Stromkrise in Europa

„Niemand hier hat je so einen Zustand miterlebt“

14.08.2026 – 06:59 UhrLesedauer: 3 Min.

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Der Emossondamm im Schweizer Kanton Wallis: Durch die Dürre kommen die Länder mit vielen Wasserkraftwerken an ihre Grenzen. (Quelle: IMAGO/Bouvet A/Alpaca/Andia.fr/imago)

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Nicht nur die Atomkraft strauchelt durch die Hitze und Dürre. Besonders hart trifft es auch die Wasserkraft – und damit deutsche Nachbarländer.

Nahezu alle großen europäischen Wasserkraftländer haben durch die aktuellen Hitze- und Dürrebedingungen zu kämpfen. Laut einer Untersuchung der Energiedenkfabrik Ember Energy hat die Stromerzeugung aus dieser Quelle zuletzt EU-weit auf dem tiefsten Stand seit mindestens zehn Jahren gelegen.

Besonders betroffen sind Italien und mit der Schweiz und Österreich auch zwei direkte Nachbarländer Deutschlands. Dort macht die Wasserenergie sogar gut 50 Prozent der Stromerzeugung aus und ist damit die zentrale Säule der Energieversorgung. In Italien beträgt ihr Anteil am Strommix lediglich 12,5 Prozent, sie ist damit dennoch die drittwichtigste Energiequelle des Landes.

Berge helfen

Die Wasserkraft ist vor allem in Ländern mit bergiger Landschaft bedeutend. Denn um Strom aus der Kraft des Wassers zu erzeugen, soll möglichst viel Wasser aus einer möglichst großen Fallhöhe auf eine Turbine oder ein Wasserrad fallen. Das treibt die Turbinen oder Räder an und erzeugt Strom. Am besten geeignet sind Flüsse in den Bergen, die eine hohe Fließgeschwindigkeit aufweisen. Aber auch große Flüsse mit besonders großen Wassermengen können hohe Strommengen erzeugen.

Wasserkraftwerke gehen vom Netz

In der europaweit anhaltenden Dürre droht diese Quelle wortwörtlich zu versiegen. In der Schweiz mussten deshalb schon die ersten Flusskraftwerke komplett vom Netz gehen, es gibt einfach kein Wasser. Kaspar Boehi, der an der Thur seit 40 Jahren das Thurkraftwerk betreibt, sagte zum Portal „Montel News“: „Diese Situation hatten wir in meinem Leben noch nie.“ Er habe das Kraftwerk bereits im Juli abschalten müssen. In der Vergangenheit habe er an einzelnen Tagen mal pausieren müssen, aber noch nie für eine so lange Dauer.

Die Hitze kam nach einem ohnehin schon regenarmen Frühling sowie einem Winter, in dem „überhaupt kein Schnee“ fiel, so Boehi.

Auch in Österreich ist die Lage von bisher ungekanntem Ausmaß. Laut dem „Standard“ erzeugt das Alpenland 30 Prozent weniger Strom als üblich zu dieser Jahreszeit. Der größte und wichtigste Erzeuger von Wasserkraft in Europa, die Verbund AG, vergleicht das mit dem Wegfall dreier Donaukraftwerke gleichzeitig. „Niemand hier hat je so einen Zustand miterlebt“, zitiert der „Standard“ Verbund-Sprecher Florian Seidl. In Zukunft will der Konzern mehr in Solar und Wind investieren, um die Stromerzeugung zu diversifizieren.

Atomkraft strauchelt in anderen Ländern

Die Hitze- und Dürrewelle wird damit zu einem grundsätzlichen Problem an den Energiemärkten. Während die Wasserkraft in Österreich und der Schweiz zu Problemen führt, ist es in Frankreich, Ungarn und Rumänien die Atomkraft, die strauchelt. In Frankreich sind fast 15 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten nicht mehr am Netz, am Mittwoch waren es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sogar 20 Prozent.

Mehrheitlich lag das an den hohen Temperaturen der Flüsse, in die der AKW-Betreiber nicht noch zusätzlich aufgewärmtes Kühlwasser leiten darf. Im Ärmelkanal gab es darüber hinaus in dieser Woche eine Quallenplage, die die Meerwasserpumpen des größten europäischen Atomkraftwerks lahmlegten.