Fast überall wird gehustet oder geniest. Mediziner sprechen von einer „massiven Grippewelle“ in Neustadt. Was sie Patienten raten – und warum sie vor schlimmen Folgen warnen.

Fasnacht ist rum. In den vergangenen Tagen wurde noch einmal ausgiebig gefeiert – meist in großen Gruppen und engen Räumen. Hubertus von Korn, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1 am Marienhaus Klinikum Hetzelstift, gönnt den Menschen zwar ihren Spaß, trotzdem verfolgt er die Entwicklung mit einem mulmigem Gefühl. Denn schon unmittelbar vor dem Fasnachtshöhepunkt war ihm zufolge eine „massive Grippewelle“ in Neustadt zu beobachten. Viele Menschen litten unter Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Gerade in den Praxen der niedergelassenen sei viel los, aber auch im Krankenhaus sei so eine Welle zu spüren: Zum einen müssten dort Patienten mit schweren Verläufen behandelt werden, zum anderen sind Kliniken wie andere Arbeitgeber auch von Ausfällen betroffen, wenn es die Mitarbeiter erwischt hat. Doch der Kardiologe ist nicht nur wegen dieser Ausfälle besorgt und weil Menschen unter Fieber, Gliederschmerzen und Unwohlsein leiden, nein von Korn warnt regelrecht: „Grippe ist nicht nur lästig“. Gegenüber der RHEINPFALZ präzisiert er die Risiken und gibt Tipps zur Prävention.

Was ist das Problem bei Grippe?
Von Korn: „Es ist belegt, dass bei einer Grippe das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle signifikant erhöht ist, wobei das Risiko in der ersten Woche nach der Infektion am höchsten ist. Die Ursache hierfür ist, dass Entzündungsprozesse im Körper Ablagerungen in den Gefäßen des Gehirns und des Herzens destabilisieren können.“ Im Prinzip löse eine Infektion eine starke Entzündungsreaktion im gesamten Körper aus, wobei es dann zu den gefürchteten sogenannten „Plaquerupturen“ kommen könne. „Hierbei werden die Verengungen, die zum Beispiel durch hohen Blutdruck oder erhöhtes Cholesterin entstehen, destabilisiert und brechen auf. Das führt dazu, dass sich Gerinnsel an dieser Stelle bilden mit den typischen Folgen wie einer Durchblutungsstörung im Gehirn oder im Herzen“, erklärt der Chefarzt. Letztlich laute die Diagnose dann Schlaganfall oder Herzinfarkt. Aber Auslöser sei eben eine Grippe (Influenza). Patienten müssten zudem bedenken, dass Blut bei einer schweren Infektion leichter gerinne. Auch dies könne die Bildung von Gerinnseln begünstigen.

Hubertus von Korn Hubertus von KornFoto: Hetzelstift/oho

Gibt es weitere Probleme?
Ja, sagt von Korn und verweist auf eine Herzmuskelentzündung, die auch durch Viren ausgelöst werden kann. „Typische Beschwerden können hier einem Herzinfarkt ähneln, und es ist rasche Diagnostik nötig, um eine Entzündung von dem gefährlichen Herzinfarkt zu unterscheiden“, sagt von Korn. Er rät daher: „Wenn Sie Beschwerden wie Luftnot, Schmerzen auf der Brust oder Anzeichen eines Schlaganfalls wie Lähmungen in den Gliedmaßen bemerken, begeben Sie sich rasch in ärztliche Hilfe.“ Für die Untersuchung brauche man Spezialgerät, das in Kliniken wie dem Hetzelstift vorhanden sei. Dort bekämen Patienten im Falle des Falles die entsprechenden Diagnosen und die passenden Therapien. Von Korn betont daher: „Insgesamt ist eine Grippe nicht nur eine Atemwegserkrankung, sondern ein ernstzunehmender Risikofaktor für das Herzkreislaufsystem.“ Das gelte insbesondere für ältere Patienten mit Vorerkrankungen, letztlich könnten aber auch junge Menschen entsprechend betroffen sein, warnt von Korn. Daher richte er seine Tipps und Warnungen auch bewusst an alle.

Gibt es einen Schutz?
Ja, sagt Hubertus von Korn und verweist auf die jährliche Grippeschutzimpfung. „Sie wird insbesondere für Herzpatienten dringend empfohlen.“ Darüber hinaus seien viele Tipps, die man während der Corona-Pandemie kennengelernt habe, unverändert wichtig und richtig: „Achten Sie auf Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Abstand halten oder auch das Tragen von Masken.“ Angesichts der Risiken für das Herzkreislaufsystem rät der Kardiologe allen, die trotz aller Prävention an Grippe erkrankt sind, sich ein paar Tage zu schonen. Dies helfe, die Risiken, die mit einer Infektion einhergehen, in Schach zu halten. Außerdem gelte: Wer krank ist, sollte sich möglichst von seinem Umfeld absondern, um nicht noch andere Personen anzustecken.