Außergewöhnliche Begegnung beim Abendspaziergang in Graz: Eine etwa 1,2 Meter lange Äskulapnatter war auf den Lenkstangen mehrerer Fahrräder unterwegs.

„Gestern hatten meine Frau und ich eine außergewöhnliche Begegnung bei einem unserer Abendspaziergänge“, meldete sich ein Grazer am Mittwoch bei der Kleinen Zeitung mit eindrucksvollen Fotos: Sie zeigen eine geschätzt etwa 1,2 Meter lange Äskulapnatter, die eingerollt zwischen Lenkstange und Bremse eines abgestellten Fahrrads liegt.

Das Ehepaar war vom Anblick des Tieres offenbar fasziniert: Eine halbe Stunde lang habe die Schlange ihre Kletterkünste auf mehreren abgestellten Fahrrädern zum Besten gegeben, so der Grazer. Anschließend bewegte sie sich zum Garten des Kreuzschwestern-Klosters – wobei der Sohn des Grazers ihr noch über den Betonsockel geholfen hat. Die Begegnung sei übrigens sehr kommunikativ gewesen, zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner staunten. „Einer wollte gerade sein Rad abstellen und hat gemeint, dass er in der Früh sehr genau schauen wird, ob sein Fahrradschloss nicht vielleicht doch eine Schlange ist“, so der Grazer.

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Weiteres Bild der Schlange am Fahrrad aus anderer Perspektive © privat

Bei dem Tier handelt es sich ziemlich eindeutig um eine völlig harmlose und ungiftige Äskulapnatter (Zamenis longissimus), die in der Steiermark weit verbreitet ist. Die geschätzte Länge von 1,20 Metern ist für diese Art noch eher klein, die Schlangen werden oft bis zu 2 Metern lang. Darin, dass die Schlange ausgerechnet auf Fahrrädern „herumklettert“, sieht Reptilienexperte Werner Stangl absolut nichts Ungewöhnliches, schließlich würde der Mensch stark in die Lebensräume der Reptilien eingreifen und den Tieren somit keine andere Möglichkeit bleiben.

Findet man eine Schlange auf seinem Fahrrad vor, ist tatsächlich Geduld gefragt: „Die Schlange bitte auf keinen Fall entfernen“, sagt Stangl. In der steirischen Artenschutzverordnung ist das Reptil geschützt, man sollte es also auf keinen Fall eigenmächtig fangen und irgendwo anders aussetzen.

Sichtungen großer Schlangen im Stadtgebiet – wie zuletzt am Schloßberg oder vielfach am Murufer – sorgen immer wieder für Aufsehen. Dadurch würde vielfach ein falscher Eindruck entstehen, sagt Stangl: Bei den meisten Schlangenarten handelt es sich nach wie vor um bedrohte Lebewesen, man sollte sie einfach in Ruhe lassen.

Schlangensichtungen in GrazDie Äskulapnatter ist die größte heimische SchlangeBei der Schlange handelt es sich wohl um eine PhytonDie Schlange am Schloßberg