Irina Brooks‘ Deutung von Donizettis Opera buffa funktioniert noch immer. Aber sie hätte sich diesmal eine bessere musikalische Umsetzung verdient.

Im Jahr 2015 war diese Produktion von Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ erstmals in der Wiener Staatsoper zu sehen. Seitdem stand sie sechsundfünfzig Mal auf dem Programm. Ein positiver Gradmesser für beides: das Werk wie seine szenische Gestaltung.

Dabei ist Irina Brooks Inszenierung alles andere als konventionell: Sie hat das Geschehen in die 1970er-Jahre verlegt, lässt die Handlung in einem heruntergekommenen Nachtclub ablaufen. Das hat an Aktualität bis heute nichts verloren. Ob die Regisseurin angesichts der jüngsten Aufführung allerdings ihre Idee, dieses Dramma buffo sollte man besser „Norina“ nennen, aufrechterhalten würde?

Vielleicht, wenn die ursprünglich dafür angesetzte Pretty Yende als Norina aufgetreten wäre. Sie musste absagen. Die für sie eingesprungene Nina Minasyan warf sich zwar engagiert in diese (für sie nicht neue) Herausforderung. Aber in dieser Rolle steckt mehr an Raffinesse, als sie es mit ihrer stimmlich uneinheitlichen Darstellung vermitteln konnte.

Da zeigte sich der spielfreudige Nicolai Alaimo als letztlich tragischer Titelheld seiner Aufgabe ungleich mehr gewachsen – auch wenn er mit weniger Poltern dieselbe Wirkung erzielt hätte. Möglicherweise noch mehr, denn auch im Mosaik dieses schrulligen Junggesellen finden sich zahlreiche Zwischentöne. Man muss nur in Donizettis Partitur genauer hineinhören.

Ein von seiner Kunst überzeugter alternativer Wunderheiler? So wollte Brook den erfolgreich seine Intrige spinnenden Malatesta verstanden wissen. An Selbstbewusstsein ließ es Stefan Astakhov nicht fehlen, aber auch nicht an allzu heftiger Dynamik. Von der Premierenbesetzung, Alessio Arduini, war er um einiges entfernt. Auch Dmitry Korchak versuchte als Ernesto, fehlenden Höhenglanz durch Outrage und unpassende Lautstärke zu übertünchen. Ernestos Jugend allein ist es gewiss nicht, weshalb sich die emanzipierte Norina zu Ernesto hingezogen fühlt. Mit einem so uncharmanten Egomanen, wie er diesmal auf der Bühne stand, hätte sie gewiss ihr Leben nicht verbringen wollen.

Untadelig Marcus Pelz in der Episodenrolle des Notars. So diskret, wie ihn Eduard Wesener mimte, wünscht man sich einen Butler. Ob am Ende die Kammerfrau (Waltraud Barton) anstelle von Norina für den Schwerenöter Don Pasquale herhalten wird müssen? Aus der Schlussszene könnte man solches herauslesen.

Gewiss, es war eine Repertoirevorstellung. Das darf aber ein so oberflächliches, an äußerlichem Effekt orientiertes Dirigat nicht entschuldigen, wie es Francesco Ivan Ciampa, einst Assistent von Antonio Pappano, vorlegte. Verständlich, dass das Orchester seine Möglichkeiten nicht vollends ausschöpfte. Und auch die Choristen zeigten weniger, als sie draufhaben. Zudem klappte es mit der Koordination von Bühne und Orchestergraben nicht immer präzise.

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