstung und Entastung, um brennbares Material zu verringern.

Eine portugiesische Fallstudie vom Sommer 2025 ist der Kombination von integriertem Feuermanagement mit naturnaher Waldbewirtschaftung in einem mediterranen Eichenwald gewidmet. Die praktischen Maßnahmen schließen Fernerkundungs-Monitoring, Brandschutzstreifen, selektive Durchforstung und Entastung, Beweidung sowie kontrolliertes Brennen ein.

Die Autoren sehen darin ein replizierbares Modell für vergleichbare Mittelmeerwälder. Auch die EU-Kommission erhebt die Forderung der Durchforstung, Entastung, Artenmischung, der Anlage von Brandschutzstreifen und extensive Beweidung als konkrete Maßnahmen für die Praxis.

Brandschutzstreifen und standortangepasste Wiederbewaldung

Beweidung durch Tiere ist ein weiterer Baustein naturbasierter Lösungen. Ziegen, Schafe oder Rinder fressen Unterholz und reduzieren so die Menge an brennbarem Material im Wald. Die EEA führt Beweidung als wichtige Maßnahme auf, ebenso die EU-Kommission.

Brandschutzstreifen und standortangepasste Wiederbewaldung ergänzen das Instrumentarium. Dabei geht es darum, Baumarten zu wählen, die für den jeweiligen Standort geeignet sind und mit den klimatischen Bedingungen zurechtkommen.

Das Finanzierungs-Dilemma: Wer bezahlt den EU-Waldumbau?

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und Silva Mediterranea betonen die besondere Verwundbarkeit mediterraner Wälder gegenüber Feuer und Degradation. Empfohlen werden mehr nachhaltige Bewirtschaftung, Landschaftsrestauration, regionale Koordination und eine aktive Rolle lokaler Gemeinschaften in Wald- und Feuermanagement.

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Der EU-Ministerrat rät den Mitgliedstaaten zu besseren Risikoanalysen und Frühwarnsystemen sowie die stärkere Einbindung lokaler Akteure.

Doch die Finanzierung bleibt die zentrale Herausforderung. Die EU-Minister betonen zwar die Notwendigkeit verlässlicher Langfristfinanzierung für die empfohlenen, oft aufwändigen Maßnahmen. Konkrete Informationen zu Kosten oder Finanzierungsmodellen legen sie allerdings nicht vor.