Das rumänische Atomkraftwerk Cernavoda wird in den nächsten zwei Tagen aufgrund des gesunkenen Wasserstands und Durchflusses der Donau die Abschaltprozedur einleiten. Die Abschaltung könnte mindestens zwei Wochen dauern, sagte am Dienstag der stellvertretende Generaldirektor der rumänischen Wasserbehörde Sorin Rândažu laut der Nachrichtenagentur Agerpres. Er bezeichnete die Abschaltung als „unausweichlich“, auch neue Donau-Ausbaggerungen würden daran nichts mehr ändern.
„Der Wasserstand in der Region ist deutlich gesunken, in den vergangenen Stunden um weitere sechs Zentimeter“, wurde Rândažu zitiert. „Es gibt keinen Zufluss flussaufwärts“, verwies er auf den niedrigsten Durchflusswert, den er jemals erlebt habe, von lediglich 1370 Kubikmeter pro Sekunde am Dienstag. „Das bedeutet, dass das Atomkraftwerk in den nächsten zwei Tagen die Abschaltprozedur einleiten wird“, sagte Rândažu laut Agerpres gegenüber dem privaten Fernsehsender Digi24. Angesichts der prognostizierten Wasserstände und Abflüsse sehe er derzeit keine Möglichkeit, noch etwas zu tun.
Auch Ausbaggerungen und sogar die Sprengung eines Felsens zuletzt haben den Betrieb aus aktueller Sicht also nicht gerettet. Einer der zwei Reaktoren in Cernavoda war wegen der Dürre bereits heruntergefahren worden. Da auch weniger Wasserkraft erzeugt wird, herrscht in Rumänien eine Energiekrise.
Ungarn entkam zuletzt bei seinem Atomkraftwerk Paks noch der Abschaltung. Angesichts der Wetterprognosen für die kommenden Tage könnte es aber auch dort wieder zu Problemen kommen.
Mit ganz anderen Schwierigkeiten hat ein französisches Kernkraftwerk zu kämpfen. Das Resultat ist allerdings dasselbe: Massenhaft Quallen haben den Betrieb des AKW Gravelines im Norden Frankreichs durcheinander geworfen. Drei Reaktoren wurden wegen der Tiere komplett heruntergefahren, ein weiterer arbeitet nur teilweise, teilte der französische Betreiber EDF mit. Weil von den sechs Meilern noch einer in Wartung ist, läuft derzeit nur noch einer der Reaktoren wie vorgesehen.
Schon im vergangenen Jahr hatte der Atom-Standort Probleme mit den Quallen. Damals waren sie reihenweise im Filtersystem der Wasserpumpstationen gelandet. (TT, APA)