Kompakt, clever und mit ordentlich KI-Power: Google krempelt sein Smart-Home-Portfolio um und schickt mit dem neuen Google Home Speaker den lang ersehnten Nachfolger für Nest Mini und Nest Audio ins Rennen. Wie sich der Lautsprecher im Alltag schlägt, wo die Stärken beim Sound liegen und ob sich der Umstieg lohnt, zeigt unser Test.

Mit dem neuen Google Home Speaker vollzieht Google den lang ersehnten Generationenwechsel in seinem Smart-Home-Sortiment. Das Gerät löst die in die Jahre gekommenen Modelle Nest Mini und Nest Audio ab und versammelt Googles KI-Zukunft in einem komplett neu gestalteten Gehäuse. Anstelle des flachen Kissen-Designs der vorherigen Generationen setzt der neue Speaker auf eine leicht abgerundete, zylinderförmige Form mit einem Stoffüberzug.

Ein dezenter Lichtring an der Unterseite ersetzt die alten Oberflächen-LEDs und signalisiert durch sanftes Pulsieren, wenn das Gerät Sprachbefehle verarbeitet. Auf der Rückseite sitzt ein physischer Kippschalter, mit dem sich die Mikrofone hardwareseitig vollständig stummschalten lassen.

Ärgerlich im Alltag: Google verzichtet auf einen modernen USB-C-Anschluss und verbaut stattdessen ein fest integriertes Stromkabel. Das ist ein klarer Minuspunkt, da es bei einem Kabeldefekt die Reparatur unnötig erschwert und der Speaker sich nicht mal eben schnell abstecken lässt – etwa wenn man an der Stelle Staub wischen oder den Raum umräumen möchte. Das Setup über die Google Home App ist dafür in wenigen Minuten problemlos erledigt und führt gewohnt intuitiv durch die ersten Schritte.

Klanglich schlägt sich der kompakte Lautsprecher im Test gut. Ein neu entwickelter 58-Millimeter-Treiber sorgt für eine gleichmäßige 360-Grad-Schallabstrahlung und liefert im Vergleich zum alten Nest Mini rund das Zweieinhalbfache an Bassfundament. Damit klingt der neue Speaker spürbar dynamischer und vollmundiger als sein kleiner Vorgänger. In ersten Praxistests setzt er sich bei Raumfülle und Lautstärke auch klar gegen direkte Konkurrenten wie den Apple Home-Pod mini durch.

An das Klangvolumen des deutlich größeren, mittlerweile sechs Jahre alten Nest Audio reicht der neue Kompakt-Speaker allerdings nicht ganz heran: Für besseren Raumklang und eine saubere Hochton-Differenzierung bei komplexer Musik fehlt schlicht das Gehäusevolumen des früheren Modells.

Das wichtigste Upgrade findet jedoch im Inneren statt. Google hat das Gerät mit einer eigenen NPU (Neural Processing Unit) ausgestattet, die die Sprachverarbeitung über das KI-Modell Gemini direkt lokal auf dem Gerät ermöglicht. Dadurch versteht der Speaker auch unpräzise Formulierungen, Satzkorrekturen mitten im Sprechen oder verschachtelte Anweisungen.

Zudem sorgt die lokale Verarbeitung über die integrierten Standards Matter und Thread für kurze Reaktionszeiten bei der Steuerung von Lampen oder Thermostaten. Der kleine Home Speaker kann nun aber auch als vollwertiger Thread-Border-Router für Matter-Gerätschaften eingesetzt werden, was die Einbindung moderner Smart-Home-Komponenten spürbar vereinfacht. Wer möchte, kann zudem zwei Lautsprecher schnurlos als Stereo-Set koppeln – was derzeit allerdings nur in Verbindung mit einem Google TV Streamer funktioniert. Schade eigentlich.

Für einen Preis von 119,99 Euro ist der Google Home Speaker ein gelungenes Upgrade für das Android- und Pixel-Ökosystem. Grundlegende Aufgaben wie Musikwiedergabe, Timer und die Standard-Lichtsteuerung stehen dauerhaft kostenlos zur Verfügung. Lediglich für erweiterte Funktionen – wie stufenlose, freie Gemini-Live-Gespräche oder die KI-Auswertung von Nest-Kamerabildern – wird das kostenpflichtige Google Home Premium-Abo fällig. Wer jedoch einen kompakten, intelligenten Lautsprecher für Küche, Wohn- oder Schlafzimmer sucht, erhält hier ein gutes Gesamtpaket.

Ein Nebeneffekt der neuen KI-Strategie: Wer noch den mittlerweile knapp sieben Jahre alten Nest Mini im Einsatz hat und auf besseren Klang verzichten kann, muss nicht zwingend sofort aufrüsten, da Google viele Gemini-Funktionen per Update nachgereicht hat. Auch wer bereits einen Nest Audio besitzt, kann beruhigt auf das neue Modell verzichten: Der ältere Lautsprecher bietet nicht nur den besseren Sound, sondern beherrscht per Software-Update praktisch den gleichen Funktionsumfang – mit der Ausnahme der exklusiven Stereo-Kopplung an den Google TV Streamer.

Einen Dämpfer gibt es schließlich bei einem Design-Detail: Während der Speaker in den USA in vier Farben (Porcelain, Hazel, Berry und Jade) angeboten wird, müssen Käufer im Rest der Welt – und somit auch in Deutschland – mit den beiden langweiligen Varianten Hazel (schwarz-grau) und Porcelain (weiß) vorliebnehmen.