Die Kages will ihren eigenen Flächenverbrauch einfrieren. Opfer dieser Strategie ist das geplante Kinderzentrum, der Neubau von Kinderklinik und -chirurgie wird nicht kommen.
10.700 Quadratmeter. Das war der Zuwachs an Nettogeschoßfläche über alle 20 Häuser der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (Kages) gerechnet. Und zwar jedes Jahr während der letzten 20 Jahre. Oder anders gesagt: Jedes Jahr ist die Fläche des LKH Weiz hinzugekommen. In Summe hält man aktuell bei rund einer Million Quadratmetern. „Wir hatten vor 20, 30 Jahren andere Rahmenbedingungen“, sagt Ulf Drabek, Vorstand für Finanzen und Technik in der Kages. „Es gab andere finanzielle Möglichkeiten, keine Personalengpässe, auch die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz waren nicht so präsent.“ Einerseits verursacht jeder Quadratmeter Kosten für Bespielung sowie Instandhaltung, andererseits verbraucht er Ressourcen. Der Betrieb sämtlicher Kages-Gebäude verursacht jährlich rund 23.000 Tonnen CO₂. Aus diesen Gründen hat man es sich in der Kages zum Ziel gesetzt, die Flächen ab 2030 nicht über die eine Million Quadratmeter zu erweitern. „Bevor wir sagen, es gibt zu wenig Geld im System, müssen wir versuchen, unsere bestehenden Strukturen besser zu nutzen“, so Drabek.
Benötigt man einen Zu- oder Neubau, dann „müssen diese Flächen an anderer Stelle in unserem Bereich eingespart werden“, sagt Drabek. Das Auskommen mit begrenzten Flächen soll über unterschiedliche Maßnahmen gelingen. Ein Ansatz ist, bestehende Strukturen besser zu nutzen. „Unsere Ambulanzen werden in der Regel zwischen acht und vierzehn Uhr bespielt. Diese Zeiten werden wir Schritt für Schritt erweitern.“ Das Personal müsse nicht mehr arbeiten, sondern in anderen Dienstzeitmodellen. Ähnliches gelte auch für OP-Säle. An der Universitätsklinik für Urologie ist demnach 2024 die OP-Planung neu gestaltet. In den elf Monaten nach der Umstellung konnten 15 Prozent mehr Operationen durchgeführt werden als in den elf Monaten davor. Ein weiterer Faktor: Durch medizinischen Fortschritt werden zunehmend minimalinvasive Eingriffe möglich. Dadurch würden einerseits Heilungsverläufe beschleunigt werden bzw. andererseits sei ein stationärer Aufenthalt dadurch oft nicht mehr notwendig.
© Kages/C. JungwirthUlf Drabek ist im Kages-Vorstand für Finanzen und Technik zuständig
Ein anderes Beispiel ist die noch dezentral organisierte Laborlandschaft am LKH-Uniklinikum Graz. Aktuell gibt es zehn Labore, die an physisch unterschiedlichen Orten angesiedelt sind. Für die Zentralisierung der Labore an einem Standort war ein Neubau angedacht. „Wir werden aber nun ein anderes bestehendes Gebäude nutzen“, sagt Drabek. Dort stünden Nutzflächen von 4.500 Quadratmetern zur Verfügung, „für das Labor benötigen wir 1900 Quadratmeter. Sollte sich herausstellen, dass wir mehr Fläche benötigen, haben wir in diesem Gebäude also noch Kapazitäten“, sagt Drabek.
Neubau des Kinderzentrums wird zur Sanierung
Was bedeutet aber diese neue Flächennutzungsstrategie für künftige Neubauten? Seit Jahren emotional diskutiert wird der Neubau des Kinderzentrums, das Kinderklinik und Kinderchirurgie unter einem Dach vereinen soll. Mit 65.000 Quadratmetern sowie 450 Millionen Euro war dieser geplant, es gibt eine 2024 unterzeichnete Absichtserklärung zur gemeinsamen Finanzierung zwischen Land und Bund. Auch entsprechende Flächen wurden für den Neubau 2025 im Grazer Gemeinderat schon umgewidmet. Doch der Neubau scheint nun ad acta gelegt. „Ja, die ursprüngliche Annahme war so, das Kinderzentrum neu zu errichten. Aber die Rahmenbedingungen haben sich geändert“, erklärt Drabek. „Der Regionale Strukturplan 2030 sieht weniger Betten vor, die Geburten gehen zurück und man muss auch die finanziellen Rahmenbedingungen von Land und Bund berücksichtigen.“
© KLZ/J. FuchsZwischen Kinderklinik und -chirurgie, dort wo aktuell die Portalambulanz errichtet ist, soll ein neuer Zubau entstehen.
Klinik-Leiter Ernst Eber betonte im Gespräch mit der Kleinen Zeitung schon mehrmals die Notwendigkeit eines Neubaus: „Schon vor 25 Jahren hieß es, dass dieses Gebäude nicht noch einmal sanierbar ist.“ Dennoch wird der Gebäudekomplex nun wohl ein weiteres Mal saniert. Aktuell betrifft das etwa die Operationssäle der Kinderchirurgie. Diese Arbeiten sollen im Dezember 2026 abgeschlossen sein. Auch einen neuen, 8500 Quadratmeter großen Zubau soll es geben, an jener Stelle, an der aktuell in Containern die Portalambulanz untergebracht ist. In Summe soll das Kinderzentrum schließlich über knapp 50.000 Quadratmeter verfügen.
Sanierbar wird übrigens auch das LKH Rottenmann sein, das ja in der Leitspitaldiskussion als Plan B nun ausgebaut werden soll. Ein externer Gutachter ist beauftragt worden, den Zustand des Gebäudes zu bewerten. „Der Zwischenbericht sagt, es ist entsprechend dem Alter in einem funktionsfähigen Zustand für die Patientenversorgung“, sagt Drabek. Im Laufe des Herbstes soll der endgültige Sanierungsbedarf feststehen.

