
Klaus Kainz
Ein freiberuflicher Schreiber für Chronik-Themen, manchmal auch Kultur. Vor allem aber ist er faszinierter Zocker seit mehreren Jahrzehnten. Denn Resident Evil ist intensiver als jeder Horrorfilm, Bloodborne oder Metroid Prime immersiver als jeder Fantasy-Roman – und Dampf ablassen geht kaum besser als mit Streets of Rage oder Ninja Gaiden.
Nun wird der Unmut über den Stellenabbau bei Microsoft auch in den Studios lauter. In einem Podcast übte ein führender Entwickler bei id Software, der Schmiede hinter Doom und Wolfenstein, heftige Kritik an der Xbox-Chefetage. Im Vormonat kündigte CEO Asha Sharma die Streichung von rund 3.200 Stellen an, während manche Experten gar von der größten Entlassungswelle in der Geschichte der Branche sprechen. Sharma hatte Xbox im Frühjahr übernommen und eine große Neuausrichtung der Gaming-Sparte angekündigt.
Entwickler Chris Hayes ließ jedenfalls kein gutes Haar an der neuen Leitung. “Sie verstehen nichts von Kunst, sie verstehen nichts von Spielen, sie verstehen nichts vom Geschäftsmodell”, polterte er im Podcast. Auch id Software treffen die Einsparungen hart. Rund die Hälfte der Belegschaft soll gehen. „Wenn man die Hälfte eines Studios abbaut und dabei nicht berücksichtigt, wie ein Spiel entsteht, versteht man nicht, dass gerade der Zusammenhalt zwischen unseren Teams der Schlüssel zu unserem Erfolg war.“
Entwickler sieht schwarz für kommende Doom-Spiele

DOOM Eternal – Bild: id Software
Kommende Projekte sieht Hayes pessimistisch: “Es ist schwer, ein AAA-Spiel zu entwickeln wie bisher, mit nur halb so vielen Mitarbeitern. Und damit meine ich, dass es unmöglich ist”. Den offiziellen Statements, laut denen das Studio nun knapp die Größe hat wie zum Release von Doom 2016, kann er nichts abgewinnen. “Es gibt einen Grund, warum sie knapp sagen. Denn es ist weniger”, so Hayes weiter. „Wir sind nicht dasselbe id. Wir sind zur Hälfte dasselbe id.“
Zuvor äußerten andere Entwickler die Furcht, dass die Shooter-Engine id Tech wegen den Entlassungen “für immer tot” sei. Der Director des Studios, Hugo Martin, beschwichtigte allerdings. “Es gab Berichte, dass wir massiv geschwächt und ausgehöhlt worden seien und nur noch 50 Leute hätten. Das stimmt nicht”, erklärte Martin zuvor in einem Doom-Stream (via Eurogamer). Außerdem sei id Tech “sehr lebendig und gut aufgestellt”. Als Sharma zuletzt Bethesda Game Studios besuchte, protestierten Gewerkschafter mit einer riesigen Ratte vor dem Gebäude.
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