Frauen mit schweren Autoimmunerkrankungen stehen bei Kinderwunsch häufig vor besonderen Herausforderungen. Krankheitsaktivität und notwendige immunsuppressive Therapien können sowohl die Fertilität als auch den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen. Ob Schwangerschaften nach einer CD19-gerichteten CAR-T-Zelltherapie sicher verlaufen, war bislang kaum untersucht.
Fallserie zu Schwangerschaften nach CAR-T-Zelltherapie
Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Georg Schett vom Universitätsklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersuchte erstmals systematisch Schwangerschaften bei Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen nach CAR-T-Zelltherapie. Im New England Journal of Medicine wurden Daten zu 14 Schwangerschaften bei 13 Frauen veröffentlicht.
Die meisten Patientinnen litten an systemischem Lupus erythematodes, weitere Diagnosen waren unter anderem systemische Sklerose, Antiphospholipid-Syndrom und idiopathische inflammatorische Myositis. Alle Schwangerschaften entstanden spontan. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren acht Kinder geboren, fünf Schwangerschaften bestanden fort und eine Schwangerschaft wurde aus persönlichen Gründen beendet.
Keine Krankheitsreaktivierung während der Schwangerschaft
Während keiner der dokumentierten Schwangerschaften kam es zu einem Wiederauftreten der Autoimmunerkrankung. Die meisten Patientinnen benötigten weiterhin keine immunsuppressive Therapie. Die Autoren beschreiben die Schwangerschaftsverläufe insgesamt als unkompliziert. Unter den acht bereits geborenen Kindern wurden überwiegend termingerechte Geburten mit unauffälligen neonatalen Parametern berichtet.
Unauffällige immunologische Entwicklung der Neugeborenen
Bei keinem der untersuchten Neugeborenen konnten CAR-T-Zellen nachgewiesen werden. Die analysierten B-Zell-Populationen und Immunglobulinspiegel entsprachen nach Angaben der Autoren dem physiologischen Muster gesunder Neugeborener. Hinweise auf relevante Infektionen oder Entwicklungsauffälligkeiten wurden bislang nicht beobachtet.
Begrenzte Datenlage erfordert weitere Untersuchungen
Die Ergebnisse beruhen auf einer kleinen Fallserie ohne Kontrollgruppe. Zudem lagen für mehrere Schwangerschaften noch keine Geburtsdaten vor und die Nachbeobachtungszeiten der Kinder waren begrenzt. Die Autoren sehen daher Bedarf für Registerdaten und weitere Untersuchungen zu Fertilität und Langzeitverläufen nach CAR-T-Zelltherapie.
Die Arbeit wurde im Deutschen Zentrum Immuntherapie (DZI) des Uniklinikums Erlangen in Kooperation mit Zentren in Berlin, Paris, Bern, Leuven und New York durchgeführt und durch den Sonderforschungsbereich 1755 CASCAID unterstützt.