Nach Streit mit Regierungschef
Armeniens Kirchenoberhaupt steht vor Gericht
Aktualisiert am 07.08.2026 – 18:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Karekin II. und Wladimir Putin (Archivbild): Der Katholikos aller Armenier gilt der Regierung in Eriwan als Moskau-nah. (Quelle: IMAGO/Briquet Nicolas/ABACA/imago)
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In Armenien steht Kirchenführer Karekin II. vor Gericht. Es geht um die Vorherrschaft weltlichen Rechts – und den Einfluss Moskaus in dem Land, das sich der EU annähert.
Das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche, Karekin II., hat sich am Freitag erstmals vor einem staatlichen Gericht verantworten müssen. Der Katholikos aller Armenier und sechs mitangeklagte Bischöfe und Erzbischöfe erschienen persönlich zum ersten Verhandlungstag. Verhandelt wird der Fall am erstinstanzlichen Gericht der Region Armawir in Vagharschapat, besser bekannt als Etschmiadsin – dort steht auch der Hauptsitz der Kirche. Die Staatsanwaltschaft wirft den Geistlichen vor, ein rechtskräftiges Urteil missachtet zu haben, wie armenische Medien und die Nachrichtenagentur dpa berichten.
Auslöser ist ein Streit innerhalb der Kirche. Die Kirchenleitung enthob den Bischof von Masis, Geworg Sarojan, seines Amtes, nachdem dieser Karekin II. zum Rücktritt aufgefordert hatte. Sarojan klagte dagegen und bekam im Januar vorläufig recht: Ein Gericht ordnete an, ihn bis zur endgültigen Entscheidung wieder einzusetzen. Karekin II. setzte sich darüber hinweg und entzog ihm zusätzlich die Priesterwürde.
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Weigert sich der Kirchenführer weiter, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft. Das Gericht nahm in geschlossener Sitzung die Personalien auf und beendete dann den Verhandlungstag, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der Fortgang des Prozesses ist vorerst ungewiss, weil der Richter sich für befangen erklärte.
Die Staatsmacht wolle die Freiheit der Kirche einschränken, beklagte Karekin vor zahlreichen Anhängern. „Mit Schmerz stellen wir fest, dass unsere heilige Kirche und die Geistlichkeit seitens des Staates mit Verfolgung überzogen werden“, sagte er. Er sprach von „illegalen und fabrizierten Anklagen“ gegen Kirchenvertreter und Gläubige.
Kirche spricht von politischer Verfolgung
Widerspruch kommt vom zweiten Oberhaupt der armenischen Kirche: Aram I., Katholikos des Großen Hauses von Kilikien, hatte Karekin II. geraten, nicht persönlich zu erscheinen, sondern einen Vertreter zu schicken. Anklage und Verfahren nannte er unannehmbar. „Unseren geistigen Bruder, seine Heiligkeit Karekin II., vor Gericht vorzuladen, ist unannehmbar“, erklärte er nach Angaben des Katholikosats von Kilikien.
Armenien erklärte im Jahr 301 als erstes Land das Christentum zur Staatsreligion. Mehr als 90 Prozent der Armenier gehören der Apostolischen Kirche an, ihr Einfluss auf Gesellschaft und Politik ist bis heute groß.
Der Prozess ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von Verfahren gegen Geistliche. Im Juni 2025 nahmen die Sicherheitsbehörden Erzbischof Bagrat Galstanjan fest, dem sie die Vorbereitung eines Staatsstreichs vorwerfen. Kurz darauf verhafteten sie Erzbischof Mikael Ajapahjan, weil er zu einem Militärputsch aufgerufen haben soll. Die Kirchenleitung sprach von politischer Verfolgung.
