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Porticello (Italien) – Der Untergang der Luxusjacht „Bayesian“ kostete sieben Menschen das Leben. Jetzt reißt die Tragödie vor Sizilien auch ein ganzes Firmenimperium mit in den Abgrund. Die italienische Werftengruppe The Italian Sea Group (TISG) ist insolvent.

Das Unternehmen hatte am 1. Juli 2026 beim Gericht in Florenz einen Antrag nach dem italienischen Insolvenz– und Krisenrecht gestellt. Inzwischen ist die Firma zahlungsunfähig. Die Folge: Das Verkaufsverfahren der Insolvenzverwalter läuft, berichtet die „FAZ“.

So ereignete sich die Katastrophe

Das Unglück begann in der Nacht zum 19. August 2024 vor der Küste Siziliens. Die Luxusjacht „Bayesian“ lag vor Porticello vor Anker, als sie vermutlich von einer Fallböe – einem plötzlich nach unten schießenden Luftstrom aus einem Gewitter – erfasst wurde. Sturmböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde drückten die 56 Meter lange Segeljacht zur Seite. Nur 15 Sekunden später war sie untergegangen.

In der Werft Perini Navi in Viareggio in der Toskana wurde die „Bayesian“ gefertigt

In der Werft Perini Navi in Viareggio in der Toskana wurde die „Bayesian“ gefertigt

Foto: Christian O. Bruch/laif

Luxusjacht von Tech-Milliardär galt als „unsinkbar“

15 Menschen konnten gerettet werden. Sieben starben. Unter den Opfern: der britische Tech-Milliardär Mike Lynch (†59) und seine Tochter Hannah (†18). Bis heute streiten Experten, Ermittler und Gerichte darüber, wer die Verantwortung für die Katastrophe trägt. Fest steht: Für die Werft hatte das Unglück dramatische Folgen. Seit dem Untergang der „Bayesian“ sei kein einziger neuer Auftrag für die Werft Perini Navi mehr eingegangen.

Vater Mike Lynch und Tochter Hannah starben an Bord der Super-Luxus-Jacht

Vater Mike Lynch und Tochter Hannah starben an Bord der Luxusjacht

Foto: FAMILY HANDOUT/AFP

Wie ein Damoklesschwert schweben zudem millionenschwere Schadensersatzforderungen über dem Unternehmen. Angela Bacares, die Witwe von Mike Lynch und Eigentümerin der Jacht, macht Ansprüche gegen die Werft geltend. Ihr Vorwurf: Ex-TISG-CEO Giovanni Costantino habe die „Bayesian“ öffentlich als praktisch „unsinkbar“ dargestellt.

Wer ist schuld an dem Unglück?

TISG weist jede Verantwortung zurück. Im Gegenteil: Die Werft macht die Crew für den Untergang verantwortlich. Luken und Türen seien trotz des aufziehenden Sturms geöffnet gewesen. TISG verklagte deshalb die Bootsfirma von Bacares, Kapitän James Cutfield und zwei weitere Besatzungsmitglieder auf insgesamt 456 Millionen Euro Schadensersatz.

Innenraum der geborgenen Luxus-Jacht

Der Innenraum des geborgenen Schiffes nach dem tragischen Unglück

Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Wie der Schiffsbauer am Ende pleite ging

Doch die „Bayesian“-Katastrophe war offenbar nicht das einzige Problem. Laut „FAZ“ waren beim Premium-Schiffsbauer Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen aufgefallen. Giovanni Costantino erhob schwere Vorwürfe gegen Manager des Unternehmens. Nach eigenen Angaben musste er 25 Millionen Euro nachschießen, um die Gruppe über Wasser zu halten. Vergeblich. Im vergangenen Jahr soll sich das Defizit auf 163 Millionen Euro belaufen haben. In diesem Jahr kamen weitere 16 Millionen Euro Verlust hinzu. TISG ist ein großer Name in der Branche. Vor 17 Jahren gründete Costantino die Gruppe. Zu ihr gehören die Marken Admiral und Tecnomar sowie die Werft Perini Navi, die die „Bayesian“ baute.

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Lynch, oft als „britischer Bill Gates“ bezeichnet, hatte zu dem Törn eingeladen, um seinen Freispruch in einem milliardenschweren Betrugsprozess zu feiern. Aus einer Luxusreise wurde dann aber eine Tragödie. Und aus dem Untergang einer Jacht schließlich der Niedergang einer ganzen Werftengruppe.