Auch dieses Jahr hat Leo XIV. die Messe zum ältesten aller Marienfeste in Castel Gandolfo gefeiert. In seiner Predigt in der Pfarrkirche „San Tommaso da Villanova“ erinnerte das Kirchenoberhaupt daran, dass wahre Schönheit nicht an Jugend und äußere Perfektion gebunden ist, sondern sich in dem von Liebe erfüllten Leben der vielen Männer und Frauen zeigt, „die täglich mit Glauben und Hingabe dazu beitragen, ein Stück Himmel auf die Erde zu bringen.“
Lesen Sie hier in offizieller Übersetzung, was Papst Leo am 15. August 2026 bei der Messe in der Pfarrkirche von Castel Gandolfo gesagt hat. Sämtliche Wortmeldungen der Päpste in …
Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
„Das Lehramt der Kirche lehrt uns, dass ,Maria, nach Vollendung des irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde‘ und zeigt uns in diesem Geheimnis die Vollendung der Gnadenfülle, die Gott ihr bei ihrer Unbefleckten Empfängnis geschenkt hat,“ leitete der Papst seine Überlegungen zum Hochfest Mariä Himmelfahrt ein.
In vielen Darstellungen erscheine Maria deshalb als wunderschöne junge Frau, die sich am Ende ihres irdischen Lebens „physisch vom Boden in den Himmel erhebt.“ Doch hier stelle sich die Frage, wie dieses Bild zu unserem eigenen Älterwerden passe.
„Mit zunehmendem Alter wird unser Körper nämlich nicht beweglicher, sondern schwerer; die Haut wird nicht frischer, sondern zeigt die Zeichen des Alters; das Haar gewinnt nicht an Farbe und Glanz, sondern wird grau und schließlich weiß. Was haben wir also mit der wundervollen jungen Frau gemeinsam, die auf den Altarbildern unserer Kirchen abgebildet ist?“ gab Papst Leo zu bedenken und verwies auf die „Reinheit der Seele“, die in Maria durch die Gnade Gottes die ganze Person erleuchte.
Papst Leo hat bereits zum zweiten Mal die Messe zum Hochfest Mariä Himmelfahrt in der Pfarrkirche in Castel Gandolfo gefeiert (@Vatican Media)
Wahre Schönheit besteht nicht darin, die Zeichen der Vergänglichkeit zu verstecken…
In unserer heutigen Gesellschaft, die großen Wert auf Jugend, Schönheit und äußere Perfektion legt, lehre uns die „Verherrlichung Mariens in Seele und Leib, dass unsere wahre Schönheit nicht darin besteht, die Zeichen der Vergänglichkeit zu verstecken, sondern darin, die Zeichen jener Liebe, die niemals endet, auch in unserem Fleisch sichtbar sein zu lassen.“
Hier der Beitrag zum Nachhören
Wörtlich sagte der Papst:
„Vielfach begegnet man Menschen, deren Gesicht von den Jahren und von Leid gezeichnet ist, und die dennoch in der Lage sind, Gelassenheit, Wohlwollen und Frieden auszustrahlen; ebenso können wir andere beobachten, die vielleicht äußerlich attraktiv sind, in ihrem Inneren jedoch hart und kalt. Und es ist leicht zu verstehen, wo wahre Schönheit ist und wo hingegen noch Umkehr, Vergebung und Heilung nötig sind.“
Ein Eindruck von der Messe (@VATICAN MEDIA)
Die Reinheit des Herzens ist es, die den Menschen verwandelt
Maria zeige uns also, dass es die Reinheit des Herzens ist, die den Menschen verwandelt. Ihre Schönheit sei nicht einfach die Schönheit eines jugendlichen Körpers. Es ist die Schönheit eines Menschen, der sich Gott geöffnet hat und dessen Leben von Liebe erfüllt ist. Und darum sollten wir unsere „ästhetischen Maßstäbe überdenken“ und keine „wertvolle Energie für Dinge verschwenden, die nicht wirklich zählen und nicht für immer bleiben.“
Die „göttliche Schönheit“ begegne uns nämlich überall dort, wo Menschen einander liebten und füreinander da seien, „im niedlichen Gesicht eines Kindes, in den Falten eines alten Menschen, in der Lebhaftigkeit eines Jugendlichen und in der Gesetztheit eines Erwachsenen“, so der Papst weiter.
Papst Leo an diesem Samstag (@Vatican Media)
Die Liebe ist der schönste Schmuck des Menschen
„Die Liebe ist der schönste Schmuck des Menschen,“ schlussfolgerte das Kirchenoberhaupt. Sie „verwandelt, veredelt, lässt uns frei und Gott nahe sein, auch inmitten der Wechselfälle des Lebens.“
Und wo sich diese Liebe konkret im Alltag zeige, listete der Papst wie folgt auf: in Eltern, die müde von der Arbeit nach Hause kommen und sich über ihre Kinder freuen, in Großeltern, die für ihre Enkel da sind, in jungen Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen – und in den Männern und Frauen, „die täglich mit Glauben und Hingabe dazu beitragen, ein Stück Himmel auf die Erde zu bringen und die Erde dem Himmel näherzubringen.“
Das wunderschöne Antlitz der in den Himmel aufgefahrenen Maria sei „das Antlitz jener Menschen, die uns nahestehen, auch in diesem Augenblick, der Brüder und Schwestern, mit denen wir im Glauben die tägliche Hingabe unseres Lebens teilen,“ betonte der Papst.
Ein Blick in die Pfarrkirche (@Vatican Media)
Auf das setzen, was wirklich zählt und für immer bleibt
Das Fest Mariä Himmelfahrt lade also dazu ein, unseren Blick zu verändern: weg von äußerer Perfektion und hin zu dem, was wirklich zählt und für immer bleibt.
„Folgen wir dem Licht des Auferstandenen und ändern wir erforderlichenfalls unseren Kurs. Lasst uns dies heute insbesondere tun, indem wir auf Maria schauen, die Gott in Leib und Seele mit Herrlichkeit gekrönt hat und die er uns als Mutter, Führerin, Gefährtin und Beschützerin auf dem Weg zum Himmel geschenkt hat,“ so der abschließende Rat von Papst Leo bei der Messe zum Hochfest Mariä Himmelfahrt.
Am Rande der Messfeier (@VATICAN MEDIA)
Castel Gandolfo 2026: Ein Jahr der Jubiläen
Am Mittwochnachmittag nach der Generalaudienz war Papst Leo nach Castel Gandolfo aufgebrochen, wo er bis zum 18. August bleiben will. Bereits zum zweiten Mal feierte er dort die Messe zum Hochfest Mariä Himmelfahrt. Der malerische Ort kann dieses Jahr ein rundes Jubiläum feiern: Seit 400 Jahren zieht es die Päpste in der heißen Jahreszeit in die Albaner Berge – seit 1626, als Papst Urban VIII. den Ort zu seiner Sommerresidenz machte. Und auch für die Salesianer gibt es dieses Jahr Grund zum Feiern: sie können auf 100 Jahre pastoralen Dienst in der Päpstlichen Pfarrei „San Tommaso da Villanova“ zurückblicken. 1926 wurden sie zunächst mit dem Aufbau und der Betreuung des Oratoriums betraut; seit 1929 ist ihnen auch die Leitung der Päpstlichen Pfarrei anvertraut.
(vaticannews – skr)