„Ba ba, bababa-da-da-da-da-daaaaaa“ hallt es, untermalt mit Klängen einer Ukulele, durch die Gänge der Kinder- und Jugendabteilung. Neugierige Blicke wandern zur Eingangstür – und bleiben an zwei Frauen mit bunten Kostümen hängen. Die eine, die sich später als Betti vorstellen wird, trägt blaue Socken, rote Schuhe und ein türkises Barett – bei der anderen, Mini, lugen kleine Haarzöpfe unter dem Cowboy-Hut hervor. Was sie verbindet: ein rotes Kleid, eine rote Tasche – und, freilich, jeweils eine große rote Nase.

Seit sechs beziehungsweise viereinhalb Jahren schon sind Betti und Mini, die mit bürgerlichem Namen Karoline Gans und Jennifer Gross heißen, als Clowninnen im Einsatz – so auch an diesem Nachmittag, wo das Landesklinikum Mödling ihre Arbeitsstätte ist. Kaum haben die beiden ein paar Takte gesungen, öffnet sich auch schon die Tür zum ersten Krankenzimmer. Marlies, der die beiden Rote-Nasen-Clowninnen eigentlich als Erste einen Besuch abstatten wollten, kommt den Frauen direkt entgegen. Im Foyer nimmt sie mit ihrem Vater auf einer Bank Platz – und beobachtet das bunte Treiben am Spitalsgang.

Mehr als 290.000 Begegnungen im Vorjahr

Seit 32 Jahren schon sorgen die Rote-Nasen-Clowndoctors für fröhliche Gesichter – und das längst nicht nur im Spital. Auch Rehabilitationszentren oder Pflegeeinrichtungen besuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig. Im Vorjahr zählte die Organisation österreichweit mehr als 4.500 Einsätze mit über 290.000 Begegnungen. Dabei sind die 88 professionell ausgebildeten Clowns auch immer wieder in Niederösterreich zugegen: Neben den Krankenhäusern Baden-Mödling, Mistelbach-Gänserndorf, Tulln, St. Pölten, Krems und Wiener Neustadt stehen auch das Pflege- und Betreuungszentrum St. Pölten oder die „kokon“-Kinderreha in Bad Erlach auf dem Tour-Plan.

Die Vielfalt ihrer Einsatzorte – von der Neonatologie bis zur Palliativstation – sei eine der vielen Besonderheiten ihres Jobs, sagen die Clowninnen bei einer kurzen Pause zur NÖN. Sowohl Karoline Gans als auch Jennifer Gross haben ihre Wurzeln in der Schauspielerei, sind mittlerweile aber hauptberuflich als Clowninnen tätig. „Clownin sein gefällt mir besser als Theaterarbeit – weil ich als Clownin keine vierte Wand habe. Nirgendwo kommst du so in Kontakt mit den Menschen als hier“, beschreibt es Gans. Das kann auch Gross nur bestätigen: „Diese Direktheit, Offenheit und auch Verletzlichkeit hat mich von Anfang an berührt.“

Die Clowninnen Betti und Mini bringen gute Laune in die Zimmer der Patientinnen und Patienten. Auch Marlies und ihrem Papa Markus statteten die beiden Rote Nasen-Clowndoctors einen Besuch ab.

Die Clowninnen Betti und Mini bringen gute Laune in die Zimmer der Patientinnen und Patienten. Auch Marlies und ihrem Papa Markus statteten die beiden Rote Nasen-Clowndoctors einen Besuch ab.

Foto:
Philipp Grabner

Was es brauche, um tatsächlich als Clown oder Clownin arbeiten zu können? „Ganz viel Flexibilität, ganz viel Offenheit und natürlich auch Mut zur Imperfektion“, gibt Jennifer Gross zur Antwort. Vor jedem Auftritt sei sie „aufgeregt, aber positiv aufgeregt“, sagt sie. Ihre Kollegin Karoline Gans fügt noch „Mut“ hinzu: „Nämlich Mut dazu, eine andere Stimmung in den Raum zu bringen.“

Wie unterschiedlich Auftritte der Clowninnen ausfallen können, erklärt Karoline Gans anhand einer Slapstick-Einlage, also einer Form der Körperkomik, bei der ein Missgeschick vorgespielt wird. „Bei älteren Menschen sorgt ein solcher nicht selten für Sorge um den Betroffenen, jüngere Personen lachen wiederum.“ Insofern gelte es, sich individuell auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen. „Wenn wir im Vorhinein etwa wissen, dass ein Herr gerne Jazzmusik hat, können wir etwas Passendes vorbereiten“, erzählt Gans.

Clowns bringen Humor – und Mut

Dass sie ihre Rolle auch als Mutmacherinnen definieren, skizziert Gross anhand einer weiteren Geschichte. In der Jugendpsychiatrie habe sie ein Mädchen getroffen, das sich nie getraut hatte, vor anderen zu singen. Der Besuch der Clownin änderte dies: Mithilfe einer Playback-Version des gewünschten Lieds, das am Handy abgespielt wurde, brachte das Mädchen ihren Lieblingssong dar. „Das Berührende an dem Besuch war für mich, dass die Stimme des Mädchens so gezittert hat, weil sie so offen und emotional war. Ich fand es wahnsinnig schön zu sehen, wie uns jemand, der uns gerade erst kennengelernt hat, so viel Vertrauen schenkt und sich ermutigt fühlt, die eigene Stimme in solch einer Ehrlichkeit zu zeigen. Und trotz oder gerade wegen der zittrigen Stimme hat sie so schön gesungen“, erinnert sich Gross zurück.

Ihre Auftritte bestreiten die Rote-Nasen-Clowndoctors übrigens meist zu zweit – weshalb es auch erforderlich ist, gut aufeinander abgestimmt zu sein. Zu den besonders anspruchsvollen Einsatzbereichen zählt die Arbeit mit Wachkomapatientinnen und -patienten. Speziell geschulte Clowns versuchen dabei, über Musik, Stimme oder Berührungen Momente der Resonanz zu schaffen. Abseits dessen besteht auch die Möglichkeit, dass Rote Nasen-Clowns Kinder zu einzelnen Behandlungen begleiten – um sie mit ein wenig Spaß und Humor abzulenken. Was das Schöne an ihrem Job sei? Gans und Gross sind sich einig: „Die Freude der Kinder.“

Bitte recht freundlich: Betti und Mini unterwegs im Landesklinikum Mödling.

Bitte recht freundlich: Betti und Mini unterwegs im Landesklinikum Mödling.

Foto:
Philipp Grabner

Zurück am Spitalsgang, tragen Betti und Mini wieder ihre obligatorische rote Nase im Gesicht. Mitten im Gesang – „Ba ba, bababa-da-da-da-da-daaaaaa“ – stockt Betti plötzlich, dreht sich um und wirft Mini einen fragenden Blick zu. Die hat unterdessen nämlich ihr Ukulele-Spiel rhythmisch völlig umgestellt – und zupft nun wie wild auf dem kleinen gitarrenähnlichen Instrument herum. „Freestyle“, verteidigt sich Mini – kehrt dann aber, sehr zur Freude ihrer Kollegin, wieder zur ursprünglichen Melodie zurück.

Mittlerweile sind auch andere auf das Treiben der beiden Clowninnen aufmerksam geworden. Weiter unten, am Ende des Ganges, öffnet sich eine Tür – ein Mann mit kleinem Kind am Arm lugt heraus. Begeistert beobachtet der Bub die Vorführungen – und goutiert sie nicht nur mit einem breiten Lächeln, sondern auch mit einem kleinen Applaus. Betti und Mini setzen ihre Tour durch die Kinderabteilung unterdessen fort und klopfen an die nächste Tür. Der Applaus des Buben ist da schon verklungen – sein Lächeln aber bleibt.