
AUDIO: Filmtipp: „Im Spiegel meiner Mutter“ (4 Min)
Stand: 12.08.2026 18:13 Uhr
Regisseurin Jutta Brückner befasst sich in „Im Spiegel meiner Mutter“ mit einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Den abschließenden Teil ihrer autobiografisch inspirierten Filmtrilogie konnte sie erst jetzt, mit 85 Jahren realisieren.
Es könnte auch ein altes Spukschloss sein, so widerstrebend betritt Ursula das Haus ihrer Kindheit. Vor wenigen Tagen ist ihre Mutter im Pflegeheim gestorben. Nun herrscht eine ohrenbetäubende Stille in den Räumen. Aus dem Badezimmerspiegel aber starrt geradewegs die Mutter zurück – wie ein Geist, der sie heimsucht.
Video:
Trailer zum Film „Im Spiegel meiner Mutter“ (2 Min)
Wenn die Mutter zur Last wird
Allein in diesem Haus wird die gestandene Archäologie-Professorin, gespielt von Corinna Harfouch, von Gefühlen überflutet: von Trauer, aber auch von unguten, negativen Gefühlen, die sie in dieser Situation gar nicht haben möchte. Erinnerungs-Flashbacks machen sichtbar, wie schwer der letzte Weg – und auch schon der Umgang davor – mit dieser dominanten Mutter war.
Ursula hat von ihrer Mutter – damenhaft resolut gespielt von Hildegard Schmahl – wenig Zuwendung in Erinnerung; immer nur Erwartungen, bei Nichterfüllung Liebesentzug und permanent das Einfordern von Dankbarkeit. Wenn sie in nächtlichen Albträumen von einem Sumpfboden verschlungen wird, ist das kein Bild für eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung.
Um nicht auch noch das Publikum in diesem Mutter-Tochter-Sumpf versinken zu lassen, fügt Regisseurin Jutta Brückner dem Drama eine komische Note bei: Eine Assistentin taucht auf, von der man nicht weiß, ob sie echt oder eingebildet ist. Die nassforsch-direkte Mel, Vertreterin einer selbstsicheren jungen Frauengeneration, hilft Ursula nicht nur bei ihrem Job, sondern auch im Haus der Mutter beim Entrümpeln – emotional wie materiell.

Mit 85 Jahren legt die Regisseurin den letzten Teil ihrer Filmtrilogie vor. Im Interview spricht sie über problematische Mutter-Tochter-Beziehungen.
Corinna Harfouch: Gefühle, die keiner Worte bedürfen
Ursula spürt immer noch die Umklammerung der Frau, die Mutterschaft – auch generationsbedingt – zum einzigen Lebensinhalt erkoren hatte. „Töchter müssen sich, wenn sie wachsen wollen, auf andere Weise von der Mutter entfernen als Söhne“, sagt Regisseurin Jutta Brückner. „Denn (…) sie haben den gleichen Körper. Sie kämpfen gegen die Spiegelbildlichkeit.“
Im Spiegel ihrer Mutter sieht die Film-Protagonistin auch die eigene Fratze: Genervtheit, wo Fürsorge nötig war, Liebe, vergiftet durch Abscheu, Trauer, vermischt mit Erleichterung. Corinna Harfouch muss diese paradoxen Gefühle nicht aussprechen – sie stehen ihr ins Gesicht geschrieben.
„Im Spiegel meiner Mutter“: Eine mutige, vielschichtige Reflexion
Neben Spiegel und Moorboden ist auch die lärmende Dauerbaustelle in der archäologischen Fakultät ein bewusst symbolisches Bild, mit dem die versierte Filmemacherin Brückner (1941 geboren, gilt sie als Wegbereiterin des feministischen Films in Deutschland) die individuelle Geschichte auch in Bezug zum gesellschaftlichen Umbau setzt. „Im Spiegel meiner Mutter“ ist eine virtuos komponierte, vielschichtige Reflexion über Mütter-, Töchter- und Frauenbilder.

Bis Dezember bietet das Kino tolle Produktionen: Es kommen der neue Spider-Man, Filme mit Sandra Hüller – „Vaterland“ und „Digger“ – sowie „Geister“ von Fatih Akin“ und „Dune 3“.

Im Spiegel meiner Mutter
Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2026
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Corinna Harfouch, Carla Juri, Hildegard Schmahl und anderen
Regie:
Jutta Brückner
Länge:
95 Minuten
Altersempfehlung:
ab 12 Jahren
Kinostart:
13. August 2026