Pure Natur findet sich auf den Gemälden der Pirmasenser Künstlerin Irmgard Weber, die ab 16. August in Vinningen ausstellt.

Viele Künstler dürften von einem Atelier träumen, wie es Weber nutzen kann. In einer früheren Schuhfabrik am Pirmasenser Stadtrand gelegen, kann die Künstlerin so richtig groß arbeiten. Ein riesiger Tisch voller Farben steht neben der Wand, an der in der Regel die Leinwände hängen, die von ihr in Arbeit genommen wurden. Auf dem Tisch liegt eine metergroße Malpalette, auf der Irmgard Weber ihre Farben mischt. Wenn sie nicht malt, wird die angemischte Farbe mit Frischhaltefolie abgedeckt, damit sie nicht eintrocknet.

Die Lage des Ateliers am Stadtrand ist perfekt für die aus dem Trierer Raum stammende Künstlerin, die so nur wenige Meter zu laufen braucht, um im Pfälzerwald zu stehen und rein theoretisch tagelang weiterlaufen könnte, ohne ein Dorf zu betreten. Die Natur ist das wesentliche Motiv ihrer expressiven Malerei. „Es ist immer Pflanzliches darin. Ich übersetze, was ich gespeichert habe, das fließt in die Bilder ein“, erzählt Irmgard Weber, die konzeptuelles Arbeiten nicht so mag und lieber drauflos pinselt.

Große Formate

Deshalb malt sie am liebsten im großen Format. Für Vinningen habe sie ein drei mal zwei Meter großes Gemälde geschaffen, das im Altarraum hängen soll. „Voll mit allen Höhen und Tiefen in eine große Leinwand zu gehen, das gefällt mir“, erzählt sie und wird dabei enthusiastisch. Das Risiko eine große und auch teure Leinwand vielleicht zu ruinieren, reize sie. „Das ist wie ein Feld umpflügen“, sagt sie.

Die Malerei hat für Weber immer auch etwas Körperliches. Sie arbeitet mit dem ganzen Körper, nutzt richtig dicke Pinsel, manchmal auch die Malspachtel. „Und dann renne ich immer ganz nach hinten, wenn ich einen Strich gemacht habe“, schildert sie den Malakt in ihrem Atelier. „Ganz nach hinten“, heißt in ihrem Atelier ungefähr zwölf Meter. Den Abstand brauche sie, um sicher zu sein, dass der Strich auch wirklich passt.

Gitarre, Trommel, Trimmrad

Die frühere Fabrikhalle erlaubt solch eine Art von Malerei, obwohl der langgezogene Raum voller Leinwände, Tische, einem Sofa und einem Trimmrad steht. Dazu kommen noch Trommeln und die Gitarre. „Manchmal trommle ich zwischendurch oder spiele Gitarre“, verrät sie. Ein Holzofen an der Wand sorgt für die Wärme im Winter. Beim Pressebesuch waren es draußen 38 Grad Celsius. Im Atelier Webers blieb es ohne Klimaanlage angenehm kühl.

Neben dem großen Gemälde für den Altarraum habe sie für Vinningen noch eine Serie mittelformatiger Bilder geschaffen, die im Format 80 mal 80 Zentimeter geradezu klein für Weber sind. „Das sind erinnerte Landschaften und Geschichten“, erzählt sie und holt die Leinwände aus einem Stapel hervor. Die Dominanz der Farbe Grün in anderen Gemälden Webers ist hier aufgebrochen. Es drängt sich mehr Blau auf das Bild und wird ergänzt durch Akzente in Lila. Auf der ein oder anderen Leinwand tauchen auch Menschengestalten auf, aber nur angedeutet.

Die Aura der Kirche

Die Pflanzenwelt dominiert weiterhin. Lianen schlängeln sich über das Bild, riesige Blätter wachsen aus einer Ecke und in einer anderen Ecke sind Früchte erahnbar. Es wuchert immer auf einer Leinwand Webers und das in den leuchtendsten Farben. Sie verwendet ausschließlich Acrylfarben.

Die letzten Vorbereitungen für die Vinninger Ausstellung laufen. In der Alten Kirche habe sie der Raum gereizt. Ihr Mann, Matthias Strugalla, hat in diesem Jahr schon dort ausgestellt. Der frühere Kirchenraum habe eine Aura, die es Weber angetan hat. Und dann wäre da noch die Anfahrt über die Hügel der Hackmesserseite. „Ich mag den Weg nach Vinningen mit den Feldern und Wäldern“, verrät sie. Ein Panorama wie aus einem ihrer Bilder, wobei in den Arbeiten für Vinningen das Dickicht das bevorzugte Sujet sein wird.

Nacht und Urwald

Im Nebenraum ist das Lager für die noch nicht verkauften Gemälde. Eine Serie nachtblauer Gemälde fällt sofort auf. Die werden nicht in Vinningen gezeigt und sind von der Farbgebung ganz anders. Ein Kunstwettbewerb wollte Nachtbilder haben, deshalb hat Weber sich mit der dunklen Zeit des Tages beschäftigt und dabei wohl das ein oder andere lila mit rüber in ihre Urwälder genommen, die nach Vinningen gehen werden.

Irmgard Weber wurde 1949 in Schöndorf (bei Trier) geboren, Sie ist Mitglied in der Gesellschaft für Bildende Kunst Trier im Kunstverein Trier Junge Kunst, im Berufsverband Bildender Künstler und der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler. Seit 1990 ist sie Dozentin für Zeichnung und Malerei in Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg, Frankreich und Spanien. 1988 erhielt sie den Ramboux-Preis für Malerei der Stadt Trier, 1999 war sie für den Kunstpreis Robert Schuman der Städte Luxemburg, Metz, Saarbrücken, Trier nominiert. 2004 kam sie nach Pirmasens. Ihr heutiger Mann hatte sie für den Pirmasenser Kunstverein zu einer Einzelausstellung eingeladen. Sie blieb. Das Künstlerehepaar hat ein Wohnatelier in Pirmasens-Ruhbank in einer alten Schuhfabrik.

Info

„Inspiration Natur“, Irmgard Weber, Vinningen, Kulturzentrum Alte Kirche, Alte Kirchgasse 1, 16. August bis 13. September, Öffnungszeiten: sonntags 14 bis 16 Uhr und nach Absprache per E-Mail an: [email protected], Vernissage: 16. August, 11 Uhr. Einführung: Birgit Weindl, Musik: Kuratorin Helma Terres (Querflöte).