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Salzburg (Österreich) – Wer Philipp Hochmair (52) nach seiner Familienplanung fragt, bekommt eine Antwort, die keinen Zweifel zulässt. Der Schauspieler, der in diesem Sommer zum vierten Mal den „Jedermann“ in Salzburg spielt, hat sich längst entschieden – gegen die klassische Familie und für die Bühne. „Ich bin privat sehr glücklich, aber eine Familie mit Kindern war nie Thema für mich“, sagt Hochmair.

Für Hochmair hat das Theater eine Kraft, die das echte Leben ihm nicht bieten kann, wie er im BILD-Podcast „May Way“ verrät. Wer versucht, ihn in ein bürgerliches Leben zu drängen, hat bei ihm keine Chance: „Wenn man mich aus dieser Welt in die reale hinüberzerren möchte, beißt man bei mir auf Granit. Ich bin dafür einfach nicht geeignet.“ Stattdessen fand er seine Geborgenheit anderswo, in den entscheidenden Jahren, in denen andere Menschen Familien gründeten. „Am Burgtheater, am Hamburger Thalia Theater, in der Zusammenarbeit mit Autoren wie Peter Handke und Elfriede Jelinek fand ich Menschen, Energie und Inspiration“, sagt Hochmair. Seine wahre Heimat ist deshalb nicht Wien, sondern Hamburg: „In Hamburg habe ich mich erfunden.“

Philipp Hochmair voll in seinem Element: Auch dieses Jahr spielt er wieder die Hauptrolle im Salzburger „Jedermann“

Philipp Hochmair voll in seinem Element: Auch dieses Jahr spielt er wieder die Hauptrolle im Salzburger „Jedermann“

Foto: Agency People Image

Hochmair als SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (1904–1942) im hochgelobten Film „Die Wannseekonferenz“ (2022)

Hochmair als SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (1904–1942) im hochgelobten Film „Die Wannseekonferenz“ (2022)

Foto: ZDF und JULIA TERJUNG

Hochmair nahm Magic Mushrooms

Auf der Bühne verschmilzt Hochmair nicht nur mit seinen Rollen – er behauptet, dort erst ganz er selbst zu sein. „Ich würde vielleicht sogar sagen, das ist mein eigentliches Sein. Mir gibt die Zeit auf der Bühne unglaubliche Energien und Glücksgefühle. Nach einem gelungenen Theaterabend bin ich wie genesen“, sagt er. Selbst an schlechten Tagen wirkt die Bühne wie eine Medizin: „Keine Medizin der Welt kann mir geben, was dieser Endorphinrausch auf der Bühne herstellt.“

Diese Erkenntnis wurde durch eine ungewöhnliche Erfahrung noch verstärkt. Hochmair spricht offen über eine betreute Sitzung mit Magic Mushrooms, die er als therapeutisch beschreibt. „Das war keine Party-Geschichte. Es war eine geführte Erfahrung, mit Gesprächen vorher, einer Betreuung und einer Nacharbeitung. Diese Erfahrung war wie ein Door-Opener zu mir selbst. Ich verstand: Ich bin richtig auf der Bühne. Und im Leben auch“, erzählt er. Vorher habe er die Bühne „mit eingezogenem Schweif“ wahrgenommen – als notwendiges Übel neben dem „normalen“ Leben. Erst durch die Erfahrung habe sich das umgekehrt: „Ich bin ein Bühnenmensch und das andere ist zweitrangig, ich darf auf der Bühne so sein, wie ich bin, und da entfaltet sich mein Sein zu 100 Prozent.“

Hochmairs Bruder lebt das Leben, das er selbst ablehnt

Während Hochmair sich bewusst gegen Familie entschieden hat, führt sein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder genau das Leben, das er selbst nie wollte. „Er ist Lungenfacharzt und Vater von vier Kindern. Wir sind eng, obwohl unsere Leben wirklich krass unterschiedlich sind“, sagt Hochmair. Als Kind stand der Bruder „in meinem Windschatten“ – heute verbindet die beiden trotz der gegensätzlichen Lebensentwürfe eine enge Beziehung, auch wenn sie wenig gemeinsame Zeit verbringen, „weil unsere Leben so unterschiedlich sind“.

Enge Verbindung: Philipp Hochmair und sein jüngerer Bruder Max (r.)

Enge Verbindung: Philipp Hochmair und sein jüngerer Bruder Max (r.) als Kinder

Foto: Privat

Hochmairs Eltern mochten Kunst – aber nicht seine

Zu Hause wurde Kunst durchaus geschätzt, aber nur aus sicherer Distanz. Die Familie ging ins Theater und besuchte Ausstellungen, betrachtete Künstler jedoch „wie Bewohner eines fernen Planeten“, erinnert sich Hochmair. „Man hat Kunst mit Demut konsumiert, aber sich nicht in ein wahres Verhältnis dazu gesetzt. Das war ein anderer Planet.“ Erst als er selbst diesen „Planeten“ für sich eroberte, änderte sich etwas: „Plötzlich konnte ich sagen: Da bin ich zu Hause. Damit konnte ich mein Elternhaus aushebeln.“

Die Hochmair-Brüder mit ihrem Vater (heute 85) beim Baden

Die Hochmair-Brüder mit ihrem Vater (heute 84) beim Baden

Foto: Privat

Besonders sein Vater tat sich schwer mit der Kunstform, die sein Sohn wählte. Mit klassischer, klar zuordenbarer Kunst konnte der Vater etwas anfangen – „einen Pianisten im Frack, einen Sänger mit Schubert-Liedern, ein realistisches Landschaftsbild“. Mit Hochmairs „wilder, körperlicher, oft rockiger Performance-Kunst kann er wenig anfangen“, so der Schauspieler. Auf die Frage, ob die Eltern stolz gewesen seien, fällt sein Fazit ambivalent aus: „Meine Mutter schon, aber mein Vater hat das nie über die Lippen gebracht.“ Bis heute vermutet Hochmair dahinter Existenzangst: „Ich glaube, er hat bis heute Angst, dass ich von der Schauspielerei nicht leben kann. Für ihn ist das, was ich mache, kein solides Berufsfeld.“

Philipp Hochmair mit BILD-Show-Chefin Tanja May

Philipp Hochmair mit BILD-Show-Chefin Tanja May

Foto: Niels Starnick/BILD

Trotzdem trägt Hochmair seinem Vater das nicht nach. Die Distanz sieht er „mit Gelassenheit und Toleranz, und da gibt es keinen Konflikt“ – sein einziger Wunsch ist, dass die inzwischen 84 und 81 Jahre alten Eltern sein Leben „einfach auch mal mit Entspannung, mit Freude anschauen können, ohne Angst zu haben“.