Das Volumen der zwischen Staaten gehandelten schweren Kriegswaffen ist im Fünfjahreszyklus 2021/25 deutlich um 9,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016/20 gestiegen und so hoch wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Dabei haben die europäischen Staaten ihre Einfuhren von Panzern, Artillerie, Kampfflugzeugen, Raketen etc. mehr als verdreifacht. Das geht aus Daten hervor, die das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (Sipri) nun veröffentlicht hat.
USA bleiben weltweit größter Waffenlieferant
Demnach sind die Gesamtexporte der USA, des weltweit größten Waffenlieferanten, in dem Berichtszeitraum um rund ein Viertel gestiegen; darin enthalten ist ein Anstieg der Waffenverkäufe nach Europa um sage und schreibe 217 Prozent.
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„Der starke Anstieg der Waffenlieferungen an europäische Staaten hat die weltweiten Waffenlieferungen um fast zehn Prozent in die Höhe getrieben“, sagt Sipri-Forscher Mathew George. „Die Lieferungen an die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste Faktor. Aber auch die meisten anderen europäischen Staaten haben begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der von ihnen wahrgenommenen Bedrohung durch Russland zu stärken.“
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Trümmer, Tote und Verletzte: Hinterlassenschaften nach einem russischen Raketenangriff in der Ukraine.
Foto: IMAGO/Dmytro Smolienko
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Laut dem International Institute for Strategic Studies lagen die seit Jahren steigenden globalen Verteidigungsausgaben allein 2025 bei rund 2230 Milliarden Euro. Nahezu überall setzen politische Entscheidungsträger auf verstärkte Abschreckung. Das darin investierte Geld fehlt dann an anderer Stelle.
„Steigende Rüstungsausgaben stehen im klaren Widerspruch zu dem international vereinbarten Ziel, den Hunger bis 2030 zu beenden.“
Mathias Mogge
Generalsekretär Welthungerhilfe
Dass beispielsweise die Bundesregierung ausgerechnet die Budgets für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe kürzt, sei mehr als problematisch, sagte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, unserer Redaktion. „Dieser Sparkurs steht bei gleichzeitig steigenden Rüstungsausgaben in einem klaren Widerspruch zu dem international vereinbarten Ziel, den Hunger bis 2030 zu beenden“, sagte Mogge. Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe seien „keine Randthemen der Außen- und Sicherheitspolitik, sondern zentrale Investitionen in globale Stabilität und Sicherheit – und müssen entsprechend finanziell priorisiert werden“.
Kriegsfolgen: In Gaza sind derzeit viele Kinder unterernährt.
Foto: IMAGO/Khalil Ramzi Alkahlut
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Laut der Welthungerhilfe gehören Kriege und Konflikte zu den wichtigsten Hungertreibern weltweit. Allein 2024 lösten sie demnach 20 Ernährungskrisen aus, von denen fast 140 Millionen Menschen betroffen waren. „Durch die aktuellen Kriege im Nahen und Mittleren Osten ist zu befürchten, dass sich diese Zahlen in Zukunft vervielfachen“, warnte Mogge.
USA verstärken Dominanz bei Waffenexporten
Die USA lieferten im Fünfjahreszeitraum 2020/25 rund 42 Prozent aller Großwaffen, gegenüber 36 Prozent im Vergleichszeitraum 2016/20. Die Lieferungen gingen in 99 Staaten, darunter 35 Staaten in Europa, 18 in Amerika, 17 in Afrika, 17 in Asien und Ozeanien und 12 im Nahen Osten. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten ging der größte Anteil der US-Waffenexporte nach Europa (38 Prozent) und nicht in den Nahen Osten (33 Prozent).
„Die USA betrachten ihre Waffenexporte als Instrument der Außenpolitik und als Mittel zur Stärkung ihrer Rüstungsindustrie.“
Pieter Wezeman
Sipri-Forscher
„Die USA haben ihre Dominanz als Waffenlieferant selbst in einer zunehmend multipolaren Welt weiter gefestigt“, sagt Sipri-Experte Pieter Wezeman. Für Importeure böten US-Waffen fortschrittliche Fähigkeiten und eine Möglichkeit, gute Beziehungen zu den USA zu pflegen. „Die USA betrachten ihre Waffenexporte als Instrument der Außenpolitik und als Mittel zur Stärkung ihrer Rüstungsindustrie“, sagte Wezeman.
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Kriegswaffenexporte: Wo steht Deutschland?
Frankreich war von 2020 bis 2025 mit einem Anteil von 9,8 Prozent an den weltweiten Exporten vor Russland mit 6,8 Prozent Anteil der zweitgrößte Lieferant von Großwaffen. Deutschland überholte China knapp und wurde mit einem Anteil von 5,7 Prozent zum viertgrößten Waffenexporteur. Fast ein Viertel aller deutschen Waffenexporte gingen als Hilfe an die Ukraine.
Russland braucht produzierte Kriegswaffen selbst
Russland war infolge des Angriffskrieges gegen die Ukraine der einzige Lieferant unter den Top 10, dessen Waffenexporte zurückgingen (minus 64 Prozent). Sein Anteil an den weltweiten Waffenexporten schrumpfte von 21 Prozent auf 6,8 Prozent; fast drei Viertel davon gingen an drei Staaten: Indien (48 Prozent), China (13 Prozent) und Belarus (13 Prozent). Auf den Rängen sechs bis zehn liegen beim weltweiten Waffenexport Italien, Israel, Großbritannien, Südkorea und Spanien.