Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn sich die Krefeld Pinguine gemeldet hätten. Oder Fortuna Düsseldorf. Oder Borussia Mönchengladbach. Allen drei Sportvereinen hatte Benny Spitschan vor einem Jahr eine Anfrage geschickt, ob er einen japanischen Sportler hautnah mit der Kamera begleiten dürfe. Eine Antwort habe der Filmemacher jedoch nie erhalten.
Erst als der 31-Jährige erfuhr, dass Yushiroh Hirano von den Pinguinen zur Düsseldorfer EG wechseln würde, nahm die Sache doch noch einmal Fahrt auf. Also versuchte Spitschan abermals sein Glück, schrieb den Eishockey-Zweitligisten an und erhielt dieses Mal eine Antwort: Die DEG war einverstanden. Einige Monate später steht Spitschan gemeinsam mit Max Schneider-Bodien, der vor Jahren bereits eine Doku über den ehemaligen DEG-Goalie Bobby Goepfert gedreht hatte und nun auch an diesem Projekt mitgearbeitet hat, im Kinosaal 8 des UFA Palastes am Hauptbahnhof und darf seinen Dokumentarfilm „Yushiroh Hirano: Eine Reise, zwei Welten, ein Ziel“ vor fast 500 Zuschauern präsentieren.
Freunde und Familie sind gekommen, aber auch viele DEG-Fans sowie ein Teil der Mannschaft. Und natürlich der Mann des Abends, dem der ganze Trubel ein wenig zu viel zu sein scheint. „Ich bin sehr aufgeregt“, gibt Hirano zu. „Es ist nicht einfach, einen solchen Film zu machen. Deshalb möchte ich Benny ganz herzlich danken – und natürlich auch allen anderen, die dabei geholfen haben, diesen Film möglich zu machen.“ Spitschan selbst ist an diesem Abend einfach nur froh, endlich das fertige Produkt zeigen zu dürfen. 17 Versionen des Films seien während des Schnitts entstanden, erzählt er. Immer wieder habe er Dinge gefunden, die es aus seiner Sicht zu verbessern galt. „Und irgendwann musste ich sagen: ,Alter, jetzt reicht es‘“, sagt er lachend.
Herausgekommen ist ein rund 70-minütiger Film, der mehr als eine reine Sportler-Doku ist. Denn es geht auch viel um die Beziehung zwischen Japan und Düsseldorf, in der die größte japanische Community in Europa lebt. Es werden Bilder vom Japan-Tag gezeigt, von der Immermannstraße oder dem EKO-Haus in Niederkassel. Die erste Zweitliga-Saison der DEG nach dem Abstieg aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bildet dabei die Rahmenhandlung. Spitschan verzichtet darauf, Hirano als strahlenden Helden darzustellen. Natürlich ist da der torgefährliche Stürmer, der sich aufgrund seines unnachahmlichen Schlagschusses schnell in die Herzen der Fans spielt, es gibt aber auch kritische Töne. So tadelt zum Beispiel Geschäftsführer Rick Amann die Defensivarbeit des Japaners. Und genau wie die Saison der DEG Höhen und Tiefen hatte, hatte sie auch Hirano, als er sich in der wichtigsten Phase der Hauptrunde schwer verletzte und für den Rest der Saison ausfiel.
Am stärksten ist der Film in den Zwischentönen, wenn Hirano von seiner Kindheit in seiner Geburtsstadt Tomakomai erzählt, wenn Teamkollegen offenbaren, dass dieser höfliche und zurückhaltende Mensch intern durchaus auch anders auftreten kann oder wenn der Angreifer von negativen Erlebnissen während seiner Karriere spricht. Gerade das Thema Rassismus spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Spitschan: „Dieses Interview ging mir sehr nahe“
In der Doku wird es am Vorfall mit dem Rosenheimer Teemu Pulkkinen aufgegriffen, der Hirano während eines Heimspiels Anfang Januar rassistisch beleidigt haben soll, was der Finne und sein Klub später „nachdrücklich zurückwiesen“. Dabei kommt auch der ehemalige Eishockeyspieler Martin Hyun zu Wort, der sich mit seinem Verein „Hockey is Diversity“ seit Jahren gegen Rassismus und Diskriminierung und für Vielfalt und Inklusion im Eishockeysport engagiert. Seine Schilderungen und Erfahrungen mit Rassismus während seiner aktiven Zeit hallen auch nach Filmende noch nach. „Dieses Interview ging mir sehr nahe“, sagt Spitschan. Das merkt man auch im Publikum, das beim Abspann applaudierte.
Für den Filmemacher ein emotionaler wie gelungener Abend, der sich bald wiederholen dürfte. Am 31. August wird der Film nämlich ein weiteres Mal gezeigt. Dieses Mal mit japanischen Untertiteln für die japanische Community in Düsseldorf.