Ryanair-Vorfall im Juli

Aktualisiert am 14.08.2026, 12:55 Uhr

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Ein Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen wird zum Albtraum: Ein Kabinenfenster geht in 4.500 Metern Höhe kaputt. Ein 61-Jähriger wird teilweise durch die Öffnung nach draußen gerissen, überlebt den Vorfall aber. Jetzt liegt der vorläufige Untersuchungsbericht vor.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hat ihren vorläufigen Bericht zu dem schweren Zwischenfall an Bord eines Ryanair-Flugs am 10. Juli veröffentlicht. Demnach zerbrach ein Flügel-Blatt im rechten Triebwerk der Boeing 737-8AS kurz nach dem Abheben vom Flughafen Thessaloniki in Griechenland. Umherfliegende Trümmerteile durchschlugen den Rumpf an mehreren Stellen und zerstörten ein Kabinenfenster, woraufhin die Kabine den Druck verlor.

An Bord der Maschine, die als Malta-Air-Flug 1879 im Auftrag von Ryanair nach Memmingen in Deutschland unterwegs war, befanden sich laut der NTSB-Untersuchung zwei Piloten, vier Flugbegleiter sowie 149 Passagiere. Einer von ihnen zog sich schwere Verletzungen zu.

Mann hing durchs Flugzeugfenster: Ehefrau berichtet von Horror-Moment

Aktualisiert
am 15.07.2026, 19:26 Uhr

Auf einem Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen war in der vergangenen Woche ein Fenster geborsten. Ein 61-jähriger Passagier aus Serbien wurde halb nach draußen gesogen und schwer verletzt.

Kopf und Arm ragten aus der Maschine

Der 61 Jahre alte Passagier Ljubisa Karovic saß auf einem Fensterplatz in Reihe 11, wie aus dem Bericht hervorgeht. Als das Fenster neben ihm zerbarst, wurde er durch den enormen Druckunterschied teilweise hinausgerissen. Sein Kopf und ein Arm ragten bereits aus dem Flugzeug. Die Maschine befand sich zu diesem Zeitpunkt bei einer Geschwindigkeit von rund 600 km/h in etwa 4.500 Metern Höhe.

Seine Ehefrau und weitere Mitreisende packten den Mann und zogen ihn zurück in die Kabine. Dass Karovic überlebte, verdankt er offenbar seinem angelegten Sicherheitsgurt, wie „Krone.at“ berichtet. Er erlitt Verletzungen an Hals und Schulter sowie Schürfwunden.

Nebel, Sauerstoffmasken und Hilfe-Rufe

Die Flugbegleiter schilderten gegenüber den Ermittlern, dass sie eine laute, anhaltende Vibration wahrnahmen und Rauch oder Nebel die Kabine füllte, bevor die Sauerstoffmasken aus der Decke fielen, berichtet „AP News“. Einige Passagiere sprangen von ihren Plätzen auf und riefen um Hilfe.

Nachdem Karovic zurückgezogen worden war, brachten ihn Mitreisende in Reihe 12, wo ein zufällig anwesender Arzt sich um ihn kümmerte. Andere Passagiere holten eine Metallbox von den Flugbegleitern und versuchten damit, die Öffnung im Rumpf provisorisch abzudichten.

Kurzvideos, die laut „AP News“ von Radio Thessaloniki verbreitet wurden, zeigen Passagiere mit Sauerstoffmasken sowie das zerstörte Fenster. Eine weitere Aufnahme, offenbar nach der Landung entstanden, dokumentiert den Einsatz von Rettungskräften im Gang der Maschine.

Maschine kreiste zum Treibstoffabbau

Die Crew entschied sich zur sofortigen Umkehr. Laut „AP News“ verließ das Flugzeug die Reisehöhe und sank um etwa 1.800 Meter, um 30 Minuten lang Treibstoff zu verbrennen. Etwa eine Stunde nach dem Abheben setzte die Boeing wieder in Thessaloniki auf – die Landung verlief ohne weitere Komplikationen.

Vogelreste im Triebwerk entdeckt

Die Ermittler stießen bei der Untersuchung des beschädigten Triebwerks auf Überreste eines Vogels, was auf einen Vogelschlag während des Starts hindeutet. Ob dieser Zusammenprall tatsächlich das Abbrechen des Flügel-Blatts auslöste, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt, heißt es im NTSB-Bericht.

Brisant: Laut „AP News“ waren am selben Triebwerk im vergangenen Jahr vier mutmaßliche Vogelschläge gemeldet worden. Die Flügel-Blätter waren den Wartungsunterlagen zufolge im Mai 2026 und im November 2025 per Ultraschall geprüft worden – ohne dass Schäden festgestellt wurden.

FAA-Sicherheitsvorgaben noch nicht umgesetzt

Ein weiterer brisanter Aspekt: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im Vorjahr drei Anweisungen erlassen, die Fluggesellschaften dazu verpflichten, Teile der Triebwerksverkleidungen an der Boeing 737 zu verstärken. Hintergrund waren zwei frühere Fälle, in denen gebrochene Flügel-Blätter Verkleidungsteile weggerissen hatten. Bei einem dieser Vorfälle kam laut „AP News“ 2018 eine Passagierin von Southwest Airlines ums Leben, nachdem Trümmer den Rumpf getroffen und ein Fenster zerstört hatten.

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Die seit April 2025 geltenden FAA-Anweisungen räumen den Airlines eine Frist bis Juli 2028 für die umfangreichen Umbauten ein. Am betroffenen Ryanair-Flugzeug waren die geforderten Änderungen zum Zeitpunkt des Vorfalls noch nicht vorgenommen worden. Auch das geht aus dem NTSB-Bericht hervor.

Die betroffene Boeing 737-800 war 2008 an Ryanair ausgeliefert worden. Ryanair teilte mit, man werde sich bis zum Abschluss der NTSB-Untersuchung nicht weiter äußern. Boeing und der Triebwerkshersteller CFM International erklärten laut „AP News“, sie unterstützten die Ermittlungen. (red)

Verwendete Quellen

Teaserbild: © picture alliance/AP/National Transportation Safety Board