Der neue Intendant Sebastian Nordmann hat am Freitagabend sein erstes Lucerne Festival unter dem Motto „American Dreams“ eröffnet. In einer Ansprache scherzte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin über das Verhältnis zwischen der Schweiz und der USA. Auf den Zollstreit anspielend, sagte Parmelin im KKL Luzern, eigentlich würde ein Walzer zum Motto passen: Schließlich gehe es einen Schritt vor, zur Seite, zurück – „und manchmal dreht man sich im Kreis“.

Auch ein Seitenhieb zu Präsident Trumps Slogan „Make America Great Again“ durfte nicht fehlen, schließlich sei die Schweiz „Great“ seit 1291. Mit etwas mehr Ernsthaftigkeit betonte Parmelin die engen Verbindungen zwischen den Ländern. Die Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und den USA beschränkten sich nicht auf den Handel, sagte er. Auch Wissen und Kultur tauschten die Menschen aus.

Dialog mit Musik schaffen

Die Musik könne leisten, was der Politik nicht immer gelinge, sagte Parmelin weiter. Nämlich einen Dialog zu schaffen, ohne dass sich Fronten verhärten. Getreu dem Motto lade sie dazu ein, gemeinsam zu träumen.

„American Dreams“ hatte der neue Intendant Sebastian Nordmann anlässlich der 250-jährigen Unabhängigkeit der USA gewählt, wie er dem Publikum erklärte. Damit biete sich die Gelegenheit, die amerikanische Musik besser kennenzulernen, die sich im 20. Jahrhundert unterschiedlich zur europäischen Tradition entwickelt habe.

Nordmann zeigte sich erfreut über den Start des Festivals, das bis zum 13. September dauern wird. Über 120 Veranstaltungen werden im KKL, unter freiem Himmel und an weiteren Orten stattfinden. „Große Stars“ werden sich die Klinke in die Hand geben und die „weltbesten“ Orchester auftreten. Das Festival ist einer der größten Anlässe für klassische Musik in der Schweiz.

Nordmann hatte das Eröffnungskonzert lange erwartet. Er übernahm das Festival auf diese Ausgabe hin von Michael Haefliger, der 26 Jahre lang als Intendant tätig war. Bereits 2023 wurde der 55-jährige Deutsche als Nachfolger bekannt gegeben.

Auftritte von Amanda Gorman bis Yo-Yo Ma

Zum Auftakt spielte das Lucerne Festival Orchestra (LFO) unter dem italienischen Dirigenten Riccardo Chailly Werke der US-amerikanischen Komponisten Steve Reich, George Gershwin und Charles Ives. Als Gastmusiker trat der Pianist Frank Dupree auf. Werke aus der US-amerikanischen Tradition sollen auch in Europa Teil der Repertoires werden, wie Nordmann bei der Programmankündigung im Jänner sagte.

Besondere Highlights verspricht die diesjährige Ausgabe mit den Auftritten der Lyrikerin Amanda Gorman, die mit ihrer Lesung 2021 bei der Amtseinführung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden berühmt wurde, der Geigerin Anne-Sophie Mutter oder des Cellisten Yo-Yo Ma.

Den Kern des Festivals bilden die täglichen Auftritte heimischer und internationaler Orchester, etwa aus Budapest, Amsterdam oder Berlin. Auch das West-Eastern Divan Orchestra, das unter anderem Musikerinnen und Musiker aus Israel und Palästina vereinigt, spielt am Festival auf.

Die Ouvertüre des Festivals ging bereits am Donnerstagabend über die Bühne. Im KKL spielte das LFO auf, davor ließ das Havana Lyceum Orchestra unter freiem Himmel kubanische Musik erklingen.