Es ist die erste gemeinsame Ausstellung der beiden Künstler, dabei kennen sie sich bereits seit Jahrzehnten. Vor 20 Jahren hat Blanke den Cartoonisten, Karikaturisten, Illustrator, Grafikdesigner, Maler, Zeichner und Bildhauer Petrovic den beiden Galeristen Maria Franz und Anton Bronich ans Herz gelegt. Der Künstler und Seefahrer Blanke gehört dem Kulturraum seit seiner Gründung vor 30 Jahren an.
Beide Künstler arbeiten völlig unterschiedlich, ihre Arbeiten finden indes an den Kulturraum-Wänden wie selbstverständlich zueinander. In Zeiten von Krieg und Chaos habe eine alte Idee in ihm Raum gegriffen, erklärt Petrovic seine brandneuen Kobolde, die in der Galerie seit ein paar Tagen ihr Unwesen treiben. Bleistift-Skizzen hat der Künstler in Gold gerahmt. Sie zeigen allerlei Möglichkeiten, alleine oder gemeinsam eine Weinflasche zu öffnen.
Bewusst will Petrovic den Betrachter in eine Welt entführen, in deren Mittelpunkt Humor, Solidarität, Erfolg und Scheitern stehen. Auf Holz, Weinkisten und Papier finden kleine Kobolde Lösungen um ein Problem, das dem spontanen Genuss entgegensteht. Kobolde a la Petrovic zaubern dem Betrachter ein Lächeln ins Gesicht, das ihn beim Rundgang durch die Ausstellung nicht mehr verlässt.
Großes Herz für kleine Wesen
Seit 1980 lebt und arbeitet der gebürtige Serbe in Karlsruhe. Er stellt international aus, hat Bücher verfasst, überall anspruchsvolle Heiterkeit verbreitet und ein großes Herz für kleine Wesen. Dem 72-Jährige ist es ein Anliegen, eigentlich altbekannte Wichtel mit Knollennasen ins 21. Jahrhundert herüberzuretten. Was Heinzelmännchen und Kollegen vermocht haben, gelingt Petrovics Kobolden allenthalben: dem Betrachter ein Stück heiler Welt zurückzugeben.
Das ist ihm ohne Kitsch und Tand sensationell gelungen. Schockverliebt empfindet der Betrachter große Lust, die grünen und grauen lösungsorientierten Kobolde mit den langen Bärten voller Dankbarkeit in den Arm zu nehmen, sie zu kosen und mit ihnen zu tanzen. Derzeit denkt Petrovic über einen Kobold-Kalender nach, der ein ganzes Jahr Frohsinn ins Haus bringt. Die Fans des Künstlers warten voller Vorfreude darauf.
Unschärfe ist die Basis für Wolfgang Blankes Arbeiten. Sie entstehen im Wiesbadener Atelier, das der Künstler 2016 bezogen hat. In vielen Bildern ist der Seemann zu erkennen, zu fühlen, zu riechen und zu schmecken. Für diese Profession hat der heute 78-Jährige seine künstlerische Laufbahn unterbrochen. Ein Schiff besitzt er noch heute. Blanke arbeitet figurativ. Frauen flanieren wie aus einem Weichzeichner am Strand, im Schatten, unter Sonnensegeln. Der Künstler lässt sie durch die Bilder schweben, die Gedanken des Betrachters fliegen mit ihnen weit über den Bildrand hinaus. Blanke führt den Betrachter durch einen Sommer voller blühender Gärten, ins Café, in Strandkörbe oder unter Sonnenschirme. Getreu seinem Buch „Malen mit Pigmenten hat Blanke seine ausschließlich eigene Herstellung der Farben auf einem Großformat detailliert erklärt. Im hinteren Zimmer der Galerie gesellen sich Blankes Domansichten zu Petrovics Bierengel.
Die Ausstellung
Wolfgang Blanke und Zoran Petrovic bis 4. Oktober in der Speyerer Galerie Kulturraum, Maximilianstraße 99: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr, So 14-17 Uhr.