Es geht um 39.300 Mandate in ganz Bayern: Bei der Kommunalwahl haben rund zehn Millionen Wahlberechtigte im Freistaat über ihre künftigen Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte abgestimmt. Auch Mitglieder der Gemeinderäte, Stadträte und Kreistage wurden gewählt. Um 18 Uhr wurden die Wahllokale geschlossen. Das landesweite Ergebnis, das besonders für die Parteien interessant ist, steht erst am Mittwoch fest. Viele Oberbürgermeister- und Landratswahlen werden bei Stichwahlen in zwei Wochen entschieden. Trotzdem lassen sich erste wichtige Erkenntnisse aus dem Wahltag ziehen.
Wahlbeteiligung höher als 2020
Die Kommunalwahl ist bei den Menschen in Bayern auf großes Interesse gestoßen. Große Städte wie München, Nürnberg oder Augsburg meldeten eine gestiegene Beteiligung im Vergleich zur Wahl 2020. Gründe dafür dürften allerdings auch sein, dass das Frühlingswetter viele Menschen aus den Häusern lockte und die Wahl 2020 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stattfand.
In der Wahlkabine mussten die Wähler erst einmal die überdimensionalen Wahlzettel auseinanderfalten. Mancherorts konnten mehr Kandidaten gewählt werden als darauf standen: Das bayerische Wahlrecht erlaubt das freie Eintragen eines Namens – falls nur ein Kandidat zur Wahl steht. So wurde etwa Markus Wintergerst als neuer Bürgermeister der 1.700-Einwohner-Gemeinde Untrasried im Ostallgäu gewählt. Er war kurzfristig eingesprungen, weil der ursprüngliche Bewerber aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste.
Stichwahlen in allen großen Städten
Das Besondere an den Kommunalwahlen ist, dass lokale Vorkommnisse eine größere Auswirkung auf die Wahl haben. Spannend wird es daher in München. Dort ist der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wegen nicht vom Stadtrat genehmigter Zahlungen für ein Ehrenamt beim FC Bayern in die Kritik geraten. Negative Schlagzeilen brachte ihm zudem ein, dass er in einer Stadtrats-Sitzung das N-Wort gebrauchte. Für beide Vorfälle hat sich Reiter entschuldigt, einige Wähler dürften ihn dennoch abgestraft haben: In der Landeshauptstadt kommt es zur Stichwahl zwischen ihm und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause. Reiter verpasste eine eigene Mehrheit deutlich, er kam auf 35,6 Prozent der Stimmen. Krause lag mit 29,5 Prozent knapp dahinter. Das bedeutet auch für den CSU-Kandidaten Clemens Baumgärtner eine deutliche Schlappe, er erreichte 21,3 Prozent.
In Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg muss Amtsinhaber Marcus König (CSU) gegen seinen SPD-Herausforderer Nasser Ahmed in die Stichwahl ziehen. Auch in Augsburg werden die Bürger noch einmal zur Urne gerufen: Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) muss ihren Posten gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund verteidigen. In Passau kommt es zur Stichwahl zwischen Andreas Rother (SPD) und Armin Dickl (CSU). In Regensburg gibt es ebenfalls einen zweiten Urnengang: Die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein tritt gegen Thomas Burger (SPD) an. Überraschend ist das Ergebnis in Bamberg: Dort liegen der Grünen-Kandidat Jonas Glüsenkamp und Sebastian Martins Niedermaier (SPD) vor der ehemaligen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).
Landratswahlen: CSU führt, AfD-Kandidaten teils auf Platz zwei
Bei der Landratswahl zeigt ein Blick auf die Bayern-Karte: Die meisten Kreise sind schwarz gefärbt, führend sind dort Kandidaten der CSU. Die Freien Wähler zeigten sich in ihren Hochburgen regional stark: Sie führen bei der Landratswahl in den Kreisen Rhön-Grabfeld, Kitzingen, Garmisch-Partenkirchen, Donau-Ries, Oberallgäu, Unterallgäu, Nürnberger Land und Bayreuth. Zudem gehen sie vielerorts in Stichwahlen.
Die AfD hatte mit einem besseren Abschneiden gerechnet, dennoch erlangte sie mancherorts den zweiten Platz, etwa im Kreis Augsburg, in Bad Kissingen, Haßberge, Bamberg, Günzburg, Mühldorf am Inn und Passau. Am späten Abend war allerdings nicht absehbar, dass es AfD-Kandidaten in Stichwahlen schaffen könnten. Auch im Landkreis Dingolfing-Landau gelang es dem wohl prominentesten AfD-Kandidaten Stephan Protschka nicht, die CSU in Bedrängnis zu bringen.
Als roter Fleck auf der Landkarte fällt der Landkreis Schweinfurt ins Auge: Dort liegt Florian Töppler von der SPD weit vorn.