
In der Eifel breitet sich im Kreis Düren ein Waldbrand aus. Der Hürtgenwalder Ortsteil Gey wurde seit der Nacht vorsorglich evakuiert, etwa 2.000 Menschen sind davon betroffen. Die Flammen rücken immer näher.
In Nordrhein-Westfalen mussten wegen eines Waldbrandes in der Gemeinde Hürtgenwald etwa 2.000 Bewohnerinnen und Bewohner des Ortsteils Gey vorsorglich in Sicherheit gebracht werden. Hürtgenwald liegt im Westen des Bundeslandes, nahe der Grenze zu Belgien. Insgesamt leben in der Gemeinde in der Eifel knapp 9.000 Menschen.
Inzwischen ist die Evakuierung des betroffenen Ortsteils abgeschlossen, wie eine Sprecherin des Kreises Düren mitteilte. Für die Betroffenen wurde zunächst eine Anlaufstelle in einer Grundschule eingerichtet. Diese musste jedoch mittlerweile in eine Förderschule verlegt werden, weil in Straß mittlerweile die Belastung durch Asche in der Luft zu groß ist. Auch ein Pflegeheim musste evakuiert werden. Wegen sogenannten Rauchniederschlags wurden Bewohnerinnen und Bewohner des Kreises aufgefordert, sich sofort in geschlossene Räume zu begeben, wie der WDR berichtet.
Krisensitzungen in Düren und Düsseldorf
Nach Angaben einer Kreissprecherin ist das Feuer noch rund 150 bis 200 Meter von der Ortschaft entfernt. Solange das Feuer nicht in die Baumkronen schlage, seien die Meterangaben allerdings noch nicht entscheidend, sagte Landrat Ralf Nolten (CDU) der Nachrichtenagentur dpa.
Die nächsten Stunden gelten als entscheidend für den Erfolg der schwierigen Brandbekämpfung. Es wurde ein Krisenstab des Kreises Düren einberufen, der das weitere Vorgehen koordiniert. Auch im NRW-Landwirtschaftsministerium lief am Vormittag nach Informationen der dpa in Düsseldorf eine Krisensitzung mit Fachleuten. Am Nachmittag wollen sich NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) und NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) ein Bild vor Ort machen.
300 Hektar stehen in Flammen
Seit Donnerstagnachmittag haben sich die Flammen in der Region auf eine Fläche von rund 300 Hektar ausgebreitet. Behörden sprechen von einem „Feuer außer Kontrolle“ und einer „Großschadenslage“, auch, weil in der Nacht keine Löschflugzeuge eingesetzt werden konnten, wie der WDR berichtet. Auch die Warn-App Nina meldete die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“.
Wie Stephan Cranen, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, im Gespräch mit dem WDR angab, brachen am Donnerstag drei Brände in der Region aus, von denen sich einer über Nacht weiter ausgebreitet habe. Riskant sei, dass sich die Flammen auch in Richtung eines alten Munitionslagers in Düren bewegten. Auch WDR-Reporter Pierre Dyckmans berichtet, dass in dem Waldgebiet immer wieder Stichflammen von explodierender Munition zu sehen seien, die sich noch im Boden befindet.
Weiterer Ortsteil gefährdet
Derzeit sind etwa 200 Feuerwehrkräfte vor Ort im Einsatz, außerdem die Bundeswehr sowie Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser. Die Bundeswehr ist etwa mit Hubschraubern und Panzern im Einsatz. Wasserwerfer der Polizei sollen das Feuer von der Seite aus eindämmen. Auch Privatpersonen bringen Löschwasser in das betroffene Gebiet. Es wird versucht, befeuchtete Schneisen zu bilden, um eine Ausbreitung der Flammen einzudämmen.
Die Ursache für die Waldbrände ist noch unklar. Nach Angaben der Gemeinde ist auch der Ortsteil Großhau durch das Feuer gefährdet. Eine Evakuierungsaufforderung gibt es dort bislang nicht. Menschen sind aber aufgefordert, den Bereich zu meiden. Für die Löscharbeiten wurden zudem die Ausfahrten Düren und Langerwehe der Autobahn 4 gesperrt, teilte die Autobahn GmbH mit.
Auch ein Panzer der Bundeswehr wird bei den Löscharbeiten eingesetzt, um den Feuerwehrkräften den Weg durch das Brandgebiet zu bahnen.
Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius erwartet
Erschwerend für die Brandbekämpfung dürften die erneut hohen Temperaturen werden, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Nordrhein-Westfalen vorhersagt. Teils sollen sie bis auf 38 Grad Celsius steigen, es wird vor einer starken Wärmebelastung gewarnt. Nur einige höher gelegene Orte im Sauerland und der Eifel sind von der Warnung ausgenommen.
Am Samstag werden zwar etwas niedrigere Werte erwartet, trotzdem soll die Temperatur im Laufe des Tages 29 bis zu 34 Grad Celsius erreichen. Allerdings sagt der DWD für Samstag auch Wolken, Schauer und Gewitter für Nordrhein-Westfalen voraus. Teilweise können sogar Starkregen, Hagel und Sturmböen auftreten.
Mehrere Brände in Nordrhein-Westfalen
Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Die Minister für Inneres und für Landwirtschaft, Herbert Reul und Silke Gorißen (beide CDU), appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie.
Seit Mittwoch kämpfen Einsatzkräfte etwa gegen ein Feuer im Sauerland bei Sundern. Das konnte laut Feuerwehr mittlerweile zwar unter Kontrolle gebracht werden – aber komplett gelöscht sei es weiterhin nicht. Es hat sich auf eine Fläche von etwa 80.000 Quadratmetern ausgebreitet, was in etwa zwölf Fußballfeldern entspricht.
Weitere Brände waren vom Möhnesee, aus Marsberg und der Hellefelder Höhe bei Arnsberg gemeldet worden. Auch in Aachen und Region ist es zu Bränden gekommen, so zum Beispiel in Merzenich. Im Oberbergischen breiteten sich in Lindlar Flammen auf einer Fläche von rund 20.000 Quadratmetern Wald aus. Laut Feuerwehr gibt es nach wie vor noch schwelende Glutnester. Ein Waldbrand in Borken-Hoxfeld nahe der niederländischen Grenze konnte inzwischen vollständig gelöscht werden.