Gemälde mit dem Titel "I’ll Be Your Mirror" - installiert in der Hamburger Kunsthalle

AUDIO: Schütteln, Sprühen, Kunst: Emden zeigt Ausstellung über Schrift (4 Min)

Stand: 18.08.2026 10:08 Uhr

Die Kunsthalle Emden hat sich unter dem Titel „Große Buchstaben, grelle Farben“ dem Thema Schriftkunst angenommen – angeregt durch eine Graffiti-Aktion auf der sogenannten Trog-Strecke im Emder Stadtteil Borsum.

von Nadia Yaqub

Graffiti ist nichts für das Museum, das gehört auf die Straße – so sehen es viele Graffiti-Künstler, sogenannte Writer, sogar selbst. Doch manche davon sind in den letzten 30 bis 40 Jahren richtig berühmt geworden und haben die Graffiti-Kunstszene als Pioniere nachhaltig beeinflusst: Daim, Lumid und Can2 aus Deutschland gehören dazu. Einige von ihnen haben sich jetzt auch in Emden verewigt, auf einer der nun größten Graffiti-Flächen der Republik.

Das lässt selbst das Herz von Kunsthallen-Leiterin Ina Grätz höher schlagen: „Das ist total überwältigend. Das sind 2.100 Quadratmeter Graffiti-Kunst im öffentlichen Raum, immer zugänglich, und das begeistert uns. Deswegen haben wir das Thema für die Ausstellung aufgegriffen.“

Buchstaben bieten viele Ausdrucksarten

Gemälde zeigt Menschen, die eine Wand besprühen

Christian Thoelkes Ölgemälde „Wall“.

In der Ausstellung „Große Buchstaben, Grelle Farben“ wird die ganze Bandbreite der zeitgenössischen Kunst mit der Schrift gezeigt. Es geht nicht ausschließlich um Graffiti, doch das Thema zieht sich durch die Schau. Ein zweiteiliges Ölgemälde von Christian Thoelke zeigt eine urbane Landschaft – mit Graffiti. Am Eingang zieht eine Lichtinstallation alle Blicke auf sich.

Wenn es um Buchstaben geht, gibt es unendlich viele Ausdrucksarten, oftmals lassen sich Worte kaum noch lesen und trotzdem kommt die Botschaft rüber, wie bei dem Relief-Druck „Melt“, zu deutsch geschmolzen, des Österreichers Erwin Wurm. „Er schreibt das Wort „Melt“. Und das schreibt er in einer sehr – die Writer und Graffiti-Künstler würden sagen – bubbeligen Art“, so die Kunsthallen-Leiterin. „Es sind aufgeblasene, verschmolzene, schmelzende Buchstaben, die das Thema und das Wort untermauern.“

Von „Amok“ bis „Disziplin“

Im Eingangsbereich der Kunsthalle Emden arbeitet die Berliner Künstlerin Nadine Fecht gerade noch an ihrem Beitrag. Sie verfremdet das Wort „Amok“. Auch wenn sie die Spraydose benutzt, mit Graffiti hat sie nichts zu tun. Als bildende Künstlerin benutzt sie Typografie und Text in ihren Kunstwerken, um sich „freizuschreiben“ sagt sie.

An anderer Stelle hat sie das Wort „Disziplin“ auf ihre Weise interpretiert. „Das sind alles Begriffe, die sprachlich in uns etwas auslösen, was eine heftige Emotion erzeugt“, erklärt sie. „Wo wir angesprochen werden, uns dazu zu verhalten. Dieser Moment interessiert mich. Kunst ist eigentlich ein Feld, das einen aktivieren kann.“

Mit Hilfe von Tennisbällen interagieren

Aktiviert werden auch die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung der Kunsthalle Emden. Das soll vor allem auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Kunsthallen Mitarbeiterin Janine Krause steht vor einer schnöden Pressholzwand, die die Ausstellung interaktiv werden lässt. „Auf jedes einzelne Paneel ist ein Buchstabe in Kreisen gefräst, die das Wort ‚Truth‘ ergeben. Die Künstlerin Shilpa Gupta hat das Kunstwerk extra für uns entworfen und wir haben es hier produziert.“ Die Besucher sind nun dazu ermutigt, Tennisbälle zu nehmen und sie durch die Kreise zu werfen.

Schrift als Bildmotiv ist übrigens kein neues Phänomen: Schon im verschütteten Pompeji dienten Schriftzüge an Wänden als Zierde. Im Mittelalter wurden Schriftbänder auf Gemälden eingesetzt und richtig Fahrt nahm die Kunst um die Schrift Anfang des 20. Jahrhunderts im Dadaismus auf – und dann kam Graffiti zuerst in Philadelphia und New York auf. Straßenkunst, die es nicht nur in Emden ins Museum geschafft hat.

Außenansicht der Kunsthalle Emden

Von der klassischen Moderne bis zur internationalen zeitgenössischen Kunst reicht das Spektrum der Kunsthalle Emden.

Eske Nannen: „Wir brauchen auch Veränderung“

Für Eske Nannen, Mitbegründerin der Kunsthalle Emden, heute 84 Jahre alt, bedeutet das, am Puls der Zeit zu sein. „Es ist sehr, sehr mutig, aber ich stehe voll dahinter, denn wir brauchen auch Veränderung“, so Nannen. „Auch gerade in Verbindung mit dem, was die Stadt da am Trog gemacht hat, was ja auch sensationell für eine Stadt wie Emden ist. Es ist immer ein bisschen umstritten, aber ich denke, das ist gut, dass wir das jetzt gemacht haben.“

Otto Waalkes sitzt an einem Tisch vor eigenen Gemälden und lacht.

Otto Waalkes ist der vielleicht bekannteste Ostfriese. Zahllose Preise und Auszeichnungen hat er für seine Arbeit bekommen.

Direktorin der Kunsthalle Emden Ina Grätz (1.v.r.) führt Olaf Lies, Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Falko Mohrs durch die Ausstellung.

Direktorin Ina Grätz erzählt im Gespräch, wie aus Henri Nannens Traum ein Haus wurde, das noch immer bewegt.

Heiner Altmeppen: Norddeutsche Landschaft, Acryl auf Holz, 1980-81. Original 150 x 200 cm

Eine Schau mit inspirierender Wolkenkunst aus 150 Jahren – von der klassischen Landschaft bis zur zeitgenössischen Installation.