Bei ihrem Wiener Debüt in der Titelrolle von Puccinis Oper berührte Ermonela Jaho mit ihrem Spiel, enttäuschte aber stimmlich. Viel erfreulicher: Stephanie Maitland als Suzuki und Saimir Pirgu als Pinkerton.
Es war die eindringlichste Szene des Abends: die zarte, kleine Puppe, die Butterflys Sohn verkörpert, neigt – durch Puppenspielerhand geführt – den Kopf, um seine Mutter zu trösten. Da entsteht eine so zerbrechliche Atmosphäre, dass es einem den Hals zuschnürt. Die Inszenierung Anthony Minghellas, die am Samstag zum 19. Mal an der Wiener Staatsoper zu sehen war, gefiel mit ihrer ausgefeilten Ästhetik. Es machte Eindruck, wie in einem riesigen Spiegel, der über den Köpfen der Darstellenden schwebt, die bunten Kostüme, ein sich drehender Sonnenschirm und dunkel gewandete Tänzer mit hellen, elegant platzierten Lampions quasi gedoppelt werden. Und die fragilen Puppen, die für Butterfly und ihren Sohn stehen, entfalteten eine starke Wirkung.
Das kann man von einigen gesanglichen Leistungen des Abends nicht behaupten. Enttäuschend vor allem Ermonela Jaho als Cio-Cio-San. Zwar merkte man ihrer Darstellung an, dass sie diese Partie schon oft interpretiert hat, beispielsweise in Aix-en-Provence, in Madrid und am Royal Opera House in London. Auch an der Metropolitan Opera New York und den Opernhäusern von Paris und Berlin war sie damit engagiert. Intensiv ließ sie vor allem den Schmerz und die Leere nachempfinden, die ihre Figur verspürt.
Doch blieb stimmlich – trotz des umsichtigen Dirigats von Marco Armiliato – vieles blass und zu wenig intensiv. Manches war sogar fast nicht hörbar, gerade in der Mittellage. Das kann natürlich auch ein Gestaltungselement sein, gerade bei dieser Figur, dafür war es aber zu oft der Fall. Besser schlug sich der albanische Tenor Saimir Pirgu als Pinkerton, der sich vor allem im ersten Akt souverän präsentierte und den Marineleutnant mit Ausstrahlung und angenehmem Timbre ausstattete.
Die überzeugendste Interpretation des Abends lieferte aber Stephanie Maitland als Suzuki mit durchdringender Stimme und nahegehendem Mitgefühl für Butterfly. Gut auch das Debüt von Attila Mokus als Sharpless, der die Zerrissenheit seiner Figur in den Vordergrund stellte. Als Fürst Yamadori bedrängte erstmals Andrei Maksimov die Butterfly, er war darstellerisch wie stimmlich sehr präsent. In Erinnerung bleibt dennoch vor allem der Schauwert der Inszenierung, die elegant mit fernöstlichem Flair spielt.
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