Den Minicomputer im Anschlag, ein Lächeln im Gesicht: So bitten wieder junge Menschen in der Grazer Innenstadt um ein kurzes Gespräch – um Spendenabos abzuschließen. Was Kunden dazu wissen müssen.
Freitag, kurz nach elf Uhr in der Grazer Herrengasse: Unter all den kurzen Hosen und Sommerkleidern fallen jene grünen Leiberln auf, deren Träger im Abstand von rund 20 Metern positioniert sind. Kommt man näher hin, erkennt man den Schriftzug „Greenpeace“ auf den T-Shirts – und das Ansinnen dahinter: Die jungen Damen und Herren versuchen, Spender mit Lust auf ein „Dauerabo“ zu finden.
Solche Spendenwerber, von manchen auch „Keiler“ tituliert, gehören längst zu einem Grazer Sommer dazu. „Der Herr/Die Dame hat sicher kurz Zeit“, rufen sie einem mit ausgebreiteten Armen entgegen – wohl wissend, dass viele Passanten ihnen wie Slalomstangen ausweichen.
„Im besten Fall langfristige Spender“
„Um unsere Projekte langfristig planen und auch finanzieren zu können, benötigen wir regelmäßige Unterstützer. Nur durch den direkten Kontakt auf der Straße oder an der Haustür haben wir die Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, sie über unsere Arbeit zu informieren und sie im besten Fall als langfristige Spender zu gewinnen“, erklärte vor Jahren Thomas Stollenwerk von „Care“ – und dass die bekannte Hilfsorganisation „rund ein Drittel unseres Fundraisings“ über solche Aktionen lukriere.
© SariaAuch im Namen von „Care“ versuchen junge Leute ihr Glück
Beschwerden würden nur selten vorkommen, meinte Stollenwerk. „Die geringe Anzahl von Beschwerden nehmen wir sehr ernst und gehen jeder einzelnen nach. Wir leiten diese umgehend an unsere Agenturen weiter, die diese in den Teams bearbeiten.“ Laut Stollenwerk arbeite man mit diesen Agenturen „auf Vertragsbasis zusammen, die auch die Werberinnen und Werber beschäftigen“.
„Daueraufträge sind unser Ziel“
Auch Emanuel Freilinger von „Pro Juventute“ betonte, dass diese Form der Spendenwerbung „ein ganz wichtiges Standbein ist. Es ist ja kein Geheimnis, dass Daueraufträge unser Ziel sind.“ Dafür arbeite man mit Agenturen zusammen, welche wiederum „speziell geschulte Mitarbeiter, vorwiegend Studenten“ einsetzen. „Und die Werte von Pro Juventute vermitteln.“
Rücktrittsrecht
Bettina Schrittwieser, Konsumentenschützerin bei der Arbeiterkammer, wiederum verwies gegenüber der Kleinen Zeitung auf das Rücktrittsrecht: „Bei derartigen ‚Auswärtsgeschäften‘ habe ich die Möglichkeit, binnen 14 Tagen vom Vertrag zurückzutreten. Außerdem muss mich der Spendenwerber auf dieses Rücktrittsrecht aufmerksam machen. Erfolgt dies nicht, habe ich längstens 12 Monate Zeit, um den Vertrag aufzulösen.“
